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Ausgabe der bestellten E-Bikes vor dem Rathaus in Bad Soden. Stefan Trauth erklärt, wie das Rad zu bedienen ist. Rainer Seifert, Elisabeth Bracke, Samuel Goebert und Ulli Hennrich (von links) hören aufmerksam zu.

Elektrofahrräder

E-Radeln: Möglichst viele Bürger sollen zum Umstieg aufs umweltfreundliche Fortbewegungsmittel animiert werden

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Manche Leute brauchen einen Anstoß von außen, damit sie bereit sind, zur Verkehrswende beizutragen. Deshalb stellen der Kreis und verschiedene MTK-Kommunen jetzt Elektrofahrräder leihweise zur Verfügung.

Marcus Brand aus Hattersheim wird am heutigen Freitag, wenn das Wetter mitspielt, erstmals besonders umweltfreundlich sein Kind zum Kindergarten bringen und dann auch noch seinen Arbeitsplatz in Niederrad erreichen. Die beiden Ziele liegen auf einer Strecke, und Brand hat jetzt für zwei Wochen ein Fahrzeug, mit dem er gut das Kind mitnehmen und dann auch noch zügig zur Arbeit kommen kann: ein Elektrofahrrad. Er gehört zu einer Gruppe von zehn Hattersheimern, die für zwei Wochen kostenlos ein solches E-Bike vom Main-Taunus-Kreis bekommen haben.

Der Kreis hat sich damit dem Landesprogramm „Fahrradfahren neu entdecken“ angeschlossen. Dabei werden interessierten Bürgern vom Land finanzierte Fahrräder zur Verfügung gestellt. Die Menschen können dann ausprobieren, ob ein solches Elektrofahrrad ein Verkehrsmittel ist, mit dem sie sich dauerhaft anfreunden können. Vier Orte aus dem Kreis – Hofheim, Kelkheim, Eschborn und Kriftel – haben das Landesprogramm selbstständig angenommen. Für die anderen acht Kommunen ist der Kreis aktiv geworden.

In Kelkheim drehte sich bereits am vergangenen Samstag alles um den E-Bike-Verleih. Laut Rathaus-Sprecherin Christine Michel war das Interesse vorab riesengroß, gut 340 Anmeldungen lagen vor. Bei der Verlosung vor dem Rathaus war es nicht so voll, doch die Besucher konnten sich beim Fahrradladen, Verleihern und dem ADFC rundum informieren. Die 20 E-Bikes und E-Lastenräder sollen nun bis Ende Mai im Zwei-Wochen-Rhythmus vergeben werden, damit möglichst viele Radler zum Zug kommen, kündigt Christine Michel an.

Genauso wird es auch der Kreis handhaben. Alle zwei Wochen ist eine neue Gruppe dran, dabei kommt eine Kommune nach der anderen an die Reihe. 500 Interessenten habe es gegeben, nach und nach kommen 240 zum Zug, berichtet Cornelia Wienen, die Nahmobilitätsbeauftragte des Kreises. Wer erst jetzt von der Aktion hört, hat Pech gehabt: Beim Kreis und bei den Kommunen sind die Räder allesamt vergeben. Gestern hat auch die Stadt Bad Soden zehn ihrer Bürger mit den Fahrrädern ausgestattet.

Die Ausgabe im Hof des Landratsamtes beschränkte sich aber nicht darauf, die Elektrofahrräder zu übergeben. Vom Kreis gab es einen Umschlag mit Landkarten, die viele Anregungen für Radtouren geben. „Das bekommt plötzlich eine neue Dimension“, sagt dazu Erster Kreisbeigeordneter Johannes Baron. Er leiht sich mit der Familie gelegentlich Elektroräder, um einen Ausflug zu unternehmen. Dabei kämen auch Ziele im Taunus in Frage, sagt Baron, die mit dem herkömmlichen Fahrrad wegen der Steigungen nicht unbedingt erste Wahl seien. „Das ist ein ganz anderes Fahrgefühl.“

Für die Neulinge auf den Elektrorädern gab es bei der Ausgabe auch noch einige Hinweise zum Gebrauch. Moderne Scheibenbremsen zum Beispiel haben alle Fahrräder. „Die mögen es nicht, wenn man es schleifen lässt“, sagt Stefan Trauth, der den mobilen Fahrradladen „Biketempel“ betreibt und die zehn Räder beschafft hat. Einige Lastenfahrräder sind dabei. Marcus Brand hat auch eines bekommen. Er wollte es, um seine Tochter zum Kindergarten bringen zu können. „Von der Getränkekiste bis zur kleinen Schwiegermutter passt alles rein“, juxt Kreisbeigeordneter Baron.

Er hofft, dass durch diese Testphase möglichst viele veranlasst werden, auf ein Elektrofahrrad umzusteigen. Im Blick hat er Menschen wie die Hattersheimerin Elke Reinisch, die sich mit ihrem Mann ebenfalls an der Aktion beteiligt. „Wir wollen das Rad für Wege nutzen, die zu Fuß zu weit sind, bei denen wir aber gerne auf das Auto verzichten wollen“, sagt sie. Gerade mit zunehmendem Alter sei das Elektrofahrrad ein geeignetes Verkehrsmittel, nimmt sie an, und etwas mehr für die Fitness tun möchte das Ehepaar auch.

„Vielleicht kaufen wir uns dann auch welche“, sagt sie mit Blick auf das Rad, mit dem sie dann gleich nach Hattersheim fährt. Eine solche Probefahrt ist sicher auch deshalb für viele das Richtige, weil die Anschaffung eines Elektrofahrrades finanziell keine Kleinigkeit ist. 1700 Euro müsse man für ein brauchbares Rad schon ausgeben, für ein gutes Modell seien aber durchaus 3000 Euro anzusetzen, sagt Fahrradhändler Trauth. Da gewinnt man doch ganz gerne vorab schon einen Eindruck, ob das das richtige Verkehrsmittel ist. Die Räder des Kreises sind zwar vergeben – aber es gibt noch Möglichkeiten wie den sonntäglichen Verleih am Hofheimer Stadtmuseum.

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