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Die Eduard-Spranger-Schule, eine Haupt- und Realschule, teilt sich ihr Gelände mit der Henri-Dunant-Schule, die derzeit in die Höchster Palleskestraße ausgelagert ist. Bis die Grundschüler zurückkommen, wird sich der neue Name der Spranger-Schule längst etabliert haben.

Die Umbenennung kommt

Eduard-Spranger-Schule darf sich einen neuen Namenspatron aussuchen

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Noch in diesem Jahr soll die Eduard-Spranger-Schule einen neuen Namen bekommen. Sie hat selbst das Vorschlagsrecht.

Die Gesamtkonferenz an der Eduard-Spranger-Schule hat bereits getagt und ist zu einer einstimmigen Entscheidung gekommen – der Name der Schule soll geändert werden. Dies berichtete Schulleiter Lothar Hennig bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu diesem Thema im Sossenheimer Volkshaus. Jetzt ist die Schulkonferenz an der Reihe, an der nicht nur die Lehrer, sondern auch die Eltern- und Schülervertretungen beteiligt sind. Die wiederum soll beim Ortsbeirat die Änderung des Namens beantragen.

Die Entscheidung der Schulkonferenz sei einstimmig gewesen, erläuterte Hennig – und nach der recht heftigen Debatte im Ortsbeirat gibt es wohl keinen Zweifel mehr daran, dass der Name geändert wird. Dass Spranger einfach nicht geeignet ist, einer Schule den Namen zu geben, das machte bei der GEW-Veranstaltung Professor Benjamin Ortmeyer deutlich, der an der Frankfurter Universität eine Forschungsstelle zur Pädagogik in der Zeit des Nationalsozialismus eingerichtet hat.

Über das Thema wurde schon seit Jahren diskutiert. Fahrt aufgenommen hat die Diskussion durch einen Presseartikel, in dem Sprangers nationalistische Haltung angesprochen wurde, und durch einen dadurch ausgelösten Antrag der SPD im Ortsbeirat, den Namen der Schule zu ändern. Die anderen Fraktionen lehnten diesen Antrag zwar ab, weil sie mit der Vorgehensweise der SPD nicht einverstanden waren. Ob der von den Sozialdemokraten ins Gespräch gebrachte Pädagoge Janusz Korczak als Namensgeber noch eine Chance hat, hängt von der Schule ab.

Nach den Worten von Schulleiter Hennig nämlich wird es eine Projektwoche geben, bei der die Schüler selbst einen Vorschlag erarbeiten sollen. Zur offiziellen Umbenennung wird es dann wohl beim Fest zum 50-jährigen Bestehen der Schule kommen. Um dafür Zeit zu gewinnen, habe man den Termin für das Fest in den Oktober verschoben, so Hennig. Bei der GEW-Veranstaltung deuteten die Ortsbeiratsmitglieder Petra Scharf (SPD) und Thomas Schlimme (Grüne) bereits an, dass das Stadtteilparlament den Vorschlag der Schule übernehmen werde.

Professor Ortmeyer machte deutlich, warum Spranger als Namensgeber einer Schule nicht tragbar ist. Die Weimerer Republik habe bewiesen, schrieb Spranger im Jahre 1932, dass der Parlamentarismus als politisches System ungeeignet sei. „Der Grundgedanke des Nationalsozialismus ist zu bejahen“, hieß es ein Jahr später. Ausdrücklich befürwortete er die Ideen der Eugenik, in nationalistischer Terminologie Rassenhygiene genannt, geistige Grundlage der systematischen Ermordung etwa von Menschen mit Behinderungen durch die Nazis. Ortmeyer ordnete Spranger denjenigen zu, die sich auch nach 1945 nicht richtig vom Nationalsozialismus distanzierten, sondern Hitler vor allem vorwarfen, den Krieg verloren zu haben.

Wie konnte es nun dazu kommen, dass noch 1967 eine Schule nach Spranger benannt wurde, und warum hat nicht schon eine Debatte vor einigen Jahren zu einer Namensänderungen geführt? Viele in den Erziehungswissenschaften seien Schüler Sprangers gewesen, wusste Ortmeyer – es dauere drei Generationen, bis sich eine solche Bindung auflöse. Und auch 1967 sei in Deutschland eine genauere Untersuchung der Mitläufer der NS-Zeit nicht angesagt gewesen – selbst die Auseinandersetzung mit den Haupttätern war damals ja noch nicht abgeschlossen.

Und die Debatte an der Schule? Schulleiter Hennig hatte dem Höchster Kreisblatt gegenüber schon vor zwei Wochen erläutert, dass sich die Schule in letzter Zeit erheblich mit dem Thema Inklusion habe befassen müssen und daher das Thema ihres Namens etwas vor sich her geschoben habe. Ein wenig zu lange habe ihm das jetzt trotzdem gedauert, monierte Professor Ortmeyer, und Sozialdemokratin Scharf sah sich insofern bestätigt, als dass ihr vielkritisierter Antrag die Diskussion doch noch einmal angeschoben habe.

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