Fastnachtszüge

„Ein erhabenes Gefühl“

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Fastnachtszüge sind der Lohn für die Arbeit mit dem „Narrenschiff“, das regelmäßig seine Pflege braucht.

Majestätisch steht das Narrenschiff des Hofheimer Herrenkomitees in der alten Scheune im Kiebitzweg, eine Plane schützt vor Staub und Schmutz. Vor sechs Jahren erst hatten die 16 Herren der Karnevalsgesellschaft den Umzugswagen in Eigenarbeit gebaut. 6500 Euro Eigenmittel und viele Stunden Arbeit waren reingeflossen. Entstanden ist ein Schiff mit großem Steuerrad, Stromaggregat, Musikanlage und sogar Campingtoilette. Hinten führt ein Abluftrohr nach oben, um hinterhergehende Narren vor Abgasen zu schützen.

Das ganze Jahr über haben die Männer ein Auge auf das Gefährt: Nach den Umzügen reinige man den grünen Teppich grob von Konfetti, im Sommer werde – wenn nötig – ausgebessert.

Zu dritt waren sie jetzt nach Diedenbergen gefahren, um den Wagen flott zu machen für die nahe Fastnachtszeit.

Doch das sei nichts im Vergleich zu früher. „Da mussten wir den Wagen Jahr für Jahr komplett zusammenbauen und auf einen Sattelschlepper laden“, erinnert sich Jürgen Weiske. Eine Woche lang habe man von morgens bis abends gewerkelt. An die alten Zeiten kann er sich gut erinnern, denn er ist bereits seit 1988 dabei. Motiviert durch die Tochter, die bei den Kadetten getanzt habe. „Auch ich bin vor 19 Jahren über meinen Sohn dazugestoßen“, erzählt Korporationsführer Dietmar Feist. Anfangs habe er nur ein bisschen mitgeholfen. „Dann kannst du auch ganz eintreten!“, habe man ihm gesagt. Günther Menzel ist seit 2005 im Team und für die Technik zuständig.

Zu tun gibt es jede Menge. Am 5. Februar steht erst einmal die Schrubbersitzung der Damen auf dem Programm. „Da bauen wir auf und wieder ab und verkaufen im Vorraum Karten.“ Starke Arme werden auch bei der Seniorenfeier im frisch renovierten Haus des örtlichen Turnvereins benötigt. „Im Verein sind wir die

Männer fürs Grobe

“, sagen sie schmunzelnd.

Aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Ein Highlight sei der alljährliche Vatertagsausflug, erzählen sie. Im Rampenlicht stehen die Herren am Faschingssamstag, wenn sie in der Stadthalle kostümiert die große Sitzung der Karnevalsgesellschaft leiten. Im diesem Outfit werden sie montags auch mit ihrem Wagen durch Fischbach fahren. „Das ist schon ein erhabenes Gefühl“, verrät Feist. „Wirklich schön“, stimmt Menzel zu.

„In Hofheim gibt’s ja nur jedes zweite Jahr den großen Umzug.“ Für mehr Umzüge fehle ihnen ohnehin das Personal. „Es müssen auf jeder Seite zwei Leute mitlaufen, die aufpassen, dass keiner unter die Räder kommt“, erklären sie. So sehen es die Sicherheitsbestimmungen vor. „Kamelle“ für den Umzug hat Feist bereits geholt, drei Paletten voll. „Mit einem Siebeneinhalb-Tonner“, sagt er. Vor allem das Popcorn fülle auf. In fest installierten Bonbonbehältern wird es seinen Platz finden. So brauchen die Komiteemitglieder nur vor sich zu greifen und das Naschwerk in die Menge am Straßenrand zu werfen.

Alles bestens also, nur dass bald ein Unterstellplatz für den Wagen fehlt. „Die Scheune soll saniert werden“, erzählt Weiske. Dem Gefährt fehle dann ein Dach über dem Kopf. Schade, denn man genießt hier den Luxus, von einer Seite rein-, zur anderen wieder rausfahren zu können. Manövrieren ist nicht leicht mit einem 8,50 Meter langen Anhänger. Beim Unterstellplatz müsse auch die Höhe stimmen: 3,50 Meter hoch sei der Wagen, fast 2,50 Meter breit. Eine Scheune sei perfekt, zehn Kilometer im Umkreis von Hofheim, also Kriftel, Kelkheim oder Hattersheim, seien o.k. „Perfekt wäre ein Bauer, der uns direkt mit dem Traktor herausziehen kann“, schmunzelt Feist. Aber das sei wohl utopisch. Wer Platz oder eine zündende Idee hat, kann sich mit Jürgen Weiske in Verbindung setzen unter Telefon (0 61 92) 2 22 45 oder E-Mail Herrenkomitée@KG1900.de.

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