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Hoffen auf neue Route

Bei einer Verlegung der Stromtrasse müssten Bäume gerodet werden

Es geht um die Abwägung des „Schutzgutes „Wald“ oder „Mensch“. Die Entscheidung steht noch aus.

Ein Augenschmaus ist die von großen Masten getragene Stromtrasse, die sich durch die Siedlung „Am Roth“ zieht und weiter nach Niedernhausen führt, wahrlich nicht. Doch selbst in unmittelbarer Nähe der Oberleitung ist es zumindest relativ ruhig, aktuell lässt sich friedliches Vogelgezwitscher vernehmen. Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn zusätzlich soll eine weitere Leitung installiert werden. „Bisher handelt es sich um Wechselstromleitungen, bei der neuen geht es dagegen um Gleichstrom“, erklärt Andreas Schreiner. Der Gleichstrom würde nicht nur höhere Lärmbelästigung mit sich bringen, sondern auch das magnetische Feld, dass um die Leitungen herum besteht, beeinträchtigen – möglicherweise mit gesundheitsschädigenden Folgen für die Anwohner. Darum haben sich rund 70 besorgte Bürger aus Eppstein und Niedernhausen zu einer Bürgergemeinschaft zusammengeschlossen, darunter auch Andreas Schreiner.

Der Austausch mit der Firma Amprion, die im Auftrag der Bundesnetzagentur am Ausbau des sogenannten „Ultranet“ arbeitet, gestaltete sich bis dato eher ernüchternd, so Schreiner. Die Bundesnetzagentur bietet Foren im Internet, im direkten Kontakt ist jedoch kaum ein Weiterkommen möglichen. „Man hört meistens Standardfloskeln und wird auf weiterer Verfahren verwiesen“, sagt Schreiner, „man wird abgewimmelt.“ Zudem sei das technische Knowhow und vor allem die verfügbare Zeit der Mitglieder der Bürgerinitiative begrenzt. Glücklicherweise steht man nicht alleine da, Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon unterstützt die Bürger mit Rat und Tat. Gemeinsam mit Joachim Reimann, Bürgermeister der Stadt Niedernhausen, ging man jüngst die aktuelle Sachlage durch. Zumindest für die Bewohner Eppsteins scheint es einen kleinen Hoffnungsschimmer zu geben.

Spielraum zur Verlegung der Trasse räumte Amprion nämlich von Anfang an ein: Innerhalb eines Korridors von einem Kilometer um den bestehenden Verlauf herum könnte gearbeitet werden. Vertreter der Stadt Eppstein nahmen dies als Grundlage, um eine Alternativ-Route zu entwerfen. Dabei würde man die Masten kurz vor Bremthal ein Stück nach Westen versetzen und die Trasse durch den angrenzenden Wald leiten. „Dabei müsste ein Teil des Waldes gerodet werden“, erklärte Simon, „es muss zwischen dem Schutzgut Wald und dem Schutzgut Mensch entschieden werden.“ Die von der Bürgerinitiative erhoffte Ideallösung der unterirdischen Neuverlegung sei hingegen nicht durchsetzbar.

Auch in Niedernhausen habe man mögliche Alternativstrecken erforscht, aber keine offizielle Version bei der zuständigen Prüfstelle eingereicht, so Reimann. „Es hat sich schnell herausgestellt, dass die Entlastung eines Wohngebietes an anderer Stelle zur erhöhten Belastung führen würde.“ Eine Entscheidung der Bundesnetzagentur ist noch nicht gefallen. Aktuell befindet sich das Projekt im vierten von insgesamt fünf Planungsabschnitten. Anträge und Anhörungen sind aber bis zum Schluss möglich. „Die Menschen sind verunsichert, über das, was da über ihre Köpfe hinweg gemacht wird“, sagt Simon. Diese Verunsicherung wird man ihnen auch in näherer Zukunft nicht komplett nehmen können. Doch der Bürgermeister versicherte den Vertretern der Initiative auch: „Wir sitzen alle im gleichen Boot und rudern gemeinsam in eine Richtung.“ rk

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