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Das Planspiel der Feuerwehr im Feuerwehrhaus Münster: Instrukteur Michael Ehresmann (links) führt die Feuerwehrleute ins Thema ein.

Wehrführung simuliert Ernstfall

Ein Einsatz am Reißbrett

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Die Feuerwehren der Stadt Kelkheim haben sich mit Hilfe eines Projektteams an eine Trockenübung gewagt.

Alarm im Haus Walburga im Stadtteil Hornau. Es brennt in den Verwaltungsbüros. Neun Mitarbeiter sind dem Rauch ausgesetzt und müssen gerettet werden. Zudem warten 30 Bewohner auf ihre Evakuierung. Und das alles muss möglichst schnell geschehen, versteht sich.

Doch wie organisieren die Rettungskräfte den Großeinsatz am besten? Wo werden die Fahrzeuge untergebracht und wie funktioniert die Zusammenarbeit unter den Brandschützern? Das wurde jetzt ausführlich geübt. Am Samstagvormittag probte die Kelkheimer Freiwillige Feuerwehr dieses Szenario im Haus Walburga. Allerdings: Statt 200 Kräfte durch den Ort zu hetzen, geschah alles im Gerätehaus – gewissermaßen ein Einsatz am Reißbrett.

„Das ist eine Schulung der Führungskräfte“, erklärt Stefan Kunisch, der Münsterer Wehrführer. Rund 30 Fahrzeugführer, Einsatz- und Abschnittsleiter werden an diesem Vormittag ihr taktisches Denken unter Probe stellen – und das unter in weiten Teilen an die Realität angepassten Bedingungen: Die Informationslage klärt sich erst nach und nach auf. Und da die Zeit gemessen wird, stehen die Kräfte unter zusätzlichem Druck – wie eben in der Wirklichkeit auch. Aufgeteilt in verschiedene Einheiten und Räumen, müssen die Brandbekämpfer, die Mitarbeiter in der Leitstelle und vom Rettungsdienst ihren Job erledigen. „Es geht um die Funkführung, die räumliche Aufteilung, die Kommunikation“, erläutert Michael Ehresmann. Er ist ein Instrukteur von „Keep Calm“, dem kleinen Unternehmen von Gründer Fabian Kiefer, der dieses individualisierte Simulationstraining für Feuerwehren entwickelt hat. Der Berufsfeuerwehrmann wollte, wie er sagt, den Wehren ein Mittel an die Hand geben, mit denen sie Übungen an ihren Ort angepasst durchführen können. Dabei werden auch nur die Ausrüstung und die Mittel verwendet, die der Wehr tatsächlich zur Verfügung stehen. Das Material wird durch entsprechende Magnettäfelchen symbolisiert, die sich in Boxen befinden, die jeweils einem real vorhandenen Einsatzfahrzeug entsprechen. Die Führungskräfte finden hier etwa Atemschutzgeräte, Schläuche sowie ihr Personal. Im Einsatzfall werden die Magnete an Stellwänden platziert.

„Damit jeder merkt, dass die Ressourcen endlich sind.“ Das hat Ehresmann zuvor in der kurzen Einführung erklärt. Hemmend wirken überdies die Zeitvorgaben, an die sich die Rettungskräfte halten müssen: Als Anfahrtszeit sind sechs Minuten berechnet, das heißt, vorher darf niemand in die Fahrzeughalle, wo sich laut dieses Planspiels der Haupteingang des Hauses befindet und der erste Trupp die Lage erkunden und den Raum für die zusätzlich eintreffenden Einheiten ordnen muss.

Damit die einzelnen Gruppen jedoch nicht einfach direkt miteinander kommunizieren, sind sie in weiteren Räumen aufgeteilt. Da fungiert die Werkstatt als die Kreuzung Lärchenweg/Nachtigallenweg, in einer Umkleide wird der Abschnitt mit der Löschwasserversorgung simuliert, und das Lager soll der Innenhof des Hauses Walburga sein. Überall warten andere Informationen und Aufgaben, die gelöst werden müssen.

„Die Lage ist so gedacht, so instruiert“, sagt Miriam Weihs, daran müsse sie sich erst gewöhnen. Die junge Frau sitzt im Funkraum und übermittelt als Leitstelle die ersten Informationen. Anfangs tauchen einige Fragen bei ihr und ihren Kollegen auf, die können jedoch relativ schnell geklärt werden. Ungewohnt ist für Miriam Weihs, die als hauptberufliche Mitarbeiterin in der Leitstelle des Main-Taunus-Kreis über viel Erfahrung und Professionalität verfügt, dass sie heute nicht mit dem Computer, sondern nur mit Info-Zetteln und Karten arbeiten muss.

Trubel herrscht nach wenigen Minuten in der Fahrzeughalle im Münsterer Gerätehaus. Verständlich, hier am Haupteingang schlagen die meisten Einsatzkräfte auf. Ein wenig unübersichtlich empfindet so mancher, gerade die ersten 20, 30 Minuten. „Es war chaotisch“, bestätigt Wehrführer Stefan Kunisch im Anschluss. Doch dies sei gerade für einen solchen Großeinsatz in einem gewissen Maße normal.

Das Fazit des Wehrführers der Freiwilligen Rettungskräfte in Münster fällt positiv aus: „Den Beteiligten hat es sehr gut gefallen“, berichtet er. Es waren die Feuerwehren aus allen Stadtteilen sowie Helfer vom leitenden Notdienst des Kreises und der OLRD – Organisationsleiter Rettungsdienst – mit von der Partie. Insgesamt rund 30 Leute, die aktiv „mitgespielt“ haben. Zudem 20 Gäste aus Flörsheim, Hochheim, Hofheim, Eppstein, Bad Soden, Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und Darmstadt. Sie wollten sich das „Keep Calm“, das übrigens für eine Wehr ab 1200 Euro kostet, mal anschauen. Je aufwendiger und größer das Szenario, desto teuerer. Sie alle nahmen unheimlich viel mit. Gut gelaufen ist es übrigens auch für die Bewohner und Mitarbeiter des Hauses Walburga in Hornau: Sie konnten in den vorgegebenen Zeiten gerettet und evakuiert werden.

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