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Jede Sekunde zählt: Im Alarmfall muss die Feuerwehr so schnell wie möglich am Einsatzort sein. Wenn Autos falsch parken, kostet das mühevolle Rangieren mit dem schweren Einsatzfahrzeug wertvolle Zeit. 

Verkehr

Feuerwehr Eppstein schlägt Alarm: Falsch Parken ist lebensgefährlich

Wer falsch parkt, behindert die Feuerwehr und gefährdet Leben. Die Feuerwehr Niederjosbacht zeigt auf, wie nachgebessert werden kann.

Eppstein - Wenn die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr ein Notruf erreicht, dann ist Eile geboten. Zehn Minuten beträgt die gesetzliche Hilfsfrist im Ernstfall und jede Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden. Mehr als nur ärgerlich ist es, wenn der Löschzug beim Ausrücken unnötigerweise ausgebremst oder gar ganz zum Anhalten gebracht wird. Häufigste Ursache dafür sind Falschparker, die mit ihren achtlos und teils ordnungswidrig abgestellten Pkw zum Teil unüberwindliche Hindernisse für die Brandschützer bilden und damit eine schnelle Rettung verhindern.

Eppstein: Falschparker haben keine böse Absicht

"Ich denke nicht, dass jemand mit böser Absicht sein Auto falsch parkt, aber gerade deswegen muss man den Bürgern die möglichen Folgen ins Gedächtnis rufen", sagt Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon. Aus diesem Grund hat der Rathauschef im Jahr 2009 Probefahrten mit Einsatzfahrzeugen durch die jeweiligen Stadtteile ins Leben gerufen, bei denen der Ernstfall simuliert wird. Am Wochenenden ging es nun zusammen mit der Feuerwehr in die engen Gassen von Niederjosbach.

"Wenn man nach einem eingegangenen Alarm den Einsatzort gesagt bekommt, dann hat man als Fahrer sofort die möglichen Engstellen im Kopf", verrät Jens Hachenberger. Der stellvertretende Wehrführer setzte sich am Samstagvormittag hinter das Lenkrad des Löschfahrzeuges, Alexander Simon, Ortsvorsteherin Andrea Sehr, Carsten Langer (2. Stellvertretender Stadtbrandinspektor) und Patrick Gruß (Wehrführer) sondierten die Lage als Beifahrer. Es dauerte nicht lange, bis es zum ersten Mal richtig eng wurde. Direkt beim Einlenken in die erste Kurve nach Verlassen der Feuerwache muss Tempo rausgenommen werden.

Eppstein: Präzisionsarbeit 

Drei Fahrzeuge in der Obergasse stehen teilweise außerhalb der Parkmarkierungen. Nur rund 100 Meter weiter, auf Höhe der Kelterei Hebauf, stehen zwei Autos vorschriftsmäßig, und dennoch muss Hachenberger das Einsatzfahrzeug auf Schritttempo drosseln und ein kleines Stück auf den gegenüberliegenden Bürgersteig ausweichen, um nicht anzuecken. "Mit dem privaten Skoda Octavia wäre die Stelle kein Problem." Mit dem 14 Tonnen schweren Einsatzfahrzeug wird das Vorankommen zur mühsamen Präzisionsarbeit - und zum Geduldsspiel.

Nach der kleinen Runde durch den Ort erkannte Andrea Sehr auch möglichen Handlungsbedarf seitens der Stadt. "Meine Erkenntnis ist, dass Verschwenkungen für euch immer schwierig sind", richtete die Ortsvorsteherin das Wort an die Brandschützer. Als Verschwenkung werden Engstellen bezeichnet, die durch das versetzte Parken auf beiden Straßenseiten erzeugt werden.

Eppstein: Wer Halteverbote achtet, rettet Leben

In vielen Ortschaften dient diese Parkkonstellation als wirksames Mittel gegen Raser, für die Feuerwehr bilden die Verschwenkungen jedoch teils knifflige Schikanen. Wenn bei einer Ausfahrt beispielsweise der Außenspiegel eines parkenden Autos in Mitleidenschaft gezogen wird, dann sind die Brandschützer übrigens - wie alle anderen Verkehrsteilnehmer - dazu angehalten anzuhalten. Selbst dann, wenn sie auf dem Weg zu einem Brand sind. "Sonst fällt das unter Fahrerflucht", erklärt Jens Hachenberger.

Dabei haben die ehrenamtlichen Löschkräfte im Fall der Fälle doch eigentlich ganz andere Sorgen, um die sie sich schnellstmöglich kümmern müssen. Daran sollten alle Verkehrsteilnehmer denken, wenn sie künftig ihr Auto parken. Wer Halteverbote achtet, der hilft der Freiwilligen Feuerwehr bereits ungemein.

Von Robin Kunz

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