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Der Eppsteiner Katzen-Sniper beschäftigt in Abwesenheit das Amtsgericht Königstein. (Symbolbild) 

Prozess

Katzen-Sniper verurteilt – Er nutzt ein Luftgewehr für seine „Jagd“ 

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Der Eppsteiner Katzen-Sniper beschäftigt in Abwesenheit das Amtsgericht Königstein. Nach dem Plädoyer seines Verteidigers erhöht das Gericht die Geldstrafe.

  • Ein Mann, der Jagd auf Katzen machte, ist verurteilt worden. 
  • Er beschoss die Tiere mit einem Luftgewehr
  • Sein Verteidiger behauptet, sein Mandant hätte nicht „ohne vernünftigen Grund“ geschossen. 

Eigentlich hätte R. am Dienstagmorgen Platz auf der Anklagebank des Königsteiner Amtsgerichts nehmen und sein Handy auf Flugmodus schalten sollen. Aber wegen viraler Störungen hat sich der Pilot entschlossen, diese Destination heute nicht anzusteuern. Er sei erst vor ein paar Tagen in China gewesen und habe sich selbst in Quarantäne gesteckt, lässt er über seinen Verteidiger ausrichten, der zur Sache keine weiteren Angaben machen will.

Kann man machen, ist aber keine gute Idee, wenn man wie R. Einspruch gegen einen Strafbefehl von 50 Tagessätzen à 200 Euro eingelegt hat, weil man nach Meinung des Amtsgerichts gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen und „einem Wirbeltier … ohne vernünftigen Grund … aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zugefügt hat.

Katzen-Jäger aus Eppstein: Mann beschießt Tiere mit Luftgewehr 

Im Herbst 2017 sichtet ein Tierarzt beim Röntgen der Katze Kitta Fussel zwei Luftgewehrpatronen – eine im Bein, eine im Brustkorb. Zumindest die im Bein lässt sich problemlos entfernen. Wird sie auch, und diesmal mit besonderer Sorgfalt.

Denn Kitta Fussels Wirtin, die 45 Jahre alte B., hat schon länger ihren Nachbarn R. in Verdacht, auch Absender der Luftgewehrpatronen gewesen zu sein, die man zuvor schon in Kitta Fussels Wohn- und Artgenossin „Yentl“ und Hündin „Minou“ gefunden hatte.

Einige davon hatten nicht entfernt werden können, bei den anderen hatte die Entfernung die Geschosse als Beweismittel unbrauchbar gemacht. Bei Kitta Fussel wurde die Patrone also mit besonderer Sanftmut entfernt, und das Landeskriminalamt (LKA), das mittlerweile R.s Luftgewehr samt Zielfernrohr einkassiert hatte, stellte eindeutig fest, dass die Patrone aus ebendiesem abfeuert worden war.

Schon vor Jahren habe sich R. zum Alptraumnachbarn gemausert, sagt B. Begonnen habe es damit, dass der Vielflieger, der oft unter Jet-Lag leide, sich darüber geärgert habe, dass ihre Tiere mitunter Geräusche machten und so die beschauliche Gasse in Eppstein akustisch in eine Einflugschneise verwandelten. Danach sei er immer wunderlicher geworden, habe mit einem Laser-Pointer in ihrem Garten rumgeleuchtet und sie auch mal angezeigt, als ihr Holzstapel 30 Zentimeter höher gewesen sei, als die Bauordnung das zulasse.

Katzen-Jäger aus Eppstein: Erdrückende Beweislage 

Warum R. bei der erdrückenden Beweislage – im Zeugenstand beteuert ein LKA-Experte, dass es bei der Tatwaffe keine Zweifel gebe – überhaupt Einspruch eingelegt hat, bleibt sein Geheimnis. Immerhin ermöglicht er seinem Verteidiger, in einem denkwürdigen Plädoyer den Paragrafen 17 zu sezieren. Erstens: Sein Mandant habe nicht geschossen, er lasse aber daheim sein Luftgewehr herumliegen und stelle während seinen Abwesenheiten seine bescheidene Hütte immer wieder Co-Piloten zur Verfügung, und wenn da ein passionierter Kleintierjäger darunter gewesen sein sollte, könne sein Mandant ja nichts dafür.

Zweitens: Selbst wenn sein Mandant geschossen hätte, dann nicht „ohne vernünftigen Grund“. So habe etwa Hündin Minou einst „zwei Stunden am Stück gejault“, und die Katze als solche sei ohnehin bekannt als Plagegeist der Natur, manch Vogel könne ein Lied davon singen, und Katzenjagd daher Naturschutz und insofern ganz vernünftig. Drittens: Selbst wenn sein Mandant geschossen hätte, dann „nicht aus Rohheit“ – dafür hätte er ahnen müssen, dass „die vorne flache“ Patrone „aus wachsweichem Blei“ durchaus geeignet war, das harte Katzenfell zu durchdringen, hätte er aber nicht.

Katzen-Jäger aus Eppstein: Die Tiere hätten sich nicht bei ihm beschwert 

Viertens: Von „erheblichen Schmerzen“ könne keine Rede sein, Kitta Fussel, Yentl und Minou hätten wochenlang mit Patronen im Leib gelebt und sich nicht beschwert, jedenfalls nicht bei ihm. Er sei seit 40 Jahren Jäger und habe selbst schon manchem Schrotgewitter getrotzt und – Waidmannsdank! – nie mehr als ein Kribbeln verspürt und keine bleibenden Schäden davongetragen – was angesichts dieses Plädoyers aber auch bezweifelt werden darf. In Jägerkreisen würde man wohl von einem Blattschuss am Mandanten reden.

Das Amtsgericht erhöht die Geldstrafe auf 70 Tagessätze à 230 Euro. Ach ja, übrigens: Kitta Fussel geht’s gut.

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