Gewalt in der Partnerschaft

An den Haaren durch die Küche geschleift

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Eppsteiner wegen häuslicher Gewalt verurteilt

VON ALEXANDER SCHNEIDER

Eppstein/Königstein -Mit einem Kochmesser in der Hand soll er ihr gedroht haben, dass er sie töten werde. Dann habe er die schon am Boden liegende Frau an den Haaren durch die Küche geschleift, bevor er ihr auch noch gegen den Kopf getreten haben soll. Es sind entsetzliche Szenen, die der Anklagevertreter schilderte. Und wohl nur ein Kapitel in einem langen Martyrium einer 46 Jahre alten Frau aus Eppstein. Das hat nun ein Ende. Das Königsteiner Amtsgericht verurteilte ihren 46-jährigen Ehemann wegen mehrfacher häuslicher Gewalt. Er muss nun 8250 Euro als Strafe zahlen.

Die tätlichen Übergriffe hatten sich am 27. Januar 2018, am 19. Oktober 2019 sowie am 31. Januar 2020 in der bis dato gemeinsam genutzten Wohnung in Eppstein zugetragen. Zu den Fällen von Körperverletzung waren auch noch die Bedrohung mit einem gegen die Frau gerichteten Verbrechen sowie Nötigung gekommen.

Nach der ersten Tat mit dem Kochmesser in der Küche im Januar 2018 soll der Angeklagte im Oktober 2020 seine Frau dann heftig gegen einen Schrank geschubst und ihr Haarbüschel ausgerissen haben. Der letzte Vorfall ereignete sich am 31. Januar 2020, als die Frau, des Martyriums müde, dabei war, ihre Koffer zu packen und auszuziehen. Dabei soll der Mann ihr mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und sie genötigt haben, eine Scheidungsvereinbarung, die unter anderem den Umgang mit den Kindern regeln sollte, zu unterschreiben. Sollte sie sich weigern, so die ihm vorgeworfene unverhohlene Drohung, werde "bald Blaulicht kommen". Die Frau hatte das so verstanden, dass er sie krankenhausreif prügeln werde, wenn sie nicht unterschreibe.

Sie führten eine "toxische Ehe"

Der Mann räumte im Prozess zwar ein, dass es mit der Ehe schon lange nicht mehr zum Besten stand, sie sei "toxisch" gewesen. Die Frau habe dazu aber mit ihrer krankhaften Eifersucht und ihrem Kontrollzwang selbst die Ursache gesetzt. So habe er sich kaum noch mit Freunden treffen dürfen.

Deswegen sei es auch im Januar 2018 in der Küche zu dem Streit gekommen, schilderte der Angeklagte seine Sicht der Dinge. Als er sich mit dem einzigen ihm noch verbliebenen Kumpel zum Fußballgucken in einer Kneipe verabredet hatte, habe sie ihm vorgegeben, wann er wieder daheim sein müsse, "spätestens um 23 Uhr". Er will "pünktlich" gewesen sein, dennoch habe es Streit gegeben. Sie habe ihm eine Affäre angedichtet, die er sogar in der Garage gepflegt haben soll. Dort, so der Angeklagte, habe er aber nur seinen Oldtimer gepflegt, keine "Affäre". Die Ehefrau, die vorzugsweise im Keller nicht nur geraucht, sondern häufig auch große Mengen Alkohol zu sich genommen habe, sei auch selbst im Streit nicht zimperlich gewesen: "Wenn sie einmal schlägt, dann schlägt sie." Wegen ihres exzessiven Alkoholkonsums will er sie einmal sturzbetrunken von der Straße geholt und nach Hause getragen haben.

Die Ehefrau, die als Nebenklägerin auftrat, wehrte sich vor Gericht gegen die Vorwürfe ihres Partners. Sie bestätigte weitestgehend die Anklage. Immer wenn er Rotwein trinke, "geht er schnell hoch", er sei dann "wie in Trance", sagte die Frau. Hinterher tue es ihm dann bisweilen auch leid. Manchmal habe er sich sogar weinend entschuldigt. Er habe sie aber nicht, wie behauptet, in betrunkenem Zustand ins Bett getragen, sondern aus diesem vielmehr herausgezerrt und sie dabei geschlagen.

Für den Verteidiger war das alles nicht glaubwürdig genug. Die Aussage der Frau sei sehr zweifelhaft, weshalb er einen Sachverständigen damit beauftragen wollte, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu erstellen. Das Gericht hielt das aber für nicht erforderlich und lehnte den Beweisantrag der Verteidigung ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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