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Auf der Spur der Steine

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Von: David Schahinian

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Auf der Burg demonstrierten die Burgschauspieler einen Ritterkampf. Den Osterspaziergang führten ...
Auf der Burg demonstrierten die Burgschauspieler einen Ritterkampf. Den Osterspaziergang führten ... © David Schahinian

Der Osterspaziergang führte Besucher durch Zeiten, als die Burg Eppstein noch anders aussah

Eppstein -"Ich hoffe, Sie haben Ihre Gummistiefel dabei", warnte Monika Rohde-Reith gleich zu Beginn. Am Eppsteiner Stadtbahnhof, bei knapp 20 Grad und strahlendem Sonnenschein? Es war nur etwas Fantasie gefragt, denn der Osterspaziergang führte in die tiefe Vergangenheit der Region, in die Frühzeit der Burg. An S-Bahnen war im 10. Jahrhundert noch lange nicht zu denken. "Stellen Sie sich vor: Hier war nichts. Es war gerade Schneeschmelze, der Bach ist überflutet und es windet ganz furchtbar."

Ritter rettet Fräulein vor dem Riesen

Von wegen, Geschichte ist langweilig. Selbst ein Thema wie dieses, das sich die Forschung bis heute mühsam Stück für Stück erarbeiten muss, weckt Interesse, wenn es anschaulich verpackt wird. Genau das hatten sich das Stadt- und Burgmuseum und die Eppsteiner Burgschauspieler vorgenommen, und schon Anfang April hieß es: 60 Anmeldungen, ausgebucht.

Die Gruppe war nur kurz unterwegs, bevor sie Zeuge einer wahrlich sagenhaften Szene wurde. Von der Treppe vor dem Kriegerdenkmal eilten Ritter Eppo und Berta von Bremthal herab: Ersterer soll Letztere aus der Gefangenschaft eines Riesen befreit und die Burg just an jenem Ort erbaut haben. Ob's stimmt? Die Burg jedenfalls wurde 1122 erstmals urkundlich als "Ebbensten" erwähnt, "Ebbos Stein".

Noch keine Belege für die Siedlung

Weiter ging es durch den imaginären Morast zur Kirche St. Laurentius, deren Grundstein zwar erst 1902 gelegt wurde. Sie diente aber als schöne Kulisse, um die jahrhundertealten Auseinandersetzungen zwischen kirchlicher und weltlicher Macht zu illustrieren. Die einfachen Menschen indes mussten den Zehnten an die Pfarrkirche und zusätzlich Abgaben an den Landesherrn zahlen. Zwei Hörigen wurde das zu viel, sie klagten dem Pastor in einer weiteren Spielszene ihr Leid. "Ich werde für euch beten", antwortete er. Ob's half?

Örtlich wie thematisch näherte man sich nun immer mehr der Burg der Jahre um 1122. Oben saß Udalrich von Ebbensten. "Und unterhalb müssen Menschen gesiedelt haben", ist sich Museumsleiterin Rohde-Reith sicher - wenngleich es dafür (noch) keine Belege gibt. Am Gottfriedplatz boten sich Einblicke in das mögliche Siedlungsleben, und man muss sagen: Wenn's nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden.

Weitere Puzzleteile noch zu entdecken

Beim Aufstieg zur Burg gab es schließlich noch ein Ostergeschenk. Auch wenn die Burg aktuell wegen Bauarbeiten geschlossen ist, öffneten sich ihre Tore für die Anwesenden ausnahmsweise doch. Ein grimmig aussehender Ritter passte auf, dass nichts und niemand zu Schaden kam - selbst bei einem zünftigen Schwertkampf als Höhepunkt und Abschluss der Tour. Fast. Denn auch an dieser Stelle war noch einmal viel Fantasie gefragt: "Die Burg sah damals wesentlich anders aus als heute", erklärte Rohde-Reith anhand mehrerer Details dem Publikum.

Ohnehin bot der Spaziergang nicht nur Unterhaltung, sondern ebenfalls eine Fülle an Fakten für historisch Interessierte. Auch wenn nicht alles feststeht, so viel schon: Es bleibt spannend. Wie hieß es doch auf einem Schaubild des Eppsteiner Burgvereins? "Wir müssen auf die Entdeckung weiterer Puzzleteilchen gerade zum Aussehen der frühen Burg hoffen."

... Monika Rhode-Reith, Leiterin des Stadt- und Burgmuseums, und Ritter Ulrich.
... Monika Rhode-Reith, Leiterin des Stadt- und Burgmuseums, und Ritter Ulrich. © David Schahinian

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