Burgenexperte Joachim Zeune steht auf dem Gerüst weit oben am Bergfried und zeigt die Sohle eines Fensters, die bereits mit Granitstein restauriert wurde.
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Burgenexperte Joachim Zeune steht auf dem Gerüst weit oben am Bergfried und zeigt die Sohle eines Fensters, die bereits mit Granitstein restauriert wurde.

Burg Eppstein

Bergfriedsanierung soll bis November fertig sein

  • VonKatrin Eva Walter
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Welches mittelalterliche Material sie verwendeten, um die bröckelnden Stellen zu reparieren, erklären die Baumeister bei einem Rundgang. Und warum die Arbeiten verzögert wurden, weiß die Stadt.

Eppstein -Mit seinen rund 33 Metern Höhe erhebt sich der Turm der Burg Eppstein über der Altstadt. Der majestätische Anblick wird zurzeit etwas getrübt, denn das mittelalterliche Bauwerk ist eingerüstet. Vor einiger Zeit fand die Stadt heraus, dass der Turm - auch Bergfried genannt - bröckelt. Bei einem Rundgang zeigte die Stadt nun, wie weit die Arbeiten vorangeschritten sind. Bis November sollen sie fertig sein, wie Joachim Zeune erläutert. "Das schaffen wir - falls uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht." Der Burgenexperte Zeune ist seit 1999 in Eppstein aktiv.

Verletzungsgefahr von oben

Dass der Turm bröckelt, war im vergangenen Jahr aufgefallen, wie Stefanie Münch vom Bauamt erklärt. Damals hatten sich Steine vom Mauerwerk gelöst und waren herabgefallen, deshalb ist die Burg für Besucher gesperrt. Die Fachleute haben den Turm zunächst mit Drohnen beflogen und Kletterer in die Höhe geschickt, aber schnell war klar, dass der Schaden größer ist als gedacht. Schließlich halfen Bohrungen dabei, das Material zu analysieren. Das grundsätzliche Problem sei der Zement, mit dem von 1900 bis in die 1980er Jahre immer wieder Teile der Turmwand erneuert wurden, wie Zeune erklärt. Der Zement leite Feuchtigkeit in das Schiefergestein, das dadurch zerbröselt. Nur: den Zement herausstemmen und durch ein anderes Material ersetzen, das gehe nicht, weil dadurch zu viel der intakten Substanz verlorenginge. Deshalb werden einzelne Stellen restauriert, und zwar mit einem Material, das schon die Baumeister des Mittelalters nutzten: sogenannter hydraulischer Kalk - grob gesagt eine Mischung aus Sand und Kalk. Von diesen Schadstellen gebe es Hunderte, sagt Zeune. Die größeren zu beheben dauere bis zu anderthalb Tage pro Stelle. Die reparierten Stellen sind nun etwas heller, aber das dunkle innerhalb von vier, fünf Jahren nach.

Weniger Kosten als zuerst gedacht

"Die Statik steht zum Glück nicht infrage", sagt Zeune. Eine große, teure Sanierung, bei der Stützen hätten verankert werden müssen, war nicht notwendig. Ein weiteres Problem stellte die Krone der Burg dar, die nicht gut abgedichtet war. Auch dort fielen weiche Steine heraus und Metallträger begannen zu rosten. Im oberen Teil des Turms reichen die Schäden bis zu 40 Zentimeter ins Mauerwerk, das dort etwa anderthalb Meter dick ist. Unten sind es etwa drei Meter. Dort ist der Turm insgesamt etwa acht bis zehn Meter breit, nach oben hin wird er schmaler.

Der Bergfried sei ein herausragendes Objekt in der Burganlage, erklärt Zeune. Bis zu 40 Meter hoch sei er mal gewesen. "Das ist schon ein ordentlicher Oschi", zeigt sich der Fachmann beeindruckt. Um die komplette Mauerfläche von mehr als 1000 Quadratmetern zu erfassen, flogen die Experten sie mit einer Drohne ab und kartierten sie. Koordinaten halfen dabei, die schadhaften Stellen festzulegen. Sie werden nun alle von dem weithin sichtbaren Gerüst aus beseitigt.

Mauersegler & Co. nisten in der Burg

Das Gerüst ist es auch, das die Kosten in die Höhe treibt. 1200 Euro koste es je Woche, wie Bürgermeister Alexander Simon berichtet. Auch deshalb sollten die Arbeiten bis November abgeschlossen sein, denn sonst muss das Gerüst den Winter über stehenbleiben. "Eigentlich wollten wir bis August fertig sein", sagt Münch vom Bauamt. Denn es stellte sich heraus, dass Vögel wie Mauersegler, Dohlen und Hausrotschwänze auf der Burg brüten - die Stadt musste warten, bis die Brutzeit beendet war. Weiterhin seien die Arbeiten verzögert worden, weil die Baumaterialien erst später als gedacht geliefert werden konnten, wie Simon sagt.

Immerhin bekommt die Stadt Zuschüsse. Der Kreis gibt statt der sonst üblichen 30 000 Euro dieses Jahr 100 000 Euro. Das Land schießt 65 000 Euro dazu - falls so viel noch benötigt wird. "280 000 Euro stehen im Haushalt, aber die werden wir wohl nicht erreichen", sagt Simon. Nur die Kosten für das Häuschen ganz oben auf der Turmspitze, das auch erneuert werden soll, könnten noch nicht beziffert werden.

Wenn der Bergfried fertig ist, kommt die nächste Baustelle: die Mauer am Westzwinger, die schon notgestützt ist.

Der Turm als Statussymbol

Der Bergfried hatte eine Bauphase im 13. Jahrhundert, eine im 14. und zwei im 16. Jahrhundert, erklärt Burgenexperte Joachim Zeune. Im Mittelalter war der Turm ein Statussymbol. Zur Verteidigung diente er erst im 16. Jahrhundert. Auch ein Verlies habe es dort nie gegeben, das war im Bettelbub im Süden der Burganlage.

Diese grünen Steine sind besonders weich und zerbröseln leicht. Der Holzbalken stammt von einem Gerüst aus der Entstehungszeit.

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