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Ein tiefer Riss klafft in der Zwingermauer.

Sanierung dringend notwendig

Burg Eppstein: Einsturzgefahr am Wahrzeichen – Tiefe Risse im Mauerwerk

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Das Wahrzeichen Eppsteins ist akut einsturzgefährdet: Die Burg Eppstein weist tiefe Risse an der Mauer des Westzwingers auf. 

  • Das Wahrzeichen Eppsteins ist akut einsturzgefährdet
  • Grund hierfür sind tiefe Risse an der Mauer des Westzwingers der Burg Eppstein
  • Eine Sanierung der Burg ist nur mit Landes- und Bundesmitteln möglich

Eppstein - Seit Jahrhunderten thront sie hoch über Eppstein und prägt Stadt und Menschen. Doch die Zeit geht auch an der mächtigen Burg nicht spurlos vorüber. Im Lauf der Jahrhunderte wurden immer wieder Schäden entdeckt und repariert. Nun gibt es neue Defekte: "Aktuell sind schwere Schäden an einer Mauer im Westzwinger aufgetreten. Wir müssen sofort handeln", schlägt Bürgermeister Alexander Simon Alarm.

Seit einigen Jahren führt das Büro für Burgenforschung im Auftrag der Stadt jedes Jahr ein Monitoring durch, um Bauschäden zu erfassen. Im Rahmen des Monitorings 2018 wurden neue Rissbildungen an der westlichen Zwingermauer im Bereich des "Stallzwingers" bemerkt und im Herbst 2918 mit Gipsplomben versehen. Diese sollten aufzeigen, ob die Risse sich weiter öffnen. Fast alle Plomben waren im Winter 2018/19 abgeplatzt oder gerissen. Daraufhin wurden im vergangenen Jahr Maßnahmen eingeleitet, um sowohl die Ursache als auch das Ausmaß der Schäden zu ermitteln: Der Bausachverständige Dr. Joachim Zeune vom Büro für Burgenforschung wurde involviert. Gemeinsam kam man überein, die Rissbildungen durch eine archäologische Grabung bis auf den gewachsenen Fels zu verfolgen.

Die Innenseite der Mauer wurde per Hand über vier Meter tief freigelegt.

Bei Arbeiten an Burg Eppstein: Unerwartete historische Entdeckungen

Der Westzwinger war an seiner Innenseite bis 2005 bis zu fünf Meter hoch mit Bauschutt verfüllt gewesen, während sich gegen seine Außenseite ein 1925 von Architekt Franz Burkhard errichtetes Schmiedehäuschen lehnte. Im Zuge der Sanierung des Westzwingers wurde vor sechs Jahren ein Teilstück innen vom Schutt befreit, wobei in einem Flankierungsturm ein Wehrgeschoss mit Schießscharten freigelegt werden konnte. Das baufällige Schmiedehäuschen im Außenzwinger wurde beseitigt, sämtliches Mauerwerk saniert. Damals zeigten sich noch keine Risse.

Vor wenigen Wochen stand eine neue Grabung an. Die Innenseite der Zwingermauer wurde im Bereich der Rissbildungen per Hand über vier Meter tief freigelegt. Dabei machte die der Burgenforscher unerwartete bauhistorische Entdeckungen: im Fuß der Zwingermauer öffnete sich eine später vermauerte Türnische, zu der eine Treppe hinabführte. Am südlichen Ende des Grabungsschnitts erschien ein älterer Pfeiler, der ursprünglich zu einer überwölbten Rampe gehörte, die von der Hauptburg in den Zwinger führte. Die Zwingermauer samt Flankierungsturm gehört in die Zeit um 1420-1440, die gemauerte Rampe mit ihren drei Stützpfeilern dürfte kurz zuvor errichtet worden sein, um zuerst den Transport von Baumaterial, Geschützen und Hakenbüchsen in den niedriger gelegenen Burgbereich zu ermöglichen. Bei der Grabung kamen zudem zahlreiche Funde aus Anfang der 1900er Jahre sowie noch früheren Datums ans Tageslicht.

Bei der Grabung kamen zahlreiche archäologische Funde ans Tageslicht.

Gravierende Bauschäden: Burg Eppstein einsturzgefährdet

Es zeigte sich aber auch, dass die Bauschäden gravierender sind als angenommen: Die Zwingermauer hatte sich nicht nur um 70 Zentimeter nach außen geneigt, sondern auch noch den Pfeiler auseinandergerissen, so dass in diesem ein tiefer, breiter Riss klafft. Durch die Grabung wurde die Mauer zwar innen vom Erddruck befreit, doch besteht für einen keilförmigen Teilbereich der Zwingermauer noch immer Einsturzgefahr. "Sofortmaßnahmen wurden bereits ergriffen", schildert der Bürgermeister. Neben der Beseitigung des Drucks, der auf der Mauer lastet, wurden die Schäden per 3-D-Analyse dokumentiert. Ein Statiker wurde beauftragt, um Situation auszuwerten. Nun soll Sicherungskonzept erstellt werden, das die Mauer wieder stabilisiert.

Grund für den Schaden sind wohl Baumaßnahmen, die den 1920er Jahren durchgeführt wurden. Damals wurde der Terrassengarten entschuttet. Dass sich die Mauer erst knapp hundert Jahre später unter dem Druck des Schutts neigte, muss aber mit zunehmenden Fundamentproblemen zu tun haben. Der 2005 erfolgte Abbruch des Schmiedehäuschen im Außenzwinger tat nichts zu Sache.

"Klar ist, dass die haushaltsrechtlich bereitgestellten Mittel nicht reichen," sagt Simon. Veranschlagt werden rund 50 000 Euro. "Wir müssen das Sanierungskonzept abwarten und können dann eine neue Kostenschätzung erstellen", so der Bürgermeister weiter. Die Stadt hofft auf eine finanzielle Unterstützung aus Wiesbaden und Berlin. "Ohne Landes- und Bundesmittel können wir diese Maßnahme kaum alleine stemmen", sagt Alexander Simon abschließend. 

hk/sie

Seit dem 1. April 2018 hat die Burg Eppstein einen neuen Burgwächter: Leander Kuhlisch. Er bringt eine Partnerin mit grünem Daumen und einen Wachhund namens Sarah mit.

Die Festspiele auf der Burg Eppstein sind ein beliebtes kulturelles Event. Ob Klassik, Theater oder Kabarett: Bei den Festspielen auf der Eppsteiner Burg gibt es für jeden Geschmack das passende Schmankerl.

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