Trockenheit und sinkende Preise

Darum geht es dem Eppsteiner Wald schlecht

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Freibad-Fans sind in diesem Sommer auf ihre Kosten gekommen. Aber dem Wald haben Hitze und Trockenheit übel mitgespielt.

Eppstein ist natürlich kein Einzelfall. In ganz Deutschland hat es im Sommer zu wenig geregnet, gemeinsam mit der dauerhaften Hitze gab es optimale Bedingungen für den Borkenkäfer. Umgekehrt hat der Wassermangel die Bäume so geschwächt, dass sie es nicht überleben, wenn die Borkenkäfer sich in die Stämme bohren und die Wasserzufuhr unterbrechen. Da dauert es nur ein paar Tage, bis ein Baum eingegangen ist.

Eppsteins Revierförster Peter Lepke spricht von einer „ziemlich dramatischen“ Situation. Er muss zusehen, dass die befallenen Bäume schnell aus dem Wald geholt werden – auch damit die Käferlarven nicht dort überwintern und im nächsten Jahr neuen Schaden anrichten können.

Das hat allerlei Folgen. Weil in anderen Gebieten Deutschlands Stürme viele Fichten umgeworfen haben, gibt es ein Überangebot auf dem Markt. Die Preise sinken, vieles lässt sich gar nicht mehr verkaufen. Manche Stämme lassen sich nur noch zu Paletten verarbeiten – hohe Erträge bringt das nicht. Über ausreichend Lagerkapazitäten verfügt das Forstamt auch nicht, und die Firmen, die die Holztransporte erledigen, sind überlastet.

Eine der stark betroffenen Flächen ist der Wald oberhalb des Vockenhausener Friedhofes. Dort sollten im nächsten Jahr Fichten geerntet werden – wahrscheinlich wird daraus nichts, weil das Kontingent für 2019 weitgehend schon 2018 wegen des Borkenkäfers ausgeschöpft wird. In der sogenannten Forsteinrichtung ist nämlich genau festgelegt, wie viel Holz in jedem Jahr geerntet werden darf. Wird es in zwölf Monaten zu viel, müssen die Förster dies im nächsten Jahr ausgleichen.

Voraussichtlich fällt die Fichtenernte auch in anderen Gebieten aus. Das Forstamt werde sich auf Buchen und Lärchen konzentrieren, sagte Lepke zuletzt im Umweltausschuss. Geerntet wird im Nonnwald und jenseits der Schnellbahnstrecke an der B 455. Vorläufig rechnet Lepke noch mit einem Gewinn – er will laut seinem Wirtschaftsbericht 201 000 Euro ausgeben und 223 000 Euro einnehmen.

Dabei kann er manche Faktoren nicht beeinflussen. Noch so ein trockener Sommer wäre eine echte Katastrophe, sagt er. Schon jetzt muss er damit rechnen, dass ein großer Teil der nachgepflanzten Bäume vertrocknet sind und im nächsten Jahr ersetzt werden müssen. Längerfristig möchte Lepke schon den aktuellen Anteil an Nadelholz im Eppsteiner Wald halten. Dabei wird aber nicht mehr auf die Fichte, sondern auf die Douglasie gesetzt, die mit höheren Temperaturen besser zurecht kommt. Gebraucht wird das Nadelholz vor allem am Bau.

Ein besonderes Problem ist der Wald zwischen Ehlhalten und Oberjosbach geworden. Auch dort gibt es viele vom Borkenkäfer befallene Fichten, die weggeschafft werden sollten. Nur gibt es neben städtischem Wald auch Flächen in Privatbesitz, Lepke spricht von mehr als 50 Eigentümern. Und manche kümmern sich nicht um ihr Eigentum. „Einige wissen gar nicht, dass sie dort Wald haben“, sagt Lepke. Andere haben offensichtlich keine Lust, über das Problem mit den Förstern auch nur zu reden. Dabei wäre da die eine oder andere Hilfestellung durchaus drin.

Die Stadt kaufe gelegentlich Flächen an, berichtete Bürgermeister Alexander Simon im Ausschuss. Aber sinnvoll sei dies nur, wenn sie an den städtischen Wald angrenzen. Außerdem ließ der Rathauschef durchblicken, dass es gelegentlich völlig übertriebene Preisvorstellungen gebe.

Weihnachtsbäume aus städtischem Wald werde es vorerst nicht geben, berichtete Lepke noch. Denn die verfügbaren Stämme sind rund vier Jahre alt, brauchbare Exemplare aber müssten etwa acht Jahre alt sein. Bedient werden kann nur, wer einen übergroßen Baum braucht, etwa für die Aufstellung im Freien. Lepke will aber wieder rechtzeitig mehr als 200 Bäume für den Verkauf in Eppstein aus dem Sauerland liefern lassen.

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