"Postamt, Ruine und Kirche" ist auf der historischen Postkarte zu lesen, die links das nun fertig sanierte Gebäude, in der Mitte die Burg und rechts die Laurentiuskirche zeigt.
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"Postamt, Ruine und Kirche" ist auf der historischen Postkarte zu lesen, die links das nun fertig sanierte Gebäude, in der Mitte die Burg und rechts die Laurentiuskirche zeigt.

Denkmal in Eppstein

Die Rückkehr zur historischen Post

  • VonManfred Becht
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Autofahrer dürften das Haus vom Vorbeifahren kennen: Das alte Gebäude ist nun wieder in den klassischen Zustand versetzt worden. Dabei kamen auch Überraschungen zum Vorschein.

Eppstein -100 Jahre Post, und 10 Jahre Zahnarztpraxis - so lässt sich die Geschichte des Gebäudes an der Poststraße 5 in einem Satz und auch ein wenig unvollständig zusammenfassen. Das Haus liegt etwas exponiert in der Altstadt, fällt vor allem von der Bundesstraße her gut ins Auge. Was die wenigsten Autofahrer aber wissen dürften: Das Bild, das sich heute bietet, gleicht dem der Anfangstage mehr als das, was sie viele Jahrzehnte zu sehen bekamen.

Denkmalbehörde will Farbe bei Erbauung

Zahnarzt Ulf Kerkhecker nämlich hat nach der Sanierung des Gebäudes vor etwas mehr als zehn Jahren jetzt die Außenfassade einer gründlichen Renovierung unterzogen. Im Vorfeld musste natürlich die Denkmalbehörde eingeschaltet werden - und auf deren Betreiben hin wurde untersucht, welche Farbgebung das Gebäude nach seiner Erbauung 1904 bekam.

"Ich habe mich in die Debatte um die Farbe nicht eingebracht", sagt Kerkhecker. Mit anderen Worten: Es wurde genau der historische Farbton gewählt, der vom Denkmalamt gewünscht war. Und so ist das Haus nun ein ganzes Stück heller als zu Zeiten des Postbetriebes.

Den Anfang der Postgeschichte in Eppstein stellt das Haus nicht dar, berichtete Bürgermeister Alexander Simon jetzt bei einer Besichtigung mit dem Magistrat. Zuvor nämlich gab es eine Poststelle in einem Anbau an der Talkirche. Den ersten Telegrafen habe es in Eppstein 1878 gegeben, so Simon. Der Zeitpunkt ist wohl kein Zufall: Im Jahr zuvor wurde die Bahnstrecke eröffnet, in der Folgezeit nahmen der Fremdenverkehr und die Lederindustrie in Eppstein einen bedeutenden Aufschwung. Da wurden auch mehr Kommunikationsmöglichkeiten gebraucht. Im Jahr 1900 gab es die ersten Telefone, neun Anschlüsse waren es in der Burgstadt Eppstein zunächst. Und in dieser Phase des allgemeinen Aufschwungs leistete sich die Post ein Dienstgebäude ganz im Stil der damals angesagten Gründerzeitvillen.

Kein Tresor, aber mächtiger Pfeiler

Verschiedene Spezialitäten, die mit der Funktion als Postgebäude verbunden waren, kamen dem neuen Hausherrn bei der Sanierung entgegen - anderes aber wiederum nicht. So befand sich mitten im Haus ein massiver Stahlpfeiler vom Boden des Kellers bis in den ersten Stock - darauf ruhte der Tresor. "Der war nicht mehr da", berichtete Kerkhecker jetzt den Besuchern. Aber es sei ein erheblicher Aufwand gewesen, den Stahlträger in Stücke zu zerteilen und aus dem Haus zu schaffen.

Dass die Post einen Aufzug eingebaut hatte, erwies sich dagegen als Vorteil - ob der Denkmalschutz einen solchen jetzt genehmigt hätte, ist fraglich. So aber erübrigte sich die Diskussion, der vorhandene Lift musste nur umgebaut werden. Mit Blick auf die Kosten erwies es sich auch als Glücksfall, dass die Post stabile, dreifachverglaste Fenster eingebaut hatte. Diese blieben drin - neue, denkmalgerechte Fenster hätten die Kosten erheblich in die Höhe getrieben.

Brandschutzbehörde wollte ein Holztreppenhaus

Bleiben konnte auch das schöne Holztreppenhaus mit seinem gedrechselten Geländer und den bunten Bodenfliesen. Anfänglich habe die Brandschutzbehörde gefordert, es durch ein Holztreppenhaus zu ersetzen, erinnert sich der Zahnarzt. Dagegen habe sich der Denkmalschutz erfolgreich gewehrt. Allerdings musste genau geprüft werden, ob Menschen im Obergeschoss von der Feuerwehr durch ein Fenster gerettet werden könnten und ob die Brandschützer das notwendige Leiterfahrzeug haben.

Und so entwickelte sich das Bauvorhaben ganz anders als viele solcher Sanierungsprojekte, die immer teurer werden. Bei der Post fielen eher einzelne Komponenten weg, so auch die Trockenlegung des Bruchsteinkellers. Von der Anfangs geplanten Isolierung sei ihm abgeraten worden, erzählt Kerkhecker. Denn keiner weiß, ob die von unten in die Kellerwände eindringende Feuchtigkeit nicht weiter nach oben gedrungen wäre und dort Probleme verursacht hätte.

Und dann war da noch die Geschichte mit den Deckenbalken. Diese bestehen bei solchen Gründerzeitbauten gewöhnlich aus Nadelholz. So bestand die Befürchtung, dass die vorhandenen Hölzer nach 100 Jahren nicht mehr tragfähig genug sein könnten. Also wurden die Decken geöffnet, und zur Überraschung aller Beteiligten stellte sich heraus, dass mutmaßlich in den 1950er- oder 60er-Jahren Balken aus Eichenholz eingebaut worden waren. Dieses kann, wenn es keine Probleme mit Feuchtigkeit gibt, dann noch mehrere hundert Jahre halten.

Es bleibt ein Funktionsgebäude

"Es ist alles sehr schön geworden", ist Kerkhecker mit der Sanierung sehr zufrieden, die jetzt mit dem Neuanstrich der Fassade und Reparaturen am Sichtfachwerk abgeschlossen wurde. Der Mediziner sieht sich auch in seiner Auffassung bestätigt, dass es sich um ein reines Funktionsgebäude gehandelt habe und es ein solches auch bleiben sollte. Als Wohnhaus sei es wegen der Lage nahe der Bundesstraße nicht so gut geeignet. Ein Blickfang auch für die Autofahrer ist es allerdings schon geworden.

Zahnarzt Ulf Kerkhecker (r.) und Bürgermeister Alexander Simon vor dem alten Post-Haus mit neuer Farbe. Auf dem beim Magistrats-Besuch überreichten Foto ist noch der frühere Anstrich zu sehen.

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