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Ein Werk mit zwei Seiten

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Kai Wolf auf der Seite des Werks, das an Robert Michel erinnern soll und mit Hilfe der Seite von Ella Michel-Bergmann in Bewegung gebracht werden kann.
Kai Wolf auf der Seite des Werks, das an Robert Michel erinnern soll und mit Hilfe der Seite von Ella Michel-Bergmann in Bewegung gebracht werden kann. © Becht

Die "Eppsteiner Zeiten" von Kai Wolf erinnern am Bahnhof an Ella Bergmann-Michel und Robert Michel, erin bekanntes Künstlerehepaar aus Eppstein.

Eppstein -Die Stadt möchte Robert Michel und Ella Bergmann-Michel mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. Es wurde bereits ein Weg nach dem einst in der Schmelzmühle lebenden Künstlerehepaar benannt, eine neue Stele wird demnächst auf das Grab der beiden auf dem Friedhof hinweisen. Geplant ist außerdem ein Faltblatt, das alle Orte im Stadtgebiet aufzählt, die mit dem Paar in Verbindung stehen.

Ein ganz wichtiger dieser Orte wird auch die Grünanlage am Eppsteiner Bahnhof sein. Dort wurde jetzt ein Werk des in Niederjosbach lebenden Künstlers Kai Wolf enthüllt, das das Wirken von Michel und Bergmann-Michel würdigen soll. "Eppsteiner Zeiten" heißt das Werk, das mit Mitteln der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung und der Eppsteiner Bürgerstiftung finanziert wurde.

Wolfs Installation hat zwei Seiten, eine ist Robert Michel gewidmet, die andere seiner Ehefrau. Für alle, die Robert Michels Bilder kennen, ist der Hinweis, welche Seite zu wem gehört, völlig überflüssig. Michels Darstellungen sind gehören zumeist von technischen Anlagen inspiriert, Zahnräder gehören fast immer dazu. Solche Räder, Treibriemen und anderes mehr aus der Welt der bewegten Mechanik gehören daher auch zu Kai Wolfs Werk. Auch Michels Vorliebe für das Eisenbahnwesen greift Wolf auf - zu dem Werk gehören Schrauben, mit denen Gleise auf Schwellen befestigt waren, und eine kleine Spielzeuglokomotive aus Holz.

Das Beste an dem Werk aber ist, dass es sich bewegt. Nicht dauerhaft, sondern nur dann, wenn es von einem Bewegungsmelder eingeschaltet wird. Und auch nicht immer, sondern nur dann, wenn die Solarplatten auf der anderen Seite die nötige Energie liefern. Diese und Elektroplatinen sowie andere Bauteile hat Wolf so arrangiert, wie er von den grafischen Arbeiten von Ella Bergmann-Michel inspiriert wurde.

"Ella treibt Robert an"

"Das war die Herausforderung für mich, aber es hat Spaß gemacht", sagt Wolf. Die bewegte Apparatur auf der Seite von Robert Michel kommt seiner üblichen Arbeitsweise viel mehr entgegen, auch er arbeitet viel mit technischen Bauteilen. Viele davon stammen noch aus der Okrifteler Cellulosefabrik Phrix, wo er 15 Jahre lang sein Atelier hatte.

"Ella treibt Robert an", fasst er die Wirkungsweise des Kunstwerkes zusammen. Er hoffe, dass das Werk Passanten zum Verweilen einlade, zum Meditieren womöglich. Jedenfalls dazu, dort bewusst Zeit verstreichen zu lassen. Freilich hat das seine Grenzen: Ist der Himmel bewölkt, reicht die erzeugte elektrische Energie zwar noch aus, um die Technik in Gang zu halten. In der Dunkelheit freilich bewegt sich nichts.

Erste Stadträtin Sabine Bergold freute sich ausdrücklich, dass Wolf für die Gestaltung des Werks gewonnen werden könnte. Immerhin habe der schon zweimal den Eppsteiner Künstlerwettbewerb gewonnen, außerdem einmal den Publikumspreis erhalten. Wolf nimmt seit 1993 auch im Ausland an Ausstellungen teil und hat auch noch andere Preise gewonnen als die erwähnten aus Eppstein.

Wolf wohnt in Niederjosbach, Robert Michel und Ella Bergmann Michel wohnten in Vockenhausen. Michel wurde 1897 dort geboren, in einer Fabrikantenfamilie, der auch die Schmelzmühle gehörte. 1919 heiratete er die 1895 geborene Ella Bergmann. Die beiden galten als Pioniere der Bildcollage und Vordenker der klassischen Moderne, sie machten die "Schmelz" zum Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde. Ella Bergmann-Michel starb 1971 in Vockenhausen, Robert Michel 1983 in Titisee-Neustadt.

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