Unfallflucht

Einfach abhauen wird teuer

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Frankfurter schrammt Opel in Ehlhalten - danach war der Führerschein erst einmal weg

VON ALEXANDER SCHNEIDER

Ehlhalten/Königstein -Eine Unfallflucht ist kein Kavalierdelikt. Das bekommt nun auch ein Mann aus Frankfurt zu spüren. Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort in Ehlhalten muss der 57-Jährige 450 Euro (zusammengesetzt aus 30 Tagessätzen à 15 Euro) Strafe zahlen und noch einen Monat auf seinen Führerschein verzichten. Das klingt wenig bei dem angerichteten Schaden von insgesamt 1816,14 Euro, ist in Wahrheit aber deutlich mehr. Denn der Führerschein ist bereits seit neun Monaten in amtlicher Verwahrung.

Gegen den Mann war vor einigen Monaten schon ein Strafbefehl erlassen worden. Dabei handelt es sich quasi um ein schriftliches Verfahren vor dem Amtsgericht, in dem das Gericht ohne Hauptverhandlung entscheidet. Der Erlass des Strafbefehls (meist mit einer Geldstrafe) wird von der Staatsanwaltschaft beim Gericht beantragt. Das geht jedoch nur in Fällen von leichter Kriminalität, etwa bei Verkehrsdelikten. Ansonsten muss immer eine mündliche Hauptverhandlung stattfinden. Legt der Angeschuldigte jedoch Einspruch gegen den Strafbefehl ein, kommt es doch zum mündlichen Prozess. So war es auch bei der Unfallflucht in Ehlhalten. Deswegen trafen sich nun alle Beteiligten vor dem Amtsgericht in Königstein.

Auf Anraten der Amtsanwältin und letztlich auch seines Verteidigers beschränkte der Angeklagte den Einspruch gegen den Strafbefehl aber nur auf das Strafmaß, räumte die Tat selbst damit also ein. Bei Erlass des Strafbefehls war sein Einkommen mit einem Tagessatz von 40 Euro um einiges zu hoch geschätzt worden. Auch war er nach Einschätzung der Amtsanwältin beim Abfassen des Strafbefehls drei Monate nach der Beschlagnahmung der Fahrerlaubnis mit damals noch sieben Monaten Führerscheinsperre an einen sehr gnädigen Staatsanwalt geraten. Müsste sie jetzt plädieren, liefe es auf die bei dieser Schadenshöhe üblichen zwölf Monate hinaus.

Zu dem Unfall war es am 10. März 2020 gegen 17.20 Uhr auf der Königsteiner Straße in Ehlhalten gekommen. Der aus Richtung Eppstein kommende Unfallverursacher musste wegen einer Baustelle entgegenkommenden Autos ausweichen, touchierte dabei aber mit der rechten Heckpartie des Lieferwagens, den er von einem Bekannten geliehen hatte, einen ordnungsgemäß geparkten Opel. Er erwischte ihn vorne links. Das Ergebnis: 1800 Euro Schaden.

Kurze Suche am Unfallort reicht nicht

Der Mann sagte jetzt im Prozess vor dem Königsteiner Amtsgericht, er habe den Anstoß auch wahrgenommen. Daraufhin habe er etwa 200 Meter weiter gewendet, um zur Unfallstelle zurückzufahren und den Besitzer des beschädigten Wagens zu suchen. Er habe jedoch niemanden mehr angetroffen, weshalb er an mehreren Häusern in unmittelbarer Nähe geklingelt habe, allerdings ohne Erfolg. 20 bis 30 Minuten will er an der Unfallstelle verbracht haben. Dann sei er zum Eigentümer des Kleinbusses gefahren und habe ihm die Sache gebeichtet, in der Annahme, dass der alles Nötige in die Wege leiten würde. Auf die Idee, selbst die Polizei anzurufen, sei er nicht gekommen. Auch wäre das gar nicht gegangen, denn sein Handy-Akku sei leer gewesen, behauptete der Angeklagte. Der Mann räumte jedoch ein, im Anschluss nicht nachgehakt zu haben, ob der Busbesitzer den Schaden auch tatsächlich gemeldet hat. Offenbar war das nicht der Fall.

Erst ein Zeuge brachte Licht ins Dunkel

Aufgeklärt hat sich alles letzten Endes nur durch einen 56 Jahre alten Zeugen. Der Eppsteiner war damals direkt hinter dem Angeklagten auf der Königsteiner Straße unterwegs und gab gegenüber dem Gericht an, dass er den Zusammenstoß genau gesehen habe: "Das Auto hat sogar gewackelt." Hupend und blinkend sei er dem Transporter hinterhergefahren. Dann bestätigte er die Darstellung des Angeklagten, auch dass der offenbar versucht habe, den Opel-Besitzer ausfindig zu machen. Jedenfalls sei er in Richtung der Häuser gegangen und wenig später zu seinem Transporter zurückgekehrt.

Der Zeuge hatte sich vorsichtshalber die Kennzeichen der beiden Autos notiert und auch die Polizei informiert. "Ich war mir nicht sicher, ob der Fahrer das Richtige tun wird, er wirkte irgendwie unsicher", schilderte der Zeuge vor Gericht. Er sollte mit seinen Bedenken recht behalten: Der Angeklagte tat genau das Falsche - und das wird nun teuer für ihn.

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