Imposant, aber in die Jahre gekommen: der Eppsteiner Bergfried aus dem 13. Jahrhundert
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Imposant, aber in die Jahre gekommen: der Eppsteiner Bergfried aus dem 13. Jahrhundert

Sanierung des Burgturms

Eppstein: Allein das Gerüst kostet 100000 Euro

  • vonJulian Dorn
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Der Eppsteiner Burgturm bröckelt und muss aufwendig saniert werden. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Eines aber ist sicher: Die Kosten werden horrend sein. Ausgerechnet die letzte Sanierung soll überhaupt an dem Schaden Schuld sein.

Eppstein -Erst waren es nur ein paar Steinchen. Immer wieder fanden Mitarbeiter der Stadt im vergangenen Frühling Geröll im Innenhof der Burg. Zu viele Steine, als dass sie hätten ignoriert werden können. Die Mitarbeiter wurden stutzig. Der Einsatz einer Drohne und kletternde Baugutachter bestätigten schließlich den Verdacht: Der Bergfried bröckelt. Die Gefahrenzone im Burghof wurde sofort gesperrt. Eine teure Sanierung des 25 Meter hohen Turms ist nun nötig.

"Es wurden insgesamt 25 schadhafte Stellen festgestellt", resümiert Rathaus-Sprecherin Monika Rohde-Reith. Einige lose Steine konnten sogar ohne Hilfsmittel entnommen werden. Teilweise ließen sie sich in der Hand zerbröseln. Wie groß der Schaden wirklich ist, muss jetzt untersucht werden - von Experten auf dem Gerüst. Dafür liege die Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen nun vor, heißt es aus dem Rathaus. Die Verwaltung hatte diese Arbeiten ausgeschrieben, und der Magistrat hat den Auftrag nun vergeben. Und eines ist jetzt schon sicher: Allein der Gerüstaufbau wird ein teures Unterfangen. 100 000 Euro habe die Stadt dafür veranschlagt, so Rohde-Reith. An einer vollständigen Einrüstung führe kein Weg vorbei, wenn man ein "sinnvolles Sanierungergebnis" erhalten wolle. Die Aufbauzeit dauert rund zwei Monate.

In Kürze wird die Gerüstbaufirma anrücken. "Zunächst muss das gesamte Ausmaß des Schadensbildes festgestellt werden, um dann auf Grundlage des Fachgutachtens ein entsprechendes Sanierungskonzept auszuarbeiten und danach mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten zu beginnen", erläutert Rohde-Reith das weitere Prozedere. Die eigentliche Sanierung wird dann bis zum Sommer andauern. Neben der Entnahme des losen Materials und dem Wiederaufbau der schadhaften Stellen soll auch die Mauerkrone instandgesetzt und abgedichtet werden. Außerdem werden die Turmdachentwässerung wiederhergestellt und ein Kartierungs- und Wartungsbuch erstellt.

Der imposante Bergfried, der höchste Turm der Burg, einst Machtdemonstration der Herren von Eppstein und ein stolzes Relikt aus dem 13. Jahrhundert - nun also ein Sanierungsfall. Ironischerweise machte ihn wohl ausgerechnet eine Sanierung dazu. Im Jahr 1971 wurde der Bergfried zuletzt vollständig eingerüstet, denn er wies schon damals gravierende Risse auf.

Fataler Fehler bei letzter Sanierung

Fachleute stabilisierten ihn zudem mit sechs Ringankern; die Steine befestigten sie dann mit Zementmörtel. Ein fataler Fehler. Dieser Mörtel wird dem Bergfried nun zum Verhängnis. "Ins Mauerwerk dringt Wasser ein, das nicht durch die Fugen abfließen kann, da damals fälschlicherweise Zementmörtel verarbeitet wurde und nicht, wie heute üblich, Kalkmörtel, der Wasser abfließen lässt", erklärte die für Hochbau zuständige Fachbereichsleiterin der Stadt, Stefanie Münch, vor einiger Zeit. So bahnte sich Wasser den Weg durch das schieferartige Gestein und zersetzte über Jahrzehnte hinweg die Außenschale. Steine lösen sich nun und fallen herab. Die Schäden reichen bis zu 60 Zentimeter tief ins Mauerwerk. Viel zu tun gibt es also auf Eppsteins Wahrzeichen - nicht nur am Bergfried. Im vergangenen September musste die Verwaltung schon die westliche Burgmauer mit einer Hilfskonstruktion aus schweren Holzbalken sichern. Burgenforscher Joachim Zeune hatte zuvor festgestellt, dass eine Mauer im Westzwinger über dem Hauptaufgang schwere Schäden aufweist. Rund 85 000 Euro hat diese Notsicherung gekostet.

Ein Glück, dass die Burg viele Freunde hat. Der Zuspruch spiegelt sich in der Bürgerschaft wieder: Der Burgverein mit 800 Mitgliedern spendierte der Feste erst im vergangenen Jahr für 200 000 Euro eine neue Beleuchtung, was zu einer Strom-Ersparnis in Höhe von 70 Prozent führen soll. Auch im Landratsamt sitzen Förderer: Anstelle der üblichen 30 000 Euro unterstützt der Kreis in diesem Jahr die Maßnahme mit einem Betrag in Höhe von 100 000 Euro. Im städtischen Haushaltsplan sind Eigenmittel in Höhe von 180 000 Euro veranschlagt. Ebenso seien Anträge an Fonds des Landes und des Landesdenkmalamts für weitere Zuschüsse gestellt, berichtet Stadt-Sprecherin Rohde-Reith. Das Ziel ist klar: Das Wahrzeichen soll so schnell wie möglich saniert werden - unter den fachlichen Argusaugen von Burgenexperte Zeune. Und man will aus Fehlern lernen: Ausgebessert wird mit Kalkmörtel statt Zement wie vor 50 Jahren, kündigt die Stadt an. So sollen Besucher vor herabfallenden Steinen sicher sein - zumindest für die nächsten 100 Jahre.

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