Das Wohnhaus ist schon kernsaniert (rechts). Trotzdem liegt noch viel Arbeit vor dem Ehepaar Friedchen.
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Das Wohnhaus ist schon kernsaniert (rechts). Trotzdem liegt noch viel Arbeit vor dem Ehepaar Friedchen.

Crowdfunding-Aktion für Hof-Sanierung

Eppstein: An diesem Hof hängt ihr ganzes Herz

  • vonManfred Becht
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Unrat und Ungeziefer: Stefan Friedchen und seine Frau Luba sanieren seit sieben Jahren den Ehlhaltener Forellenhof, ein völlig verwahrlostes Anwesen, das Friedchen von seinem Vater geerbt hat. Doch nun droht ihnen kurz vor dem Ziel die Puste auszugehen.

VON MANFRED BECHT

Ehlhalten -"Forellenhof Hochtaunus" steht auf einem Schild aus besseren Zeiten, das in einer Ecke lehnt. Ob es eines Tages wiederverwendet werden soll, ist noch nicht klar. So richtig im Hochtaunus ist Ehlhalten ja nicht. Das Schild stammt noch aus einer Zeit, als Ehlhalten zum Hochtaunuskreis gehörte, vor der Gebietsreform. Aber die Eigentümer, Stefan und Luba Friedchen, wären mehr als glücklich, wenn sie lediglich noch das Problem zu lösen hätten, was aus dem Schild werden soll. Stefan Friedchen hat 2014 den Forellenhof geerbt, der von seinem Vater in einem desaströsen Zustand hinterlassen wurde: vermüllt, verwahrlost und verdreckt. Nun will Friedchen mit seiner Frau den Hof wiedereröffnen - doch der Weg ist noch weit. Das erkennt man auf den ersten Blick, wenn man an dem Anwesen einen halben Kilometer entfernt von Ehlhalten in Richtung Heftrich vorbeiläuft. Allerhand Bauschutt und anderes Material liegt auf dem weitläufigen Gelände herum, die Natur holt sich seit vielen Jahren das Grundstück zurück. In einem der ehemaligen Fischteiche steht Wasser. Wer hier Ordnung schaffen will, der hat noch viel zu tun.

Ungeziefer und

Unrat allenthalben

Wer nun als Passant glaubt, Stefan und Luba Friedchen hätten die Hände in den Schoß gelegt, der irrt. Das beweist eine im Internet leicht zugängliche Zusammenfassung einer Folge der RTL-Serie "Trödeltrupp" aus dem Jahr 2014. Man sieht Berge von Lebensmitteln, nicht eine Speisekammer voll, sondern in mehreren Zimmern aufgestapelt. Dazwischen stehen völlig heruntergekommene Möbel. Abfälle allenthalben, man glaubt, das Ungeziefer gleich sehen zu können. Über Jahre hinweg haben die Eigentümer, von Bekannten unterstützt, aufgeräumt. Insgesamt haben sie mehr als 30 Container voll mit Müll beladen. "Wir haben all unsere Zeit, Kraft und unsere gesamten Ersparnisse in den Wiederaufbau und in die Entrümpelung und Renovierung des Hofs gesteckt", betont Luba Friedchen. Seit sieben Jahren sind sie nun schon an diesem Mammutprojekt dran. "Wir trauen uns kaum noch, um Hilfe zu fragen", sagt Luba Friedchen. Freundschaften riskieren möchte man wegen des Durcheinanders nicht.

Aber Hilfe wird gebraucht. An Motivation zum Weitermachen scheint es den beiden nicht zu mangeln. Aber Unterstützung können sie gut gebrauchen, etwa beim weiteren Entrümpeln des Grundstücks. Die finanziellen Mittel gehen ebenfalls zur Neige, auch wenn beide Jobs haben; er ist Industriekaufmann, sie Juristin. Luba Friedchen hat über das Internetportal "betterplace.me " eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Etwa 1500 Euro sind in zwei Wochen schon zusammengekommen - Luba Friedchen würde sich freuen, wenn sie am Ende über 10 000 Euro verfügen könnte. Am Ende soll der Forellenhof wieder Fische verkaufen. Stefan Friedchen will auf Direktvermarktung setzen, dabei sind die bürokratischen Hürden nicht ganz so hoch. Dass sich das lohnen könnte, daran hat er keinen Zweifel - obwohl der Betrieb seit vielen Jahren ruht, gibt es immer wieder Anrufer, die nach Forellen fragen.

Bis dahin ist allerdings noch eine Menge zu tun. Vieles sei mit den Behörden schon vorbesprochen, daher ist Friedchen auch optimistisch, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Zurückgreifen möchte er auch auf das alte Betriebsgebäude mit Räucherkammer und allen Einrichtungen, die bis zum Verkauf der Fische gebraucht werden. Einiges ist auch schon geschafft, das Wohnhaus zum Beispiel präsentiert sich wieder in einem ordentlichen Zustand.

Emotional mit

dem Hof verbunden

Aber warum tut sich das Paar, das jetzt auch noch Nachwuchs erwartet, das alles an? Stefan Friedchens familiäre Verhältnisse waren zerrüttet; irgendwann hat das Jugendamt den Eltern auch das Sorgerecht entzogen. Aber Friedchen lässt erkennen, dass die Familienbande und die emotionale Verbundenheit zu dem Anwesen am Ende stärker waren. "Ich habe die Bilder aus meiner Kindheit noch immer im Kopf", sagt er. An dem Hof hängt trotz allem sein Herz. Natürlich erinnern sich auch noch viele Ehlhaltener an den alten Forellenhof und seinen Besitzer. Ein wenig sonderbar sei der gewesen, kommentierte einer, "aber im Grunde ein guter Kerl". Dass es sich um jemanden handelte, der landläufig als "Messi" bezeichnet wird, konnte man von außen auch nur ahnen. Manche erinnern sich auch noch an den Jahresanfang 2001, als ein Großbrand auf dem Hof die Feuerwehr in Atem hielt. Über positive Nachrichten würde man sich im Ort sicher freuen.

Kämpferisch: Stefan und Luba Friedchen

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