hkl_buechereioffen2_241120
+

Bücherei ist geschlossen

Eppstein: Bücherwürmer brauchen jetzt viel Geduld

  • vonJulian Dorn
    schließen

Schwere Zeiten für passionierte Leser: In der Eppsteiner Bibliothek müssen die Bücher während des Lockdowns in den Regalen bleiben. Doch die Bibliothekarin hofft auf eine Wiedereröffnung noch vor Weihnachten.

Eppstein -Seit Anfang November sind die Türen der Eppsteiner Stadtbücherei geschlossen. Auch wenn die Gesetzeslage eine Öffnung zulassen würde, sind Büchereileiterin Dr. Christina Cantzler und ihre Mitarbeiterinnen vorsichtig. In Abstimmung mit der Stadt hat man sich dazu entschlossen, im November den Büchereibetrieb auszusetzen.

"Viele unter uns gehören altersmäßig der Risikogruppe an", klärt Cantzler auf. Auch wenn das ehrenamtliche Büchereiteam aus 15 Frauen kürzlich eine jugendliche Unterstützerin erhalten hat. Viele Helferinnen sind in den Sechzigern, manche sogar über siebzig.

Die Grundfläche der Einrichtung ist mit gerade mal 84 Quadratmetern recht klein. Die sogenannten AHA-Auflagen, also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, lassen sich so kaum umsetzen. "Wir hatten ein Hygienekonzept. Doch in Anbetracht der steigenden Fallzahlen ist es besser, vorsichtig zu sein und die Entwicklungen zu beobachten", betont die Chefin der Bücherei.

Der zweite Lockdown mahnt sie und ihre engagierten Helferinnen zur Vorsicht. Auch im Frühling musste man sich dem Schicksal wohl oder übel ergeben. Im September hatte man zwar wieder geöffnet. Neben einer Maskenpflicht und der obligatorischen Desinfektion der Hände am Eingangsbereich reduzierte das Team die Besucherzahl auf maximal drei bis vier Kunden, die sich zeitgleich in der Bücherei aufhalten dürfen. Der Betrieb lief zunächst gewohnt gut weiter. "Wir haben eigentlich keine Leser verloren", erinnert sich die Bücherei-Chefin. Sie hat die Zahlen im Corona-Jahr mit denen des Vorjahres verglichen.

Der Geschmack der Leser scheint beim Blick auf die Lesegepflogenheiten in 2019 gleich geblieben zu sein. "Klar: Die Bestseller sind immer sofort weg gewesen", weiß Cantzler. Die Eppsteiner Bürger bevorzugten Unterhaltungsliteratur. Buchpreisträger der Buchmesse fänden nur vereinzelt Interessenten. Besonders gerne würden Kinderbücher ausgeliehen. Sie seien in der Anschaffung recht teuer und dann schnell "ausgelesen". Auffällig sei, dass sich im Pandemie-Jahr dennoch neu zugezogene, junge Familien nach einem Bücherei-Pass erkundigt hätten. Konkrete Zahlen hierzu hat man allerdings keine.

Die Bücherei verfügt über rund 20 000 Bücher plus 5000 Hörbücher. Bei jungen Lesern waren die Comic-Hefte und Lese-Lernbücher gefragt. Schüler der Klassen 1 bis 5 bildeten eine starke Klientel. Doch auch Jugendliche und Erwachsene besuchten die, wie Cantzler sagt, "einzige kostenlose Begegnungsstätte Eppsteins" rege. Diese Besonderheit der Eppsteiner Bücherei findet man sonst wahrscheinlich kreisweit nirgends. "Wir erheben keine Mitgliedschaftsgebühr und unsere Ausleihe kostet nichts", sagt die Leiterin. Den Leseausweis stellen Cantzler und ihre Mitarbeiterinnen also gratis aus.

Man vertraut auf die Ehrlichkeit und Loyalität der Besucher. "Es ist bisher noch nichts abhandengekommen. Und wenn einmal ein Buch in die Badewanne gefallen ist, bin ich immer gefragt worden, was zu machen ist." Derzeit liebäugelt man mit einer kurzfristigen Öffnung vor Weihnachten. Schließlich sollen Bücherwürmer und Leseratten über die Festtage ausreichend Lesefutter bekommen. Ob dem Wunsch Taten folgen können, bleibt abzuwarten. Esther Fuchs

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare