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Sie setzen Schilder wider das Vergessen: Annemarie und Helmut Kleindienst wollen an historische Flurbezeichnungen erinnern und ihre Bedeutungen für die Nachwelt festhalten.

Alte Flurnamen erforscht

Eppstein: Die Retter der "Kuhlgrub-Kaule"

  • vonKatrin Eva Walter
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Was ist eine Beune, was ein Wellgarten oder ein Jacobssegen? Alte Flurnamen gibt es überall, auch rund um Bremthal. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins haben nun Archive und Atlanten gewälzt und ihre Bedeutungen erforscht. Doch das war gar nicht so einfach.

Bremthal -Was ist eine Beune, was ein Wellgarten oder ein Jacobssegen? Alte Flurnamen wie diese gibt es überall, auch rund um Bremthal. Um sie samt ihrer Bedeutungen im kollektiven Gedächtnis der nachfolgenden Generationen zu verankern, hat der Heimat- und Geschichtsverein des Stadtteils in den vergangenen Jahren Schilder aufgestellt. Wider das Vergessen. Die Tafeln sind nicht blau wie diejenigen, die Straßennamen angeben, sondern grün. 42 sind es an der Zahl, rund um den Ort, hinzu kommen noch zwei weitere vom Verschönerungsverein.

Sich für einige dieser Namen zu entscheiden, war gar nicht so einfach, und die Recherche erst recht nicht, erzählt der Vorsitzende Helmut Kleindienst. Er breitet die DIN A 3-große Kopie einer historischen Karte auf dem Tisch des Bremthaler Heimatmuseums aus. Mit farbigen Stiften hat er auf der Karte Namensbezeichnungen hervorgehoben, gelbe Klebe-Pfeile markieren die Stellen, an denen nun die Schilder stehen. "Damit ich die leichter finde", sagt er. Die Stellen abzufahren und festzulegen, das sei sehr aufwendig gewesen. Er dankt der Bremthaler Firma GWE, die dabei geholfen und die Schilder auch hergestellt habe.

Bis es so weit war, hat es allerdings gedauert. Vor fünf Jahren hatte Richard Kaus, damaliger Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, die Idee zu den Schildern, die Aktiven einigten sich auf die ersten 26 Hinweise und Standorte.

42 neue Schilder

für alte Flurnamen

In einer zweiten Runde verständigten sich die Vereinsmitglieder auf weitere Namen, so dass es insgesamt nun 42 davon gibt. Einfach so ein Schild aufzustellen, das geht natürlich nicht. Helmut Kleindienst musste alles in ein Register der Stadt eintragen. Daran waren die städtische Försterei und die Landesbehörde Hessen-Forst beteiligt. Es war wichtig, dass auch auf nicht befestigten Wegen jedes landwirtschaftliche Gerät an dem Pfeiler vorbeikommt - bisher habe sich niemand beschwert, so Kleindienst. Um die 5000 Euro habe das Projekt den Verein gekostet.

Das erste Schild bauten sie schließlich im April 2016 auf, das letzte fand im Frühjahr dieses Jahres seinen Platz. Nun finden Spaziergänger auf ihren Touren rund um Bremthal grüne Schilder mit Bezeichnungen wie "Delle", "Kuhlgrub-Kaule" oder "Eisenkauten". Wo diese Namen herstammen, ist häufig sehr schwer zu klären, berichtet Kleindienst und hebt einen dicken, grünen Band mit der Aufschrift "Hessischer Flurnamenatlas" an. "Ich habe Tage gebraucht, um alleine das Vorwort zu lesen und das System zu verstehen", erzählt er. Dabei sei ihm zupass gekommen, dass er als Eisenbahner im Ruhestand ein Verständnis für Geografie habe. Die Bedeutung eines jeden Namens hat er bisher nicht herausfinden können. Viele Flurnamen spiegeln gleichzeitig auch die Geschichte Bremthals wider. Aber: Die "Beune" bezeichnet ein Land, auf dem in der Vergangenheit besondere Pflanzen wie Rüben oder Flachs in Ortsnähe angebaut wurden.

Der "Bauwald" war einfach ein Wald, indem die Bremthaler einst ihr Holz für den Hausbau schlugen. Gelagert wurde das Holz wiederum in der "Kuhlgrub-Kaule", einer Vertiefung im Boden. Annemarie Kleindienst, Zweite Vorsitzende und Schwägerin von Helmut Kleindienst, erinnert sich, dass sie als Kind an dieser Stelle immer mit Anderen gespielt habe - obwohl das eigentlich nicht erlaubt war und es auch schon einmal Ärger gab. Heutzutage befindet sich an dieser Stelle ein richtiger, quasi "legaler", Spielplatz. "Im ,Wellgarten' wurden sogenannte ,Wellcher' gelagert", erklärt sie weiter. Das sei dünnes Geäst, mit dem Öfen angefeuert wurden. Und "Zeil" bedeutet möglicherweise Schwanz. Dafür sei auch die Frankfurter Zeil ein gutes Beispiel, die in früheren Zeiten sozusagen an der Innenstadt "dranhing". Im "Jacobssegen" habe es eine Eisengrube gegeben, und auch in den Eisenkauten sei früher einmal Eisenerz abgebaut worden. Andere Bedeutungen fehlen noch, aber dafür müsste Vorsitzender Kleindienst Archive besuchen, die zurzeit geschlossen sind.

Nun, da alle Schilder aufgestellt sind, wollen sich die Retter alter Flurnamen aber nicht auf die faule Haut legen. An einigen Schildern möchte Helmut Kleindienst Erklärtafeln anbringen, damit Passanten erfahren, welche Rolle der Ort in der Historie gespielt hat, angelehnt an die Erklärtafel, die am alten Wasserturm hängt und die historischen Sehenswürdigkeiten des Stadtteils vorstellt.

Helmut und Annemarie Kleindienst haben mit ihren Mitstreitern also noch viel Arbeit vor sich, um das historische Erbe Bremthals für die Nachwelt zu erhalten. Katrin Walter

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