Der AfD-Bundestagskandidat Gerhard Bergmann.
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Der AfD-Bundestagskandidat Gerhard Bergmann.

Bundestagswahl

Eppstein: Ein AfD-Mann der ersten Stunde

  • VonBarbara Schmidt
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Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute der Kandidat der AfD, Gerhard Bergmann.

Eppstein -"Mir geht's darum, dass vernünftig gehandelt wird", sagt Gerhard Bergmann. "Vernunft statt Ideologie" lautet entsprechend der Slogan, den sich der Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Wahlplakate mit seinem Konterfei überlegt hat. Als Jugendlicher, erzählt der Eppsteiner, habe er sich zu Wahlzeiten immer über die Politiker-Köpfe an jedem Laternenpfahl geärgert, deshalb habe er ein solches Plakat von sich erst gar nicht haben wollen. Überzeugt hat ihn das Argument, dass es sich bei den Direktmandaten um eine Persönlichkeitswahl handelt.

Auch wenn die AfD als eine der kleineren Parteien im Deutschen Bundestag größtenteils auf die Listenwahl setzt, war es Gerhard Bergmann doch wichtig, dass bei der Erststimme "der Platz für die AfD nicht freibleiben sollte". Der Kreisverband, der rund 130 Mitglieder zähle, sei da allerdings "nicht so in die Puschen gekommen", plaudert der 73-Jährige aus dem Nähkästchen. Also habe er bei einer Versammlung im Juli gefragt. "Wollen wir nicht mal einen Kandidaten wählen?" Prompt kam die Gegenfrage: "Würdest Du es machen?" Der frühere Flugkapitän, der viele Jahre auf Langstrecken in alle Welt unterwegs war, sagte ja, auch deshalb, weil er sich 2016 nach der Lektüre eines Grundsatzprogramms seiner Partei gesagt hat: "Da machst Du jetzt richtig mit."

In Hamburg ist Gerhard Bergmann geboren und aufgewachsen. Während der Bundeswehrzeit entdeckte er ein Werbeplakat für den Pilotenberuf, entschloss sich zu einer Bewerbung und absolvierte erfolgreich das Auswahlverfahren. Als Co-Pilot habe er zunächst noch von Hamburg aus fliegen können, erzählt der Eppsteiner, doch der Umstieg als Kapitän auf die Langstrecke brachte ihn vor 45 Jahren ins Rhein-Main-Gebiet, wo er sich längst heimisch fühlt. Seine Kinder und Enkel seien alle hier geboren, sagt der dreifache Vater und dreifache Großvater.

Zur Politik sei er erst spät gekommen, meint Bergmann, der seit 2013 im Ruhestand ist. "Ich hab' mich halt geärgert über die Politik, die gemacht wurde". Ganz konkret habe er die "Masseneinwanderung von vornherein für falsch gehalten, aber nie eine Partei gefunden, die dagegen war." Auch vom Bund freier Bürger (BfB) sei er rasch enttäuscht gewesen. Im Mai 2013 sei er dann Gründungsmitglied der AfD Main-Taunus gewesen. Doch was dann kam, gefiel Bergmann nicht so wirklich. "Im Grunde CDU-Politik ohne Euro" sei zunächst das Ziel gewesen. Erst das besagte Grundsatzprogramm von 2016 habe dann soweit seinen eigenen Vorstellungen entsprochen, dass er als Mitglied auch aktiv geworden sei. Dass seine Partei oder einzelne Mitglieder "demokratiefeindlich oder gar faschistisch" seien, nennt er "traurige Unterstellungen".

Für den Kreistag, für den Bergmann ebenfalls kandidiert hatte, hat es nicht gereicht, weil die AfD im MTK nur noch halb so viele Sitze holte wie 2016. Für die Bundestagswahl macht er sich erst recht keine Illusionen. Doch der 73-Jährige, der im Sachausschuss für Sicherheits- und Außenpolitik seiner Partei auf Bundesebene mitarbeitet, will die Gelegenheit nutzen, Positionen der AfD zu vertreten. An zwei Themen komme dabei niemand aktuell vorbei, sagt Bergmann, "klar: Corona und Klima." Über das dritte, dessen "Beendigung" ihm das wichtigste wäre bei einem Einzug in den Bundestag, werde nach seinem Eindruck weniger gesprochen: "Die Masseneinwanderung". Nicht nur an Flüchtlinge denkt der frühere Pilot dabei, ihm gefällt auch nicht die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union, die vor allem Menschen aus Südosteuropa und vom Balkan nach Deutschland ziehe und das seiner Ansicht nach nicht der Arbeit, sondern der guten Sozialsysteme wegen. "Da gibt es Verbesserungsbedarf", findet Bergmann. "Notfalls" solle Deutschland die "dysfunktionale" EU verlassen und eine "europäische Wirtschafts- und Interessengemeinschaft" neu begründen.

Auch die "Klimahysterie" möchte der AfD-Direktkandidat "nicht weiter befeuert" sehen, gibt es seiner Meinung nach doch dafür genauso wenig einen Grund wie für die Corona-Beschränkungen für die Gesamt-Gesellschaft. Der Kandidat führt dagegen Argumente ins Feld, die auch im Wahlprogramm der AfD nachlesbar sind. Warum diese von der Mehrheit der Wissenschaftler und auch der Bevölkerung offenbar nicht geteilt werden, auf diese Frage führt Bergmann an: "Wenn sie so etwas von Regierungsseite und Medien ständig hören, dann glauben sie es."

Was für ihn ein gutes Leben bedeutet, da muss der "glücklich geschiedene" Eppsteiner, der seit 20 Jahren in einer festen Beziehung lebt, nicht lange nachdenken. "Das Leben, das ich führe. Das ist sehr gut." Und auch er stutzt, wie seine Mitbewerber, bei der Frage, was ihm eine Sünde wert wäre. "Da fällt mir nichts ein", sagt das AfD-Mitglied und setzt hinzu: "Wir leben ja noch in einer so freien Gesellschaft, dass man das, was man machen möchte, auch machen kann".

Extra: So will Gerhard Bergmann Wahlkampf machen

In Sachen Wahlkampf "bin ich auf meine Partei angewiesen", sagt Gerhard Bergmann. Die bereite für den September zwei oder drei Veranstaltungen im Wahlkreis mit AfD-Bundestagsabgeordneten aus Hessen vor. In den Kommunen, in denen es Treffpunkte wie einen Marktplatz gebe, gebe es Info-Stände. Plakate und Flyer sollen der Werbung dienen, an Haustüren gehen oder ähnliches werde er nicht, sagt Bergmann. Sein Profil bei "Abgeordnetenwatch" im Internet habe er aber gerade ausgefüllt. Wohin die AfD etwa zum "Stammtisch" einlädt, können Interessierte nur auf Anfrage per E-Mail erfahren. "Wir müssen ja ständig mit Störungen von Linksradikalen rechnen", begründet der Kandidat das Vorgehen. babs

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