Gastwirt Abel Chamoun im frisch renovierten Lokal vor der Theke, in der seit 8. April Kuchen, Torten und Brot in Bioqualität in der Auslage liegen.
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Gastwirt Abel Chamoun im frisch renovierten Lokal vor der Theke, in der seit 8. April Kuchen, Torten und Brot in Bioqualität in der Auslage liegen.

Wiedereröffnung des Burgcafés

Eppstein: Ein Experiment in ungewissen Zeiten

  • vonEsther Fuchs
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  • Julian Dorn
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Als das Burgcafé vor zwei Jahren schloss, war das ein herber Schlag für die Eppsteiner und den Tourismus. Lange suchte die Vorbesitzerin nach einem Nachfolger. Nun hat sich jemand gefunden: Abel Chamoun, der Wirt des benachbarten Gasthofs "Pflasterschisser", übernimmt das Lokal. Was plant er für den beliebten Treffpunkt?

VON ESTHER FUCHS

UND JULIAN DORN

Eppstein -Es hämmerte, schepperte und rumpelte: Wer in den vergangenen Wochen in der Eppsteiner Altstadt am Burgcafé vorbeigelaufen war, schaute automatisch durch die großen Fensterscheiben hinein auf die Baustelle, die Abel Chamoun überwachte. Chamoun ist Gastwirt des einige Nachbarhäuser entfernt liegenden Gasthofs "Pflasterschisser" - und nun auch neuer Pächter des Burgcafés.

Lange Zeit war das Lokal in der Schwebe

Im "Pflasterschisser" bietet er bereits seit August 2020 in uriger Atmosphäre gutbürgerliche deutsche Küche an. Abel Chamoun steht für seine Gäste selbst in der Küche. In der Corona-Krise hat er seine Gäste nicht im Stich gelassen, sondern einen Lieferdienst angeboten. Das motivierte ihn nun zu mehr. Seit letztem Donnerstag verkauft er im Burgcafé Backwaren.

Damit hat das Burgcafé nach mehr als zwei Jahren wieder einen Pächter. Zum Jahreswechsel 2019 hatte die Betreiberin Esther Debo das Café ganz geschlossen. Debo betrieb in Niedernhausen eine Bäckerei und beschickte von dort nicht nur mehrere Filialen, sondern auch das Burgcafé am Wernerplatz unweit der Burg. Sie gab den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen aber ganz auf, somit auch das Café in Eppstein und die Filialen in Ober- und Niederjosbach. Ein herber Schlag auch für Eppsteins Tourismus. Lange Zeit suchte Debo nach einem Nachfolger, führte viele Gespräche. Vergeblich.

Was tun? Um den Eppsteinern eine Alternative zu bieten, setzten sich Bürgermeister Alexander Simon, Erste Stadträtin Sabine Bergold, Talkirchen-Pfarrerin Heike Schuffenhauer, Ute Herrmann vom Familienzentrum und Gabriele Gerdau vom Verein "Miteinander-Füreinander" seinerzeit zusammen und kamen auf eine zündende Idee: Warum nicht das Familienzentrum als Ort der Begegnung übergangsweise als Sonntags-Café nutzen? Gesagt, getan: Die Initiatoren stellten eine Lösung auf die Beine - eine ehrenamtliche, versteht sich. Doch das konnte kein Dauerzustand sein.

Der Wirt trotzt

der Krise

Muss es auch nicht. Denn nun wagt sich Chamoun mutig an ein Experiment in herausfordernden Zeiten - und öffnet das Lokal mitten im Lockdown, zunächst für Abholer. Die Krise sei zwar frustrierend, aber er lasse sich von der Pandemie nicht die Geschäftsideen verbauen, sondern suche dann eben nach Alternativen, sagt er. Sich der Pandemie beugen? Das kommt für ihn nicht in die Zuckertüte. "Nein, ich mache einfach weiter. Die Pandemie begleitet uns doch eh noch die nächsten Jahre", trotzt der Gastronom den widrigen Umständen. Er ist überzeugt davon, die Kunden mit Qualität überzeugen zu können.

Das "Pflasterschisser" bedient die Kunden auf Bestellung. Auch das Burgcafé startete nun zunächst mit dem Straßenverkauf. "Die Leute brauchen hier ein Café", ist Chamoun überzeugt. Als Ort der Begegnung. Als Touristenmagnet. Sein Blick schweift dabei aus seinem Laden hinaus zu den vorbeilaufenden Passanten. Frische Brötchen, Brote, Torten, Kuchen und Gebäck soll es künftig in Bioqualität im Burgcafé geben, das "selbstverständlich seinen Namen beibehält", so Chamoun. Der könnte nicht passender sein. "Der Blick zur Burg ist optimal", schwärmt Chamoun. Seine Gattin ist gelernte Konditorin und somit eine Frau vom Fach.

Frühstücksbuffet geplant

Die Backwaren werden täglich frisch zubereitet und kommen in Teilen aus der Domäne Mechtildshausen in Wiesbaden-Erbenheim, die Bioprodukte herstellt. Zudem soll die Auslage mit regionalen Waren bestückt werden. Der neue Pächter hat beispielsweise bereits Kontakt zu einem örtlichen Imker aufgenommen. Rund 350 Quadratmeter hat die Geschäftsfläche. Sie ist verteilt auf zwei Etagen. Im ersten Stock gibt es eine geräumige, durch Altstadtfassaden windgeschützte Terrasse. "Die Bestuhlung ist in den letzten Tagen angeliefert worden", sagt Abel Chamoun und zeigt auf in dezentem Grau gehaltene Korbmöbel. Stühle, Tische, einige Sofas und Sessel für den Außenbereich. Im Innenraum vertraut der Pächter auf die vorhandene Bestuhlung.

Die Renovierungsarbeiten waren nach Ostern abgeschlossen. "Sobald es wieder möglich ist, möchten wir im Burgcafé auch Frühstücksbuffets anbieten", verrät der neue Pächter. Klar ist: Der ambitionierte Gastronom hat keine Angst vor der Zukunft.

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