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Gudrun und Joachim Souverein unterstützen den Handel mit fairen Waren seit vielen Jahren. Sie haben bei der Auszeichnungsfeier in der Freiherr-vom-Stein-Schule ihren Eine-Welt-Stand aufgebaut und bieten dort unter anderem den fair gehandelten Burgkaffee an.

„Burgkaffee“

Eppstein ist Fairtrade-Stadt - Auszeichnungsfeier in der Freiherr-vom-Stein-Schule

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Im Juni kam die Nachricht, mit der Auszeichnungsfeier in der Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule ist es nun ganz offiziell: Eppstein ist Fairtrade-Stadt.

Der „Burgkaffee“ ist etwas ganz Besonderes – und zwar in doppelter Hinsicht. Welche Stadt hat schon ihren eigenen Kaffee, der zudem aus fairem Handel stammt und somit ein Aushängeschild für eine Erfolgsgeschichte ist, die vor gut vier Jahren ihren Anfang nahm. Damals entstand die Idee, sich um das Siegel „Fairtrade Town“ zu bewerben. „Den Anfang machte ein Antrag der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung“, erinnert sich Volker Pottmann, (Bündnis90 / Die Grünen) und Sprecher der Eppsteiner Fairtrade-Steuerungsgruppe. Von damals bis heute war ein weiter Weg, und dass dieser schließlich zum Erfolg führte, ist vor allem den engagierten Ehrenamtlichen zu verdanken, die sich für das Fairtrade-Siegel ins Zeug gelegt haben. Und da fällt der Namen Joachim Souverein.

Der gelernte Wirtschaftsprüfer und seine Frau Gudrun unterstützen den Handel mit fairen Waren seit etlichen Jahren – und zwar im

Eine-Welt-Kreis

der katholischen Kirchengemeinde – und haben somit schon vor langer Zeit den Grundstein für den „Fairtrade Town“ gelegt.

Bereits Stunden vor Beginn der Auszeichnungsfeier bauen die Souvereins den Eine-Welt-Stand auf. Unterstützt werden sie von den übrigen Mitgliedern der Steuerungsgruppe – das sind Regina Martin, Andrea Mauer, Volker Pottmann sowie Bürgermeister Alexander Simon. Liebevoll drapiert Gudrun Souverein die unterschiedlichen Produkte – von Kaffee und Tee über Schokolade, Honig, Reis, Nüssen bis hin zu Keksen. Zudem stellt sie auf einem weiteren Tisch Teller mit kleinen fair gehandelten Kostproben für die Gäste bereit.

Was für die beiden die Triebfeder ihres Engagements für Fairtrade ist? „Ich war während meiner Berufstätigkeit stark eingespannt, so dass mir keine Zeit blieb, mich ehrenamtlich zu engagieren. Als ich pensioniert wurde, sah ich mich nach einer sinnstiftenden Aufgabe um“, erzählt der jugendlich wirkende Mann, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte und sich außerdem beim Verein „Lernen dürfen“ und im Burgverein engagiert. Seit knapp zehn Jahren stehen die Souvereins nahezu jeden Freitag auf dem Eppsteiner Wochenmarkt und bieten am Eine-Welt-Stand faire Waren aus der Dritten Welt an.

„Der Kauf fair gehandelter Produkte sichert den Menschen in Ländern der Dritten Welt faire Preise für ihre Arbeit und langfristige Handelsbeziehungen. Indem wir hierzulande diese Waren anbieten, können wir den Menschen in Asien, Lateinamerika oder Afrika Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen“, nennt Joachim Souverein einen Aspekt. Zudem fördere Fairtrade umweltschonenden Anbau und Bio-Produkte. Letztere sind am Verkaufsstand des Eine-Welt-Stands auf dem Wochenmarkt sehr gefragt, wie Gudrun Souverein beobachtet hat. „Wir haben Stammkunden, die regelmäßig bei uns kaufen und sich bewusst für Produkte entscheiden, die aus ökologischem Anbau kommen.“

Was vor zehn Jahren noch in den Kinderschuhen steckte und größtenteils von Ehrenamtlichen gestemmt wurde, hat sich zu einer globalen Bewegung ausgeweitet, die 1992 in Deutschland mit der Gründung des gemeinnützigen Verein TransFairs ankam, der schließlich auch das Fairtrade-Town-Siegel an Städte und Landkreise vergibt, (siehe nebenstehenden Text).

„Die Übergabe der Urkunde und die Auszeichnungsfeier sind eine schöne Anerkennung unserer Arbeit und zugleich Ansporn für die Zukunft“, meint Volker Pottmann. Auf den Lorbeeren des Erfolgs kann sich die Stadt indes nicht ausruhen, alle zwei Jahre muss nachgewiesen werden, dass man die Fairtrade-Kriterien erfüllt. Dazu gehört beispielsweise, dass die Stadt selbst fair gehandelten Tee oder Kaffee in Sitzungen und Büros anbietet.

Außerdem muss der Einzelhandel mitziehen: Eine bestimmte Anzahl der örtlichen Läden, Cafés oder Catering-Betriebe muss Fair-Trade-Produkte im Sortiment haben. In der Burgstadt sind das auch Supermärkte und Discounter wie Edeka, Tegut sowie Aldi und Lidl. „Dies wollen wir in Zukunft weiter ausbauen und noch mehr Mitstreiter für die Fairtrade-Produkte begeistern“, schildert Pottmann. „Wir wollen weitere Lokale und Restaurants ansprechen, die fair gehandelte Getränke und Speisen anbieten.“ Mit Flyern und Infobroschüren möchten die Aktiven ihre Arbeit noch bekannter machen und für fairen Handel werben.

Bei der Freiherr-vom-Stein-Schule jedenfalls ist die Botschaft bereits angekommen: „Fairtrade und Nachhaltigkeit sind nicht nur Thema im Unterricht, sondern auch beim Kollegium. Wir kaufen fürs Lehrerzimmer beispielsweise Kaffee aus fairem Handel“, schildert Schulleiterin Sara Morawietz. „Deshalb haben wir unsere Aula sehr gern für die Auszeichnungsfeier zur Verfügung gestellt“, ergänzt sie und freut sich, dass viele der Schüler an diesem Abend mit von der Partie sind.

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