Verwöhnen statt verwahren: Betreiberin Ina Bendl (links) und ihre Helferin Franzi Quartararo mit ihren tierischen Gästen vor dem Eingang des Hunde-Hotels in Niederjosbach.
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Verwöhnen statt verwahren: Betreiberin Ina Bendl (links) und ihre Helferin Franzi Quartararo mit ihren tierischen Gästen vor dem Eingang des Hunde-Hotels in Niederjosbach.

Hundepension

Eppstein: Fünf Sterne für die lieben Vierbeiner

  • vonRobin Kunze
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Viel Auslauf und volles Verwöhnprogramm: Das "Dogs Inn Taunus" soll eine Wohlfühloase für Hunde sein - und den Gästen auf vier Pfoten wird allerhand geboten. Doch Besitzerin Ina Bendl hat auch oft mit Vorurteilen zu kämpfen.

VON ROBIN KUNZE

Niederjosbach -Seelenruhig genießt die Galloway-Herde der Familie Bendl Ende März einen der ersten richtig sonnigen Tage des Jahres. Die Kühe mit dem charakteristischen Zottel-Fell kuscheln sich auf dem Gelände des Aussiedlerhofes dicht aneinander und genießen die Ruhe. Das ist insofern außergewöhnlich, als dass direkt nebenan ein buntes Rudel Hunde das herrliche Wetter im Freigehege des "Dogs Inn Taunus" genießt. Lautstark geht es dabei nur dann zu, wenn ein Neuzugang, wie beispielsweise ein neugieriger Reporter, auf der Bildfläche erscheint. Dann richtet sich die Aufmerksamkeit des Dutzends Vierbeiner für einen Moment auf den Fremden, der bellend und mit wedelnden Schwänzen begrüßt wird. Kurz darauf hat der Unbekannte aber schon wieder seinen Reiz verloren, und jeder geht seinen eigenen Interessen in entspannter Atmosphäre nach.

Keine bloße Verwahranstalt

Die Labradore Pepe und Balou versuchen im spielerischen Wettstreit zu ermitteln, wer der Stärkere und Schnellere ist; Terrier-Mix Anton genießt hingegen als Kleinster der Gruppe ein Schläfchen im Schatten, ganz so wie die Nachbarn im Galloway-Gehege; Und der zottelige Mischling Jengo ruht auf einem Gartentisch, wo er mit den Menschen fast auf Augenhöhe sein kann.

Die beiden Zweibeiner sind in diesem Fall Hundepensionsbetreiberin Ina Bendl und Mitarbeiterin Franzi Quartararo, die sich selbst als "Schiedsrichter" bezeichnen. "Wenn man Hunde in einem Rudel laufen lässt, dann muss es unter den Mitgliedern der Gruppe harmonisch zugehen", sagt Betreiberin Bendl. Das klappt in der Regel sehr gut, schließlich muss jeder neue Pensionsgast zunächst einen Probe-Tag im "Dogs Inn" absolvieren, um die Kompatibilität zu testen. Falls aber doch mal einer der Hunde zum Strolch wird, greifen eben die zwei Referees ein. Dass Bendl und Quartararo den Vierbeinern eine lange Leine lassen (beziehungsweise ganz darauf verzichten), hat einen großen Vorteil. "Es stärkt das Selbstbewusstsein von Hunden, die sonst vielleicht etwas ängstlicher im Umgang mit Artgenossen sind. Und so manch übermütiger Überflieger wird durch das Rudel auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", sagt Bendl schmunzelnd. Kurz gesagt: Im "Dogs Inn" lernen die Hunde in Sachen Sozialverhalten dazu. "Eine bloße Aufbewahrung der Tiere kommt bei mir nicht infrage. Das war hier nie unsere Philosophie", betont Pensionswirtin Bendl. Als sie gemeinsam mit ihrem Mann 1998 den Aussiedlerhof unweit des Niederjosbacher Bahnhofs übernommen hatte, da befand sich bereits eine Hundeschule samt Betreuungsservice auf dem Gelände. Dass sie diese einmal weiterführen würde, war eigentlich nie ihr Plan.

Übernahme der Pension war Zufall

Doch als die damaligen Betreiber sich zurückziehen wollten, da fasste sich Bendl ein Herz. Vollkommen überraschend kam das dann aber auch nicht, schließlich ist sie selbst Hundeliebhaberin und ist als ehemalige Tierarzthelferin auch eine Frau vom Fach. "Man muss schon ein bisschen Theorie mitbringen, lernt aber auch dann noch jeden Tag dazu", erklärt sie. Umso mehr gilt das für ihre Mitarbeiterin und Quereinsteigerin Quartararo, die für Ina ein "absoluter Goldgriff" war. Sie stieß 2017 zum "Dogs Inn" hinzu und war vorher als Mediengestalterin tätig. "Ich hatte zuvor fünf Jahre bei einer Agentur gearbeitet, doch der Alltag im Büro wurde zunehmend zur Belastung", erinnert sie sich. Unter der "fantastischen Chefin" Bendl fand Quartararo ihr berufliches Glück und nahm dieser im Gegenzug viel Verantwortung ab. Denn 2017 hatte sich das "Dogs Inn" bereits einen guten Ruf bei Herrchen und Frauchen aus Eppstein und Umgebung erarbeitet. Der Anfang war für Bendl jedoch nicht leicht.

Als sie 2014 den Betrieb aufgenommen hatte, da waren Pensionen bei vielen Hundehaltern negativ besetzt. Drastisch ausgedrückt hatten viele Besitzer Sorge, ihren geliebten Vierbeiner vorübergehend in einer Art Hunde-Knast abzugeben. Über die Medien wurden immer mal wieder besonders unethische Pensionen bekannt, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen, da die Tiere dort zur Gewinnmaximierung in großer Anzahl einfach nur verwahrt wurden. "Wir nehmen maximal 20 Hunde gleichzeitig auf, damit wir uns auch um jeden einzelnen kümmern können", betont Bendl. Im Innern der modernen Pension stehen großzügige 600 Quadratmeter zur Verfügung. Wann immer es möglich ist, geht die Gruppe aber raus und nutzt das 400 Quadratmeter große Freiluftareal.

Viel Platz für die tierischen Gäste

Oder aber eine 1500 Quadratmeter große Wiese oberhalb des Aussiedlerhofes, wo die Hunde dann besonders viel Auslauf haben. Die meisten Stammkunden machen von dem Angebot mehrmals pro Woche zu festen Terminen Gebrauch. Aber auch eine kurzfristige Betreuung ist möglich. Allerdings müssen die Hunde spätestens um 10 Uhr abgegeben werden, damit innerhalb des Rudels keine allzu große Unruhe durch das Kommen und Gehen entsteht.

Viel Platz und viel Zuwendung: Bendl und Quartararo wollen den Vierbeinern den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen. Ihre Devise für das tierische Feriendomizil könnte lauten: verwöhnen statt verwahren.

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