Volker Pottmann vom Asylkreis Eppstein in der Übergangswerkstatt in der alten Gaststätte "zum Taunus" in Vockenhausen, wo er ein Fahrrad repariert.
+
Volker Pottmann vom Asylkreis Eppstein in der Übergangswerkstatt in der alten Gaststätte "zum Taunus" in Vockenhausen, wo er ein Fahrrad repariert.

Werkstatt des Asylkreises

Eppstein: Gaststube als Fahrradwerkstatt

  • VonKatrin Eva Walter
    schließen

Asylkreis-Mitglieder reparieren ausrangierte Fahrräder und stellen sie Flüchtlingen zur Verfügung. Jetzt haben sie ihre neue Werkstatt bezogen - im Schankraum einer alten Gaststätte.

Die farbigen Bodenplatten lösen sich schon und bunte Glasscheiben erinnern an alte Zeiten. Provisorische Leuchten stehen im Gang, und es ist staubig in der alten Gaststube. Es sieht aus wie auf einer Baustelle. "Keine Baustelle, das Haus steht kurz vor dem Abriss", erinnert Volker Pottmann an die Tatsache, dass die Zeiten des Restaurants "Zum Taunus" auf der Hauptstraße vorbei sind. Das ist traurig für alle, die mit dem Lokal viele schöne Erlebnisse verbinden.

Für Volker Pottmann und seine Mitstreiter vom Asylkreis Eppstein ist genau das aber ein glücklicher Zufall. In dem großen Saal haben sie zwei bis drei Dutzend Zweiräder in allen Farben und Größen entlang einer Fensterfront aufgereiht. "Das ist hier unser Showroom", witzelt Pottmann. Aber natürlich sind das keine hochwertigen Fahrräder, mit denen sie Profit machen wollen. Die Ehrenamtlichen bekommen alte Fahrräder von Bürgern geschenkt, die diese nicht mehr brauchen.

Pottmann und seine Kollegen werkeln dann daran herum, bis es wieder fahrtüchtige und sichere Räder sind. Das tun sie nun schon seit 2014, als viele Asylsuchende nach Deutschland und eben auch nach Eppstein kamen. Damals gründeten einige Engagierte den Asylkreis, der von der Caritas und der katholischen Kirche St. Laurentius getragen wird.

"Wir haben uns damals gefragt: Wie kriegen wir die Leute mobil?", erzählt Pottmann. Denn die Geflüchteten mussten Termine wahrnehmen wie zum Beispiel beim Sozialamt in Hofheim. Geld für den Bus hatten die meisten nicht. Also startete der Asylkreis seine eigene Fahrradwerkstatt und gab die reparierten Räder für einen kleinen Obolus an die Geflüchteten ab.

Ihre Reparaturen haben sie bis vor einigen Wochen noch ein paar Häuser weiter erledigt, aber aus dem kleinen Raum mit Innenhof mussten sie raus, weil der Eigentümer den Platz brauchte. Also veröffentlichte Pottmann einen Facebook-Post, um nach einer neuen Werkstatt zu suchen.

Noch am gleichen Tag kam ein Anruf. Am anderen Ende der Leitung war der neue Eigentümer des alten Restaurants und bot an, dass die Fahrradbastler bis Ende des Jahres dort arbeiten könnten - danach ist Schluss, denn das Gebäude wird abgerissen. An der Stelle soll ein neues Haus mit Wohnungen entstehen. Für diese Möglichkeit waren die Fahrradexperten dankbar. Bevor sie starten konnten, haben Pottmann und seine Mitstreiter Ralf Bonowski und Bodo Mensing erst einmal angepackt: Müll aus dem Hof getragen und aufgeräumt.

Dann haben sie sich in einem kleineren Zimmer, das früher mal ein Gastraum war, eine Werkstatt eingerichtet. In einem Regal liegen Plastikboxen mit verschiedenen Utensilien: Schrauben, Dynamos, Werkzeug, Flickzeug für Reifen, Klingeln und allerlei Ersatzteile. "Das recyceln wir aus Alträdern, die sonst nicht mehr zu gebrauchen sind", sagt Bonowski. Das empfehle sich, denn durch den Fahrradboom in der Corona-Krise fehlten diese Teile im Handel.

Auf einer Art Schraubstock können Pottmann und Bonowski die Räder aufbocken, so kommen sie besser an alle Teile des Rads heran. Eigentlich haben sie auch regelmäßig geöffnet, das sei aber seit Monaten nicht möglich gewesen. "Vielleicht machen wir ab Montag wieder auf", überlegt Pottmann. Denn mehr zu tun wird es geben: "Die Fahrradsaison startet", sagt auch Bonowski. Im Spätsommer wollen sie überlegen, ob sie die Werkstatt fortführen. Und sich dann vielleicht nach einer neuen Bleibe umsehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare