Wollen den mit plumpen Schmierereien verschandelten historischen Tunnel wieder zu einem ästhetischen Blickfang machen: Gündem Gözpinar, Ideengeberin Bea Hefter, Christina Canzler, Stefan Mohr und Balazs Vesszösi (von links). Seit vergangenem Freitag ist das Kunstwerk fertig.
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Wollen den mit plumpen Schmierereien verschandelten historischen Tunnel wieder zu einem ästhetischen Blickfang machen: Gündem Gözpinar, Ideengeberin Bea Hefter, Christina Canzler, Stefan Mohr und Balazs Vesszösi (von links). Seit vergangenem Freitag ist das Kunstwerk fertig.

Graffiti-Projekt am Bahnhof

Eppstein: Kunst aus der Dose

  • VonEsther Fuchs
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Die Eppsteinerin Bea Hefter konnte die plumpen Schmierereien am Eingang des historischen Tunnels am Bahnhof irgendwann nicht mehr sehen. Kurzerhand startete sie mit Frankfurter Graffiti-Künstlern ein aufwendiges Projekt.

VON ESTHER FUCHS

Eppstein -Es riecht nach Lack, die Dosen zischen und klappern. Balazs Vesszösi und Gündem Gözpinar sind in ihrem Element. Mit ihren Spraydosen stehen sie auf einem Baugerüst am Tunneleingang und drücken die Sprühköpfe. Der historische Tunnel gehört mit seinen Sandsteinwänden zum denkmalgeschützten Teil des Eppsteiner Bahnhofs. Bunte Farben benetzen die Fläche auf der Betonwand. Vesszösi und Gözpinar sind Spray-Künstler der Frankfurter Naxoshalle. Vergangene Woche starteten sie am alten, einbetonierten Tunnel ein Graffiti-Großprojekt.

Graffiti-Künstler aus Frankfurt

Initiiert hat es Bea Hefter. "Der Tunnel wurde vor einigen Jahren stillgelegt, mit Bauschutt gefüllt und dann mit diesen Betonschalen geschlossen", erklärt Hefter. Ihr war die mit Schmierereien verschandelte Betonwand schon lange ein Dorn im Auge. Bei jedem Spaziergang störte sie sich an dem Anblick des Gekritzels.

Das wollte die Arzthelferin aus Vockenhausen ändern. Ihre Idee: Richtige Kunst statt plumpes Graffiti. "Ein schönes, großes Kunstwerk, an dem sich jeder erfreuen kann, der vorbeikommt."

In der Bevölkerung fand sie schnell Unterstützung. Überzeugungsarbeit musste sie hingegen bei der Deutschen Bahn als Eigentümerin leisten. Die Zusage kam erst nach zähem Schriftverkehr. Die Bahn habe dann aber ihre Eigeninitiative als Privatperson gewürdigt und im Vertrag sogar auf die Genehmigungskosten in Höhe von 2000 Euro verzichtet, erzählt Hefter und wertet das als Anerkennung ihrer Initiative.

Stefan Mohr, der seit über 25 Jahren die Leitung des Naxos-Ateliers in Bornheim innehat, war sofort angetan, als ihm Bea Hefter ihr Vorhaben erklärte. "Das ist eine super Location. Die Jungs waren begeistert. Wir machen immer mal wieder Projekte außerhalb Frankfurts", so Mohr. Die beiden Graffitikünstler Vesszösi und Gözpinar machten sich sogleich auf die Suche nach passenden Motiven. Dem Wunsch, eine alte Lok zu sprayen, in Originalgröße und dampfend, kamen die beiden gerne nach. Verschiedene Fotos wurden digital zu einer Kollage verarbeitet, die Mustervorlage für das Kunstwerk wurde. Eigentlich sollte das Graffiti-Projekt schon Ende Mai beginnen. Doch dann verschoben die Sprayer den Termin: Mal war es zu regnerisch, dann kam ein anderes Projekt dazwischen.

Schließlich legten die Dosen-Künstler richtig los: In mehrtägiger Fleißarbeit nahm die Lok Formen an. Die Künstler waren von dem Projekt so angetan, dass sie sogar auf ihr Honorar verzichteten. Die Materialkosten und alles, was sonst so anfiel, übernahm die Eppsteiner Bürgerstiftung. Christina Cantzler, die Vorsitzende, sagt: "Ein tolles Projekt. So etwas fördern wir gerne."

Bürgerstiftung sammelt für Künstler

Die alte Lok in Originalgröße kann seit vergangenem Wochenende am alten Tunnel bewundert werden. In Schwarz-rot prangt sie auf dem Beton und fährt dem Betrachter mit allerlei Dampf und Rauch quasi entgegen. Am Bildrand ziehen Fledermäuse ihre Kreise. Der Tunnelbereich ist tatsächlich Anziehungspunkt für die Flugtiere. "Wir haben extra ein Bild der Tiere, die hier vorbeikommen, gesucht und sprayten sie oben hin", erklärt Balazs Vesszösi. Sorge, dass die Spray-Aktion möglicherweise die Fledermäuse beeinträchtigt habe, brauche aber keiner zu haben, betonen die Beteiligten: Der Tierschutz-Verein sei im Voraus über die künstlerischen Arbeiten am Eingang informiert worden und habe grünes Licht gegeben.

Damit die engagierten Künstler doch nicht ganz leer ausgehen, sammelt die Bürgerstiftung derzeit Spenden. Informationen zu der Aktion gibt es auf eine E-Mail an die Adresse anfrage@buergerstiftung-eppstein.de .

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