Letzte Meter: Bald sind auch alle Straßen des umstrittenen Quartiers asphaltiert.
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Letzte Meter: Bald sind auch alle Straßen des umstrittenen Quartiers asphaltiert.

Wohnprojekt "Innatura Eppstein"

Eppstein: Letzte Meter auf einem steinigen Weg

  • vonJulian Dorn
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Das Neubaugebiet "Innatura Eppstein" ist fast fertig. Damit endet ein schwieriges Kapitel für die Burgstadt und ihre Anwohner. Denn das Projekt war jahrelang heftig umstritten - und beschäftigte sogar das Bundesverwaltungsgericht.

VON JULIAN DORN

Vockenhausen -"Innatura Eppstein" - zugegeben: Die Stadt hat einen wohlklingenden Namen für das Wohngebiet in Vockenhausen ausgewählt. Steckt denn auch drin, was draufsteht? Eine leere Worthülse sei es gewiss nicht, kontert Bürgermeister Alexander Simon (CDU). "In diesem Wohngebiet dürfen nur regenerative Energien zum Einsatz kommen. Das ist ein starkes Zeichen", findet der Rathauschef. Ob sie Solarenergie nutzen, mit Holzpellets heizen oder nach Erdwärme bohren, konnten die Hausbesitzer aber selbst entscheiden. Das Verbot fossiler Energieträger sei ein Beleg dafür, dass die Stadt den Klimaschutz ernstnehme, meint Simon.

Und auch der Blick auf die Zahlen stimmt den Politiker zufrieden: Fast alle der 34 Wohngrundstücke sind inzwischen bebaut und bezogen. Sie wurden in einem aufwendigen Bieterverfahren vergeben - wohl zu Höchstpreisen. Die Rede ist davon, dass die Mindestgebotspreise von 470 bis 540 Euro pro Quadratmeter wohl deutlich überschritten wurden, da das Interesse aus der ganzen Rhein-Main-Region groß gewesen sei.

Und bald sind auch alle Grundstücke über asphaltierte Straßen zu erreichen. "Die Straßenbaumaßnahmen befinden sich ebenfalls auf der Zielgeraden, es stehen die letzten Meter an", sagt Rathaus-Sprecherin Monika Rohde-Reith und gibt einen Überblick von den einzelnen Bauarbeiten, die im April beendet sein sollen. Das Wohngebiet ist über zwei Zufahrtsstraßen an vorhandene Straßen angebunden. Die Anbindung an die Straße "Auf dem Wingertsberg" ist mit einem einseitigen Gehweg auf der nördlichen Seite und asphaltierter Fahrbahn hergestellt.

Eine zweite Anbindung erfolgte an den Eppenhainer Weg. Diese Zufahrtsstraße ist bereits asphaltiert und hat einen einseitigen Gehweg mit Beleuchtung erhalten. Die Ringstraße der inneren Erschließung wird verkehrsberuhigt ausgebaut und erhält Stellplätze, die farblich abgesetzt und durch Baumpflanzungen eingefasst werden. "Die Parkplatzflächen werden versetzt angeordnet, um das Fahren mit Schrittgeschwindigkeit baulich zu unterstreichen", erläutert Rohde-Reith. Die Verkehrsfläche wird höhengleich, ohne Höhenversätze durch Borde, ausgebaut und Betonsteinpflaster verlegt

Langer Rechtsstreit um Quartier

Der Straßen ins Wohngebiet sind also bald asphaltiert, der Weg dorthin war jedoch vorher schon gepflastert - metaphorisch gesprochen - mit allerhand Problemen. Denn nicht alle waren von "Innatura Eppstein" so begeistert wie der Bürgermeister. Im Gegenteil: Bürger liefen Sturm. Gegner hatten vor allem mit dem Eingriff in Natur und Landschaft argumentiert. Außerdem gibt es die Befürchtung, der von dem Baugebiet ausgehende Verkehr werde die Altstadt übermäßig belasten.

Eine Initiative sammelte damals 1700 Unterschriften gegen das Projekt und strengte ein Bürgerbegehren an. Das Eppsteiner Parlament erklärte es jedoch seinerzeit für unzulässig. Die BI klagte dagegen. Die Quartier-Querelen kulminierten dann in einem Rechtsstreit, der sich durch alle Instanzen zog. Die Stadt konnte sich 2015 mit ihrer Rechtsauffassung letztinstanzlich durchsetzen. "Innatura" wurde gebaut - und sei ein städtebaulicher Erfolg, zumindest in den Augen des Bürgermeisters: "Es sind viele junge Familien in unsere Stadt gezogen. Unser Plan ist aufgegangen", sagt er heute.

Mit der Umsetzung wurde ein Erschließungsträger beauftragt. Die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (DSK) hatte seit November 2015 die Grundstücksverhandlungen geführt und lässt nun auch die Erschließungsmaßnahmen ausführen. Die Gesellschaft mit Sitz in Wiesbaden hat in Eppstein bereits das Baugebiet am Bremthaler Bahnhof und das Areal Hollergewann in Niederjosbach entwickelt. Für die Waldallee im Stadtteil Bremthal hatte sie zudem ein Quartierskonzept für den Klimaschutz ausgearbeitet.

"Innatura" ist eigentlich fertig - trotzdem werden im Frühjahr nochmals die Bagger anrollen: für die Knirpse des Quartiers. In der Mitte des Wohngebiets soll ein Spielplatz entstehen. "Verwaltung und Architekten haben ihn gemeinsam mit den Anliegern - und den Kindern - konzipiert.", so Rohde-Reith.

Opulenter Spielplatz für 150 000 Euro

Unterstützung gab es von der Niederjosbacher Ortsvorsteherin Andrea Sehr (CDU). Sie hat in ihrem Stadtteil mehrere Kinderspielplätze von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleitet. In einer Videokonferenz mit den Anliegern wurden die Entwürfe des neuen Kinderspielplatzes bereits im November 2020 vorgestellt. Für die Kleinen ist allerhand geplant: In der Mitte des Grundstücks soll es eine zentrale Kletteranlage geben. Dazu wird ein rund zwei Meter hoher Hügel aufgeschüttet. Von diesem aus führt eine Rutsche auf die darunterliegende Ebene. Den Hügel können die Kinder dann über Stufen und einen mit einem Halteseil versehenen Steig-Stamm erklimmen. Dort gibt es dann etwa ein Baumstamm-Mikado zum Balancieren, eine Klötzchen-Brücke und eine Hangel-Girlande.

Ist nun alles in trockenen Tüchern? Der Magistrat habe Anfang März die Arbeiten vergeben, berichtet Rohde-Reith. Die Kosten des Kleinods für die Kleinen werden aktuell auf 150 000 Euro geschätzt. "Die Baumaßnahmen beginnen in Kürze, im Herbst wird das Umfeld bepflanzt", lautet die Prognose aus dem Rathaus. Im Sommer soll dann das erste Kinderlachen dort zu hören sein.

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