Im Homeoffice taucht Karin Seemayer ein in andere Welten und längst vergangene Zeiten. Hier macht sie aus ihren kreativen Gedanken die Texte für ihre Bücher. Das neue Werk der Eppsteinerin soll im Sommer erscheinen.
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Im Homeoffice taucht Karin Seemayer ein in andere Welten und längst vergangene Zeiten. Hier macht sie aus ihren kreativen Gedanken die Texte für ihre Bücher. Das neue Werk der Eppsteinerin soll im Sommer erscheinen.

Schriftstellerin Karin Seemayer

Eppstein: Mit acht schrieb sie ihre erste Geschichte

Für ihre Romane reist die Eppsteiner Autorin Karin Seemayer rund um die Welt. Nun bringt sie einen neuen historischen Roman über die Amish heraus. Mit unserer Reporterin sprach sie über das Werk, ihre Passion fürs Schreiben - und was die Sonntagsspaziergänge mit ihre Eltern damit zu tun haben.

VON ESTHER FUCHS

Eppstein -Die Abenteuerromane hatten es Karin Seemayer als Kind besonders angetan. "Während der Sonntagsspaziergänge mit meinen Eltern bin ich dann in diese Geschichten eingetaucht und habe sie selbst weitergesponnen." Als Achtjährige brachte sie diese Gedankenspiele zum ersten Mal zu Papier. Das waren anfangs gebrauchte Telex-Rollen, die ihr die Mutter aus dem Büro mitgebracht hatte.

Rund fünf Jahrzehnte später schreibt die in Reutlingen geborene und in Frankfurt aufgewachsene Autorin, die mit ihrem Mann in Eppstein lebt, erfolgreich Romane mit geschichtlichen Bezügen. Um für ihre Bücher zu recherchieren, verbindet Seemayer ihre Passion zu schreiben mit einer zweiten Leidenschaft: dem Reisen. Die Autorin ist schließlich gelernte Reiseverkehrskauffrau, blickt also schon von Berufswegen gern über den heimischen Tellerrand.

Die Ideen kamen beim Sonntagsspaziergang

Derzeit arbeitet Karin Seemayer wieder an einer Saga als Roman-Trilogie, diesmal über die Welt der Amish, der nach Amerika ausgewanderten Gläubigen mit europäisch-schweizerischen Wurzeln. Für Nachforschungen wollte die Autorin eigentlich im vergangenen Sommer nach Pennsylvania reisen. Dort leben heute Amish-People mit Pfälzer Wurzeln, sogenannte Pennsylvania-Deutsche. Die Pandemie machte ihr aber einen Strich durch die Rechnung. Das erste Buch der Trilogie ist dennoch gerade fertiggeworden und erscheint im Juni. Es kann im Buchhandel oder via Onlineanbieter vorbestellt werden.

Seit 2012 schreibt Karin Seemayer für den Aufbau-Verlag. Ihre Romane sind beliebt. Die drei mittlerweile erwachsenen Kinder und ihr Ehemann bestärken sie in ihrer literarischen Leidenschaft. Sie habe schon immer gerne gelesen und ihre Ideen in Geschichten ausgedrückt, erzählt Karin Seemayer.

Im Homeoffice mit Hund und Meerschweinchen entstehen heute Romane, welche die existenziellen Themen wie Liebe, aber auch Alltägliches und historische Gegebenheiten aus aller Welt miteinander verquicken. "Ursprünglich wollte ich meine Geschichten nie veröffentlichen", erzählt Seemayer. Lange Zeit trat das Schreiben für sie zudem in den Hintergrund, da standen die drei Kinder an erster Stelle.

Die Karriere als Autorin ergab sich vor neun Jahren dann auch eher zufällig. Da fand Karin Seemayer in einem Schrank "beim Ausmisten" alte Texte aus der Jugend. Die Reiseverkehrskauffrau las ihr altes Manuskript "über die wilde Seefahrerromanze, die mir als 17-Jährige in den Kopf kam". Und plötzlich war das Schreibfieber zurück. "Das liest sich gut, dachte ich, und entwickelte dann daraus mein erstes Buch ,Die Sehnsucht der Albatrosse.'"

Dann folgte ein Buch auf das nächste. Um ein möglichst authentisches Bild von den Weltregionen zu bekommen, die sie in ihren Büchern beschreibt, reiste die Autorin nicht nur durch europäische Nachbarländer wie Italien, Frankreich oder Spanien. Sie hat inzwischen auch Australien, Hongkong, die Philippinen, Venezuela oder auch Brasilien bereist. In Brasilien etwa spielt ihr im Juli 2020 erschienenes Buch "Die Tage des Aufbruchs".

Ein Buch über die Kultur der Amish

In besonderer Erinnerung ist der Autorin jedoch die Toskana geblieben. Diesem schönen Fleckchen Erde widmete Seemayer sogar drei Romane, deren Handlung aufeinander aufbaut. Ihre Eltern besaßen dort bis vor ein paar Jahren ein Grundstück mit einem kleinen Haus drauf. "Wir waren 30 Jahre lang regelmäßig dort." Verknüpft mit historischen Ereignissen um die Freiheitsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts entstand zum Beispiel die Toskana-Trilogie um die starke Italienerin Antonella, die aus der Enge ihres kleinen Dorfes in den Apuanischen Alpen ausbricht und nach Genua flieht.

Karin Seemayer nähert sich aktuell erneut einem Thema, das sie beschäftigt und dem sie ebenfalls gleich drei Bände widmen wird: das Wirken der protestantischen Glaubensgemeinschaft um ihren Begründer Jakob Amman. "Das erste Buch der Amish entführt nach Waterloo in die Zeit um 1815." Seemayer verarbeitet darin Leben, Kultur und Geschichte der reformatorischen Täuferbewegung. Das letzte der drei Bücher wird die Geschichte bis ins 20. Jahrhundert fortführen, verrät die Schriftstellerin aus der Burgstadt.

Der erste Band der Amish-Saga trägt den Titel "Der Himmel über Amerika - Rebekkas Weg" und entführt den Leser einmal mehr in eine längst vergangene Epoche.

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