Stephan Racky und seine Tochter Manuela bildeten mit viel Liebe zum Detail die Ehlhaltener St.-Michael-Kirche nach.
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Stephan Racky und seine Tochter Manuela bildeten mit viel Liebe zum Detail die Ehlhaltener St.-Michael-Kirche nach.

Hobby-Modellbauer

Eppstein: Mit viel Geschick und dem richtigen Blick

Orgelpfeifen aus silbern lackierten Zahnstochern, die Wände des Kirchenschiffs mit Tee schwarz gefärbt: Der Eppsteiner Hobby-Tüftler Stephan Racky hat mit seiner 12-jährigen Tochter und viel Liebe zum Detail die St.-Michael-Kirche nachgebaut. Für ihn war es auch eine Reise zurück in seine Kindheit.

VON ESTHER FUCHS

Ehlhalten -Das Dachgebälk ist aus Silvesterraketenhölzern. Silbern lackierte Zahnstocher bilden die Orgelpfeifen. Die Wände des Kirchenschiffs sind mit schwarzem Tee gefärbt. Das Fensterglas wurde aus bedruckter Overheadfolie zugeschnitten.

Ein knappes Jahr lang hat Stephan Racky seine Kindheitserinnerungen in einem Modellbau verewigt. Der Ehlhaltener hat in seinem Bastelkeller die 1732 errichtete St. Michael-Kirche im Kleinformat aufwendig nachgebaut. Ganze 18 mal 40 Zentimeter ist das Modell des Hobbytüftlers groß. Es steht dem Original in puncto Detailtreue in nichts nach.

Unzählige Arbeitsstunden hat der frühere DRK-Geschäftsführer und Vorsitzende des Eppsteiner DRK-Stadtverbands dem kleinen Kunstwerk gewidmet.

Arbeit bis die tief in die Nacht

Stephan Racky begann seine Arbeit am St. Michael-Modell im März vergangenen Jahres. Die Rente und der Lockdown brachten ihm viel Zeit, die er für den lange gehegten Wunsch nutzen wollte. "Ich habe schon immer gerne mit Holz gearbeitet. Modelle habe ich in der Vergangenheit auch schon gemacht", sagt er und erinnert sich im Gespräch an seine Modelleisenbahn und andere Tüfteleien. Stolz ist der Ehlhaltener auf das kürzlich gefertigte Werk, das die bisherigen Arbeiten in den Schatten stellt. Unterstützt von seiner zwölf Jahre alten Tochter Manuela bastelte Racky geduldig, mit viel Fingerspitzengefühl und dem richtigen Blick für Details zuweilen bis tief in die Nacht. "Am ewigen Licht arbeitete ich drei Tage, bis der dünne Draht endlich hielt", erinnert sich der Tüftler an die Sisyphusarbeit. Er hat eine emotionale Bindung zu St. Michael. "Als kleiner Junge war ich für das Mittags- und Abendläuten zuständig. Ich kann mich noch gut an den Glockenturm erinnern."

Doch nicht nur das. Mit 18 Jahren wurde Racky zunächst Küster. Seine Schwester Martina Smolorz hat die Aufgabe heute inne, seit inzwischen mehr als 30 Jahren. Stephan Racky organisierte bis zum Ausbruch der Pandemie Kindergottesdienste in St. Michael und erinnert sich an manchen Aufenthalt in der Kirche. "Ich schaute mir die Holzsäulen an und überlegte, wie die wohl geschnitzt, gedrechselt oder gehobelt worden waren." Nun hat er in den vergangenen Monaten einen nahezu originalgetreuen Nachbau fertiggestellt. Dienlich waren ihm ein alter Querschnittsplan, Messungen am Original, die er mit Tochter Manuela vornahm, und alte Jugenderinnerungen.

Eine Hommage an seine Kindheit

"Ich weiß zum Beispiel noch genau, wie der Dachstuhl aussieht." Den habe er mal gemeinsam mit einem Freund aufgeräumt und eine alte Kirchenglocke aus dem Jahr 1499 gefunden. "Sie hängt heute in der Friedhofskapelle." Erlebnisse wie dieses prägten, ist Stephan Racky überzeugt. Er hat die alte Glocke auch in seinem Modell-Dachstuhl versteckt. "Wenn ich ein Ziel habe, arbeite ich daran, bis ich es erreicht habe", verrät er.

Und was soll nun aus dem mit viel Liebe zum Detail gestalteten Modell werden? Das stehe noch nicht fest, sagt Racky. Er hätte jedenfalls nichts dagegen, sein St.- Michael-Modell für einen guten Zweck zu versteigern. Wenn der neue Eigentümer das Modell dann noch im Originalbauwerk ausstellen würde, wäre das eine besonders schöne Geste, findet der Hobby-Modellbauer aus Ehlhalten.

Sogar eine Orgel gibt es: Stephan Racky sägte und klebte aus kleinen Hölzchen und Zahnstochern das Kirchen-Mobiliar
Auch vor der Kirche tummeln sich kleine H0-Männchen, die Racky für ihren Kirchgang schick anzog und umlackierte.

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