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Nicht jede Tierquälerei ist auch Tierquälerei: Moralische und juristische Wertung gehen oftmals weit auseinander - wie im Fall der angeschossenen Katze aus Eppstein. (Symbolbild).

Prozess vor dem Landgericht

Main-Taunus-Kreis: Schuss auf Katze des Nachbarn ist keine Tierquälerei

  • vonMatthias Gerhart
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Ein Mann fühlt sich von der Katze seiner Nachbarin gestört, greift zum Luftgewehr - und schießt dem Tier ins Bein. Ist das Tierquälerei? Nein, sagt nun die Berufungsinstanz am Frankfurter Landgericht - zumindest nicht im rechtlichen Sinne.

Eppstein – Es war ein Nachbarschaftsstreit, wie er im Buche steht: Hier der auf Ruhe, Erholung und ungestörten Schlaf bedachte Pilot und dort die lebenslustige Nachbarin mit Hund und Katze im Haus. Und alles nur ein paar Meter voneinander entfernt in einer ruhigen Eppsteiner Wohnsiedlung.

Mit dem Hund fing es an. Das Tier hatte eines Tages auf der Terrasse gelegen und urplötzlich eine blutende Wunde an der Pfote. Eine Untersuchung ergab, dass der Vierbeiner von einem Geschoss aus einem Luftgewehr getroffen worden war. Einzig vom Grundstück des Nachbarn war die Terrasse einsehbar. Nichts weiter passierte, als dass sich der Nachbar über das regelmäßige Bellen des Hundes aufregte.

Main-Taunus-Kreis: Geschoss im Bein des Tieres entdeckt

Was ihn an den Katzen der Nachbarin störte, blieb bis zuletzt unklar. Eine von ihnen wurde 2018 schließlich in anderer Sache einem Tierarzt zum Röntgen vorgeführt. Bei dieser Gelegenheit entdeckte der Veterinär in einem der Beine des Tieres wiederum ein Geschoss aus einem Luftgewehr. Der Nachbar hatte die passende Waffe in seiner Wohnung.

Nun hatte der Fall für den 52-Jährigen ein gerichtliches Nachspiel über zwei Instanzen. Zunächst wurde er vom Amtsgericht wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe von 16 100 Euro (70 Tagessätze) verurteilt. Grundlage für die hohe Geldstrafe war der gute Verdienst des Mannes bei einem Flugunternehmen. Nachdem der Mann den Vorwurf, auf die Katze geschossen zu haben, stets energisch bestritten hatte, ging es in die Berufungsinstanz vor einer kleinen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts.

Dort ging es gestern weniger um die Täterschaft, die für das Gericht wohl unbestritten war, als um rechtliche Erwägungen. Tierquälerei müsse "erhebliche Schmerzen" bei dem betroffenen Tier hervorrufen, sagte Richterin Angelika Kauffer. Um diese Anforderung zu klären, bemühte das Gericht einen tierärztlichen Gutachter, der eine Expertise erstellte.

Nach Schuss ins Bein einer Katze im Main-Taunus-Kreis: Frauchen hatte nichts mitbekommen

Seiner Einschätzung zufolge litt die Katze nach dem Schuss höchstens "leichte bis mittelschwere Schmerzen" - sogar ihr Frauchen hatte ja noch nicht einmal etwas mitbekommen. Von einer Tierquälerei im rechtlichen Sinne könne deshalb nicht die Rede sein. Als sogenannter Auffangtatbestand kam deshalb nur die weniger streng sanktionierte Sachbeschädigung infrage. Immerhin habe das Tier im Inneren durch das Geschoss eine Wunde erlitten, die erst nach einigen Tagen geheilt sei. Obwohl der Verteidiger weiter jede Täterschaft seines Mandanten bestritt, wurde er erneut verurteilt.

Dieses Mal waren es 30 Tagessätze, also insgesamt 1950 Euro Geldstrafe. Zwischenzeitlich ist der Mann nämlich nach psychischen Problemen arbeitsunfähig und verfügt nur noch über knapp die Hälfte seiner früheren Einkünfte. (Von Matthias Gerhart)

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