Prachtvolles Erinnerungsmal und Touristenmagnet: der Kaisertempel in Eppstein, hoch auf dem Staufen.
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Prachtvolles Erinnerungsmal und Touristenmagnet: der Kaisertempel in Eppstein, hoch auf dem Staufen.

Kaisertempel

Eppstein: Steinerne Reminiszenz an einen fast vergessenen Krieg

  • vonJulian Dorn
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Wer von dem Aussichtspunkt hoch oben am Hang des Staufen auf Eppstein blickt, macht sich meist wenig Gedanken über die Widmung des Eppsteiner Kaisertempels: "Den Einigern Deutschlands". Was hat es damit auf sich? Der diesjährige Osterspaziergang des Burgmuseums soll diese Frage beantworten und an einen längst verblassten Krieg erinnern.

Eppstein -"Den Einigern Deutschlands" ist der Eppsteiner Kaisertempel gewidmet. Aber was hat es eigentlich damit auf sich? Diesen und weiteren Fragen soll beim diesjährigen Osterspaziergang des Burgmuseums zum Thema "150 Jahre deutsche Einigung" auf den Grund gegangen werden - erstmal allerdings nur digital. Der Online-Zugang und der konkrete Termin werden noch bekanntgegeben.

Der 1894 eingeweihte Kaisertempel ist eine der touristischen Hauptattraktionen Eppsteins. Der klassizistische Bau, von Architekt Conrad Steinbrinck aus Frankfurt einst gratis entworfen, kostete insgesamt 3300 Goldmark. Am Kerbemontag 1892 wurde der Grundstein gelegt. Das Monument ist dem griechisch-dorischen Tempel nachempfunden. Die Frontseite schmücken vier Säulen mit einer Höhe von etwa 3,90 Meter. Aus Backsteinen gemauert und verputzt, tragen sie Kapitelle aus Sandstein. Darüber liegt der Architrav, den eine kräftige Leiste vom Fries trennt. Ein Satteldach schließt das Ganze ab. Zweifellos: ein imposantes Bauwerk - einerseits.

Für Monika Rohde-Reith, die Leiterin des Burgmuseums und profunde Kennerin des Monuments, ist der Tempel aber auch "ein bedeutendes kaiserzeitliches Erinnerungsmal". Aber auch eine Reminiszenz an die deutsche Einigung - und einen Krieg, der dieser vorausging und in der kollektiven Erinnerung längst verblasst ist. Wer von diesem Aussichtspunkt hoch oben am Hang des Staufen auf Eppstein blicke, mache sich meist wenig Gedanken darüber, glaubt Rohde-Reith. Und der Begriff "deutsche Einigung" sei für viele mit der Wiedervereinigung 1990 verbunden. Doch er reiche viel weiter zurück, worauf der Tempel verweise.

Für die Einheit

floss viel Blut

Denn die langersehnte deutsche Einigung hat damals der deutsch-französische Krieg von 1871/72 bewirkt. Preußen, zu dem seit 1866 auch Eppstein gehörte, gelang es, die süddeutschen Staaten an den von Preußen angeführten Norddeutschen Bund anzuschließen. An den Sieg über Frankreich und die Gründung des deutschen Nationalstaates erinnern noch heute viele Statuen oder Denkmäler, ein prominentes Beispiel ist das Niederwalddenkmal am Rhein. "Die damalige Euphorie ließ vergessen, dass für die Einigung Deutschlands fast 200 000 Menschen starben, für Hunderttausende war der Krieg ein traumatisches Erlebnis", gibt Rohde-Reith zu bedenken.

Der Kaisertempel entstand erst über 20 Jahre nach Kriegsende. "Er hat weniger das Andenken an die Gefallenen zum Thema, vielmehr ist das Heiligtum, wie eine frühere Inschrift verlauten ließ, 'dem Vaterland zum Ruhm gewidmet'." Man feierte mit dem außergewöhnlichen Bauwerk unter anderem den 1871 zum deutschen Kaiser ausgerufenen König von Preußen, Wilhelm I. Die Erinnerung an das Blutvergießen vor der Kaiserkrönung "wurde aber von den Schrecken zweier Weltkriege überlagert", sagt Expertin Rohde-Reith.

Deswegen ist auch für Erste Stadträtin Sabine Bergold wichtig, dass der diesjährige Osterspaziergang wieder für dieses Thema sensibilisiere: "Gerade weil wir ein Dokument dieser Zeit haben, lohnt sich ein Blick auf dieses Ereignis." Die Online-Variante des traditionellen Spaziergangs führt also zurück in die Kaiserzeit. Der analoge Aufstieg zu dem Erinnerungsmal werde nachgeholt. judo

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