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Das Traditionslokal „Zum Taunus“ an der Hauptstraße in Eppstein war mehr als eine Gaststätte. Es war über Generationen Treffpunkt der Vockenhäuser und sozialer Anker. Vor wenigen Tagen hat Inhaber Peter Mohr das Haus für immer geschlossen.

Das plötzliche Ende bedrückt

Traditionslokal „Zum Taunus“ in Eppstein macht dicht – Die Vereine trifft das hart

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Der Gasthof „Zum Taunus“ im Eppsteiner Stadtteil Vockenhausen war mehr als ein Lokal. Vor allem die Vereine trifft die Schließung der hart. Doch es gibt einen Lichtblick.

  • Das Traditionslokal „Zum Taunus“ in Eppstein-Vockenhausen schließt für immer. 
  • Das Lokal war mehr als nur eine Gaststätte, Bürger und Vereine trafen sich beim „Mohr“ - es war Tradition.
  • Nun muss dafür ein Ersatz geschaffen werden. 

Eppstein – Die Ansage auf dem Anrufbeantworter ist kurz und knapp: „Guten Tag, liebe Gäste, das Gasthaus ,Zum Taunus' hat seinen Betrieb eingestellt, wir bedanken uns ganz herzlich für die jahrelange Treue.“ Seit Ende April ist das Lokal an der Hauptstraße in Eppstein-Vockenhausen (Main-Taunus-Kreis) dicht. Auch wenn es seit Monaten schon immer wieder mal hieß, Inhaber Peter Mohr habe vor, das Traditionshaus zu schließen, trifft die endgültige Entscheidung die Gäste und vor allem die Vockenhäuser Vereine nun hart.

Traditionslokal in Eppstein schließt für immer: Der Gasthof war Dreh- und Angelpunkt im Ort 

Der Gasthof war mehr als ein Lokal. „Wir gehen zum Mohr“ war ein geflügelter Satz in Eppstein-Vockenhausen. Hier ging man nicht nur zum Essen hin. Das weiträumige Lokal war Treffpunkt und sozialer Anker für alle Bürger, aber besonders für die Vereine - Tradition eben. Unzählige Hochzeiten wurden hier gefeiert, Kommunion, Konfirmation und auch Trauerfeiern. „Mein Abschieds-Essen... nie wieder Rahmschnitzel oder lustige Abende beim Mohr? Ich bin wirklich sehr traurig, da ich Kindheitserinnerungen damit verbinde“, postet eine Userin auf Facebook und drückt damit aus, was viele in dem Eppsteiner Ort empfinden.

„Mit der Schließung geht ein Stück Tradition verloren“, bedauert Ortsvorsteher Henning Quitzau das Ende dieses Stücks Ortsgeschichte, das sich indes andeutete. Das Grundstück an der Hauptstraße in Eppstein-Vockenhausen wurde bereits 2017 verkauft. Zum Jahresende sollte der Mietvertrag auslaufen. Ob und welche Rolle die Corona-Krise letztlich bei der Entscheidung spielte, ist unklar. Inhaber Peter Mohr ist derzeit nicht zu erreichen. Es heißt, er habe geplant, in den Ruhestand zu gehen.

Lokal in Eppstein im Main-Taunus-Kreis schließt: Welche Rolle die Corona-Krise spielt, ist unklar

Die Vereine in dem Eppsteiner Stadtteil trifft die Schließung hart: Ob Sängerbund, VdK, die Humoristische Gesellschaft Fidelio, TSV oder Angelsportverein: Sie alle trafen sich regelmäßig im Versammlungssaal des Gasthofs. „Wir haben seit 18 Jahren beim ,Mohr' geprobt, haben unser Herbstfest oder unseren Jahresabschluss dort gefeiert. Die Schließung ist wirklich traurig“, schildert Erika Zickwert, Schriftführerin des Sängerbund Vockenhausen in Eppstein und macht damit deutlich, wie eng das Traditionslokal mit der Geschichte der örtlichen Vereine verknüpft war. 

Die Freiwillige Feuerwehr Eppstein-Vockenhausen beispielsweise wurde 1934 von 20 Männern gegründet, die sich im „Zum Taunus“ zur Freiwilligen Feuerwehr zusammentaten. Ebenso die Vockenhäuser Hexen, die Tradition in Eppstein sind, seit 1981 an Weiberfastnacht ihr Unwesen auf den Straßen treiben und 1985 dort gegründet wurden.

Hier zeigt sich Tradition: Diese historische Ansicht stammt aus der Feder von Hans Jakob Sauer und zeigt das Gasthaus  „Zum Taunus“ im Jahr 1900.

Eppsteiner Traditionslokal schließt: Ersatzräume für die Vereine im ehemaligen Domizil der Feuerwehr

Immerhin: Sorgen um einen neuen Treffpunkt müssen sich die Vereine nicht machen. Die städtischen Räume im Rathaus I in Eppstein, in denen die Freiwillige Feuerwehr bis zu ihrem Umzug in ihr neues Domizil an die Embsmühle im vergangenen Jahr untergebracht war, stehen den Vereinen von Juni an zur Verfügung.

„Und wir werden uns nun damit auseinandersetzen müssen, wie es weitergehen soll, wenn das Vereinsleben nun nach den Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen wieder langsam anläuft. Wir werden uns gemeinsam mit den Vereinen und der Stadt zusammensetzen und Gedanken über weitere Möglichkeiten machen“, skizziert Ortsvorsteher Henning Quitzau das Prozedere.

Treffpunkt mit Tradition in Eppstein-Vockenhausen schließt: Ersatzräume für Vereine werden hergerichtet

Die beiden städtischen Ersatzräume werden derzeit hergerichtet. So soll in der Fahrzeughalle ein separater Eingang entstehen, zudem wird eine Zwischenwand eingezogen, um Platz für Lagermöglichkeiten zu schaffen. Wie die Vereine die Nutzung schließlich organisieren, wird mit dem Vereinsring Vockenhausen in Eppstein besprochen.

Zurück zum Traditionsgasthof: Auf dem 1200 Quadratmeter großen Gelände wird sich einiges verändern: Der neue Besitzer plant dort moderne, großzügige Wohnungen zu bauen. Im Erdgeschoss soll ein Parkdeck entstehen. Die in die Jahre gekommene Fassade soll im hochmodernen Stil daherkommen.

Traditionslokal in Eppstein weicht einem modernen Wohnhaus

Überhaupt wird sich einiges verändern an der Hauptstraße des Eppsteiner Stadtteils. Auch der „Nassauer Hof“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehört bald der Vergangenheit an. Das ehemalige Traditionslokal weicht einem modernen Wohnhaus: Eine Investorengruppe aus Frankfurt plant, dort 30 Wohnungen inklusive Tiefgarage zu bauen. Einziehen sollen sowohl Senioren als auch Familien.

Ein Besitzerwechsel steht zudem im „Kalispera“ am Ortseingang an. Die griechischen Besitzer wollen das Haus - zu dem drei Wohnungen und die Gaststättenräume gehören - verkaufen und sich nach 30 Jahren aus der Gastronomie verabschieden. Das Lokal wollen sie wieder verpachten. 

Christine Sieberhagen

Die Stadt Eppstein kümmert sich schnell um einen Ersatz für die Vereine in Vockenhausen. Bei der vergangenen Bürgermeisterwahl in Eppstein haben die Bürger Amtsinhaber Alexander Simon (CDU) erneut zum Bürgermeister gewählt.

Eppstein wird nachhaltig. Im vergangenen Jahr hat die Stadt die Becher auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt ausgetauscht - Und das aus gutem Grund. 

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