Bürgermeister Alexander Simon übergibt vor den Rathaus die Testräder an Eppsteiner.
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Bürgermeister Alexander Simon übergibt vor den Rathaus die Testräder an Eppsteiner.

Klimaschutz

Eppstein: Viel Rückenwind für die E-Bikes

  • vonJulian Dorn
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156 Eppsteiner testeten in den vergangenen Monaten kostenlos E-Bikes bei einer landesweiten Aktion. Der Test reiht sich in eine Vielzahl von Klimaschutzmaßnahmen der Stadt. Doch am Klimaschutzkonzept gibt es auch Kritik.

VON JULIAN DORN

Eppstein -Die Stadtverwaltung wollte mit einem besonderen Projekt in Sachen Klimaschutz vorangehen oder besser: voranradeln. Die Eppsteiner Bürger konnten kostenlos zwischen Anfang Januar und Mitte April E-Bikes und E-Lastenräder testen. Pedelec statt Pkw war die Devise. Insgesamt 156 Personen aus Eppstein haben sich in dieser Zeit auf den Sattel geschwungen und waren jeweils zwei Wochen lang mit den insgesamt elf E-Bikes und Pedelecs unterwegs. Trotz eisiger Temperaturen "waren die E-Bikes und Pedelecs in den letzten drei Monaten durchweg ausgeliehen", bilanziert Bürgermeister Alexander Simon.

Da bei den Pedelecs ein Elektromotor das Treten in die Pedale unterstützt, konnten sich die Tester mit dem Bike auch in Straßen wagen, die sonst nur von Radsportprofis gemeistert werden. So probierten die Teilnehmer in der Burgstadt mit ihren oft steilen Straßen und beschwerlichen Hügeln Alternativen zum Auto aus. Ein Ansatz für einen nachhaltigen Klimaschutz sei schließlich "ein weitgehender Umstieg auf abgasfreie Antriebe wie beispielsweise Elektromotoren", so Simon. "Durch eine Elektromotorisierung bekommen auch Fahrräder zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten."

Zu dem Projekt gehörten ein kostenfreier Vor-Ort-Service zur Wartung und Reparatur sowie eine Einweisung. Simon hofft nun, dass die Test-Aktion viele Bürger dazu animiert hat, sich ein E-Bike zu kaufen und das Auto häufiger stehenzulassen.

Das ist aber nur dann attraktiv, wenn es in Eppstein auch eine geeignete Infrastruktur für E-Bikes gibt. Die existiere sehr wohl, bekräftigt der Bürgermeister auf Nachfrage. "Am Stadtbahnhof gibt es zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Elektrofahrräder. Diese haben auch eine innenliegende Lademöglichkeit." Die Anlage sei gut frequentiert, alle Plätze sind vermietet. Derzeit werde überlegt, das Angebot dort, an anderen Bahnhöfen oder etwa in der Altstadt, auf Höhe des Gottfriedplatzes, auszuweiten.

Klimaschutzkonzept ist veraltet

Eppsteins Hügel zu bezwingen, das geht seit Mai 2019 für viele auch mit einem E-Auto: Der elektrisch betriebene Dienstwagen am Rathaus I in Vockenhausen steht den Mitarbeitern der Verwaltung während der Arbeitszeiten zur Verfügung. Danach und an Wochenenden kann das Fahrzeug von Privatpersonen gemietet werden; über eine App.

E-Bikes, E-Car-Sharing, Bürgersolaranlagen, die Nutzung von regenerativem Strom, der Bau zweier Elektrotankstellen, die Eppsteiner Energietage, das Solardachkataster, regelmäßige Beratungsangebote und energetische Sanierungen öffentlicher Gebäude: Die Liste der Klimaschutzmaßnahmen in der Stadt wird in der Tat länger. Und doch gibt es Kritik - etwa am städtischen Klimaschutzkonzept, das bereits vor sieben Jahren von den Fraktionen der CDU und der Grünen ausgearbeitet worden war.

Eigentlich wäre schon längst eine Überarbeitung fällig gewesen, worauf etwa die Liberalen bereits hingewiesen haben. Die Freidemokraten kritisieren das mangelnde Tempo bei der Aktualisierung des Konzepts auch deshalb, weil das Land Projekte zum Klimaschutz nur dann fördere, wenn es ein Klimaschutzkonzept gebe und dieses nicht viel älter als fünf Jahre sei. Noch ist unklar, ob für die Neuauflage ein externes Fachbüro beauftragt wird - was angesichts der prekären Haushaltslage unwahrscheinlich ist - oder die Stadtverordneten abermals selbst aktiv werden.

Letzteres wäre auch Bürgermeister Simon wohl am liebsten. "Es dauert zwar länger, aber es gibt viele Fachmänner- und Fachfrauen in der ehrenamtlichen Politik. Andere geben dafür gut und gerne Beträge von 100 000 Euro aus." Wer das Konzept tatsächlich novellieren wird, dürfte sich aber erst in den nächsten Monaten entscheiden. Eine Deadline gibt es nicht.

Die Verwaltung sei nicht nur beim Klimaschutzkonzept eher passiv - sondern auch in puncto überörtlicher Vernetzung beim Klimaschutz. Das monierte jedenfalls die Opposition schon vor der Wahl. Demnach habe die Stadt etwa an Konferenzen der Hessischen Initiative "Klima-Kommunen" nicht teilgenommen. Auch habe sie sich nicht für eine Auszeichnung für besonderes Engagement beim Klimaschutz beworben und beteilige sich auch nicht an einer Datenbank des Landes, in der sich Kommunen über ihre Aktivitäten gegenseitig informieren. Warum eigentlich nicht? Simon kontert, dass man sich sehr wohl vernetze: Seit 2010 sei die Stadt Teil des Projekts der Landesregierung "100 Kommunen für den Klimaschutz" und habe am Programm Klimaquartier teilgenommen.

Ist die Verwaltung

zu passiv?

Man fokussiere sich jedoch eher auf Projekte, die in eigener Regie umgesetzt werden könnten wie etwa energetische Sanierungen, Solaranlagen und LED-Straßenbeleuchtung in allen Quartieren.

Die Grünen fordern zudem einen Klimaschutzmanager, der all diese Maßnahmen koordinieren könnte und wie es ihn in anderen Kommunen, etwa in Flörsheim, Eschborn und jetzt auch in Kelkheim, bereits gibt. Das Bundesumweltministerium bezuschusst die Stelle, die zunächst auf zwei Jahre befristet ist, sogar mit 90 000 Euro. Simon findet das zwar "interessant" und will darüber "intensiv nachdenken." Er verweist aber darauf, dass man bereits "auf der Fachebene gut vernetzt" sei. Es klingt nicht so, als werde es in Eppstein bald auch einen Klimaschutzmanager geben.

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