Prozess um Internetbetrug

Eppstein: Von der Richterin gab es die allerletzte Warnung

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Schmuck, Uhren und ein Goldbarren: Ein 28 Jahre alter Eppsteiner verkaufte für 4500 Euro Waren im Internet. Doch seine Kunden warteten auf die Lieferungen vergeblich. Nun hat das Königsteiner Amtsgericht den Betrüger verurteilt. Die Richterin fand deutliche Worte für den Angeklagten.

VON ALEXANDER SCHNEIDER

Eppstein/Königstein -Betrug kann teuer werden. Für den Betrogenen, klar. Wird er erwischt, aber auch für den Betrüger. Betrügt der "nur" ab und zu, liegt für das Gericht "einfacher Betrug" (§ 263 StGB) vor. Dafür gibt es eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Wer allerdings gewerbsmäßig betrügt, um sich eine illegale Einnahmequelle zu erschließen und damit ganz oder teilweise seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, kommt nicht so billig davon: Vorgesehen sind dafür Strafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Bei einem 28-jährigen Eppsteiner war das nach Überzeugung des Königsteiner Amtsgerichts der Fall. Siebenmal hatte er zwischen Juli 2019 und Januar 2020 einschlägige Internetportale zur virtuellen Ladentheke gemacht, die aber nur in eine Richtung funktionierten: in seine. Entstanden ist ein Schaden von 4500 Euro. Der Mann hatte über diverse Online-Plattformen Ware zum Schnäppchenpreis offeriert. Er musste dann nur noch warten, bis die Kunden angebissen und den aufgerufenen Kaufpreis überwiesen hatten.

Zur Post ging er danach nicht, denn er hatte nie vor, das verkaufte Gut zu verschicken. Wenn er es denn überhaupt besessen hat. Dass etwa Elektronikartikel, zum Beispiel teure Handys, mehrmals verkauft werden, ohne überhaupt zu existieren, ist leider unter Betrügern üblich.

Ob der Angeklagte die angebotenen Waren in seinem Besitz hatte, wollte das Gericht aber gar nicht so genau wissen, saß der Angeklagte doch ohnehin schon geständig und augenscheinlich voller Reue neben seiner Verteidigerin auf der Anklagebank. Elf Monate Haft auf Bewährung werden unter dem schriftlichen Urteil stehen, außerdem die Auflage, die ergaunerten Beträge an die Geschädigten zurückzuzahlen.

Kunden warteten auf

die Ware vergeblich

Das teuerste Angebot ging gleich zu Beginn der Betrugsserie über den elektronischen Ladentisch, ein Armband aus angeblich internationalem Schmuckadel für 2650 Euro. Er nahm das Geld auf seinem Konto in Empfang, verschickte die Ware aber nicht. Deutlich günstiger war am 20. August 2019 ein Drucker. Am 6. Oktober 2019 und am 20. Januar 2020 waren Uhren für 350 und 380 Euro im Angebot. Vermeintlicher Edelmetallbestände wollte sich der Mann in drei weiteren Fällen gegen "kleines Geld" entledigen. Immer wieder bot er den Goldbarren, wenn er ihn denn überhaupt besessen hat, seiner Internetkundschaft als günstige Wertanlage an. Offenbar stets den Goldpreisindex im Blick, verlangte er gewissermaßen Tagespreise. Der Barren war mal günstiger, dann wieder etwas teurer, je nach Marktlage . . .

Die Strafe für diese dreisten Betrügereien entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft und den Erwartungen der Verteidigerin. Anklage, Verteidigung und auch der Angeklagte erklärten noch im Gerichtssaal Rechtsmittelverzicht. Das Urteil ist damit rechtskräftig und erhöht die Zahl der teils einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten von 12 auf 13.

Wer so dreist andere Menschen übers Ohr haue, brauche schon ein gewisses Maß an krimineller Energie, las die Richterin dem zerknirscht wirkenden Angeklagten die Leviten. Bei dem Mann war aber weniger der Wunsch nach einem Leben in Saus und Braus der Antrieb, um zu betrügen. Er sagte, er habe 100 000 Euro Schulden, zum Teil durch aufgelaufene Säumigkeit nach diversen Geldstrafen.

Die Ansage der Richterin, dass es beim nächsten Mal ganz sicher keine Bewährung mehr gebe und dass diese beim kleinsten Fehltritt während der dreijährigen Bewährungszeit widerrufen werde, kam beim Angeklagten offensichtlich an. Er sei bereits auf den Weg der Tugend eingebogen und habe sich sogar selbstständig gemacht, beteuert er. Ins Gefängnis wolle er auf gar keinen Fall. Denn da kenne er sich ja bereits aus.

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