Zum dritten Mal in Folge

Eppstein wächst und wächst

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Zum dritten Mal in Folge verzeichnet Eppstein eine steigende Einwohnerzahl. Bürgermeister Alexander Simon möchte erreichen, dass dies in den nächsten Jahren so weitergeht.

Auf diese Diskussion kann man nur gespannt sein. Der gesamte Hang unterhalb der Freiherr-vom-Stein-Schule, entlang der Bergstraße, ist seit den 1960er Jahren weitgehend mit Einfamilienhäusern auf recht großen Grundstücken bebaut. An dem Gebietscharakter soll sich nichts ändern, aber die Stadt will durch eine Überarbeitung des Bebauungsplanes schon einige neue Wohnungen möglich machen. Es wird, wie das in solchen Fällen immer ist, die einen geben, die sich gegen jede Änderung sperren, und auch die anderen, denen die neuen Möglichkeiten längst nicht ausreichen.

Für Bürgermeister Alexander Simon ist dieser Konflikt kein Grund, die ins Auge gefasste Überarbeitung des Bebauungsplanes bleiben zu lassen. Denn der Wohnraum-Druck erreicht nach und nach auch die Burgstadt, neue Wohnungen müssen her. Neue Baugebiete im Außenbereich aber sind wegen der Topographie und aus Gründen des Naturschutzes kaum möglich – es bleiben die Nachverdichtung bebauter Gebiete, die Schließung von Baulücken und am Ortsrand der Burgstadt mit ihren Stadtteilen allenfalls Arrondierungen der Bebauungsgrenze.

Nach Einschätzung des Bürgermeisters hat die Kombination dieser Möglichkeiten Erfolge gebracht. Nachdem die Einwohnerzahlen zuvor gesunken waren, verzeichnet Eppstein seit drei Jahren wieder eine wachsende Bevölkerung. 13 774 Personen waren zum Jahreswechsel in der Burgstadt gemeldet, das sind 55 mehr als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Jahresende 2013 macht der Zuwachs 411 Personen aus.

In Eppstein wird diese Entwicklung durch alle Parteien hinweg positiv gesehen. Erstens verspricht sich die Politik durch zusätzliche Einwohner auch zusätzliche Steuereinnahmen, und das ist ein wichtiges Argument im chronisch klammen Eppstein. Zweitens ist klar, dass es mit rückläufiger Einwohnerzahl in der Kommune immer uninteressanter wurde, etwa ein Geschäft zu betreiben. Bei der öffentlichen Infrastruktur gibt es einen anderen Effekt: Je weniger Einwohner von den Stadtwerken Wasser kaufen, umso teurer wird es, weil die gesamten Anlagen trotzdem unterhalten werden müssen.

Insofern ist Bürgermeister Simon froh über den leichten Trend nach oben. Beim Blick in die Details der Statistik, etwa in den Stadtteilen, gibt es schon Schwankungen: Plötzlich sind es in einem Ort von einem Monat zum nächsten ein Dutzend Einwohner mehr oder weniger. Interpretationsfähig ist das nicht, wenn sich einmal zufällig Leerstände häufen, dann passiert so etwas schnell.

Auch Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind aus Simons Sicht eher Momentaufnahmen, die er vernachlässigen kann, so lange die Gesamtrichtung stimmt. Bemerkenswerterweise ist in Niederjosbach nach dem großen Wachstum durch das Neubaugebiet „Hollergewann“ im vergangenen Jahr die Einwohnerzahl um 2 auf 1938 gesunken; in Vockenhausen kam es zu einem Rückgang um 4 Einwohner auf 3700. Alt-Eppstein wuchs um 5 auf 2426, Ehlhalten um 24 auf 1210, Bremthal um 32 auf 4500 Einwohner.

Für Rathauschef Simon ist der drei Jahre dauernde Anstieg der Erfolg einer zielgerichteten Politik. Ein Baulückenkataster hilft, noch freie Bauplätze zu bebauen, und an vielen Stellen im Stadtgebiet wurde mit kleinen Vorhaben, manchmal nur drei oder vier Bauplätze groß, Wohnraum geschaffen. Simon: „Politisch ist das vielfach umstritten gewesen, aber heute gibt uns der Erfolg recht.“

Deshalb möchte er diese Linie auch fortsetzen. Große Baugebiete nach dem Vorbild des „Hollergewann“ in Niederjosbach stehen nicht auf der Tagesordnung. 14 Doppelhaushälften in den Amtmannswiesen können in absehbarer Zeit bezogen werden, dann folgen 33 Bauplätze auf dem Bienroth, das jetzt auch juristisch nicht mehr bekämpft wird. Ideen gibt es noch für Flächen in Bremthal und Ehlhalten, aber da lassen sich Zeitpunkte noch gar nicht nennen.

Schneller zum Zuge kommt die Stadt ohnehin mit der Nachverdichtung bestehender Baugebiete. Den einen oder anderen Bebauungsplan hat die Verwaltung schon überarbeitet, jetzt ist der Hang am Vockenhausener Schulzentrum an der Reihe. Im Rathaus laufen die Vorbereitungen, aber ein formeller Aufstellungsbeschluss ist noch nicht gefallen. „Das ist ein großer Plan, mehr als halb Vockenhausen“, macht Simon die Dimension deutlich. Er betont, dass es nicht darum geht, Mehrfamilienhäuser an den Hang zu bauen. Aber es gab durchaus Anfragen aus den Reihen der Hauseigentümer, die gerne mehr Wohnraum schaffen würden – bislang musste zumeist abgesagt werden.

Und dann steht noch die Debatte über die Fortschreibung des

Flächennutzungsplan

es an. Momentan werte die Verwaltung die Vorschläge der Parteien aus, berichtet Simon. Gegen Ende des Jahres werde voraussichtlich auch öffentlich darüber gesprochen. Nur warnt er vor der Idee, es könnten sich dabei große Neubaugebiete ergeben – zur Strategie der kleinen Schritte gibt es offenbar auch längerfristig keine Alternative.

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