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Die illegalen Rampen am Hammersberg.

Freizeit und Naturschutz:

Eppstein: Wilde Radler vertreiben wilde Tiere

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Illegale Mountainbike-Strecken werden nun gesperrt.

Eppstein -Vor fast zehn Jahren hatte die Stadt einmal den Versuch unternommen, den Trend zum Mountainbike positiv für sich zu nutzen. Ein "Nordic-Walking und Mountain-Bike-Park" könne, wie es damals in einem Antrag der CDU hieß, "eine weitere Attraktion für den Natursport in Eppstein" schaffen. Der Antrag wurde beschlossen, aus der Idee wurde aber nichts. Dass eine legale Möglichkeit für die Mountainbiker, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit talwärts zu rasen, das aktuelle Problem lösen würde, daran haben Bürgermeister Alexander Simon und Revierförster Peter Lepke so ihre Zweifel. Böte eine solche Piste Extremsportlern genug Abwechslung? Wäre sie wirklich eine sportliche Herausforderung? Wäre es ihnen dort einfach nicht zu voll, wenn am Wochenende Radler aus der ganzen Umgebung kommen?

Antworten sind spekulativ. Fakt ist dagegen, zumindest nach Darstellung des Landesbetriebes Hessen Forst, dass rund um Eppstein in den vergangenen Monaten vermehrt illegale Strecken angelegt wurden. Am Staufen und am Judenkopf wurden sie gefunden, neuerdings wurde eine größere Piste am Hammersberg zwischen Ehlhalten und Niederjosbach entdeckt. Es handele sich um ein abgelegenes Gebiet, abseits der befestigten Wege, so Lepke. Eine Privatperson habe den Hinweis auf die Strecke gegeben. Sprungschanzen und Steilkurven wurden gebaut, Bretter an Bäume genagelt. Der Strecke sei anzusehen, dass sie rege genutzt werde.

Das Problem: Die Strecken, sagt Lepke, "führen quer durch die Jungbestände, über Freiflächen, wo kleine Bäume nach den Sturmschäden wieder wachsen, und über Felsen und Dickichte, in denen Wildtiere Schutz suchen". Ob das übertrieben ist? "Werden Straßen und Wege verlassen, wird das Wild in die letzten abgelegenen Ruhezonen vertrieben", heißt es von der DIMB. "Dort wird dann die Vegetation durch starken Verbiss geschädigt." Die DIMB ist die Deutsche Initiative Mountainbike. In der Szene ist man sich, zumindest teilweise, der Problematik also bewusst. "Werden Bäume gefällt, vernagelt oder das Wurzelwerk beschädigt, nimmt die Pflanzenwelt weiteren Schaden", heißt es. "Werden nicht genehmigte Strecken abgerissen und an anderer Stelle neu gebaut, dreht sich die Spirale zu Lasten der Natur immer weiter."

Offizielle Piste unterhalb vom Feldberg

Hessen Forst ist deshalb sofort aktiv geworden. Zunächst werden Schilder aufgestellt, auch im Wissen, dass es manche nicht interessiert, wenn sie Verbotenes tun. Deshalb wird die Einfahrt der Strecken versperrt, und im weiteren Verlauf wird die Durchfahrt mit Kronenholz und Ästen möglichst erschwert. "Es ist die Uneinsichtigkeit Einzelner, die so aufwendige Maßnahmen notwendig machen, und das zu Lasten der Allgemeinheit", so Hubertus Behler-Stander, Stellvertretender Leiter des zuständigen Forstamtes Königstein. Die Förster weisen auch darauf hin, dass es ausgesuchte und mit den Biker-Vereinen ausgewiesene Strecken im Wald gibt. Die von Eppstein aus nächstgelegene Piste beginnt am Parkplatz Windeck unterhalb des Feldberges und führt bis Oberursel. Die Erfahrung zeige, dass durch solche Strecken manche nicht abgehalten werden, durch den Wald zu fahren, so Lepke.

"Für manche wird es ja auch erst spannend, wenn es ein bisschen gefährlich ist", vermutet Bürgermeister Simon. Überlegungen, in Eppstein eine legale Strecke zu schaffen, wurden aufgegeben. Auch die Jagdpächter hätten zurückhaltend reagiert, berichtet Simon. Sie haben kein Interesse an immer mehr Betrieb im Wald.

Stillschweigend dulden kann die Stadt die Strecken nicht. Die DIMB betont, dass der Waldeigentümer für Schäden haftet. Nicht auszuschließen ist, dass sich dies auch auf gesundheitliche Schäden erstreckt, die durch Unfälle auf einer solchen Strecke entstehen. Lepke würde, wenn er die illegalen Radler erwischt, zunächst das Gespräch suchen. Am Ende drohen Strafen - wer illegal einen Weg im Wald anlegt, muss mit einer Geldbuße von bis zu 25 000 Euro rechnen. manfred becht

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