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Das sieht nicht schön aus. Im Bereich Eppenhainer Weg / Am Bienroth wurden 50 Bäume gefällt, ohne dass dafür eine Genehmigung vorlag.

Keine Rodungsgenehmigung

Schock in Eppstein: 50 Bäume illegal gefällt

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Am Eppenhainer Weg in Vockenhausen ist ein Waldstück ohne Genehmigung abgeholzt worden. Für den Investor, der dort bauen will, hat das ein Nachspiel.

Eppstein - Wenn irgendwo Bäume fallen, gibt es oft Aufregung. Oft genug ist es bedauerlich, wenn der Wald verschwindet, aber rechtlich nicht zu beanstanden. Anders liegen die Dinge am Eppenhainer Weg in Vockenhausen: Dort wurden etwa 50 Bäume ohne Genehmigung gefällt. Das gibt Ärger.

Naturschutzrechtlich sei die Aktion in Ordnung, wie der Main-Taunus-Kreis diese Zeitung auf Anfrage wissen lässt. Nach einer Ortsbesichtigung kam man zu der Einschätzung, dass keine Tiere gefährdet worden seien, da die Brutzeit noch nicht begonnen habe.

Ausgleichsmaßnahmen für illegal gefällte Bäume?

Artenschutzrechtlich liegen die Dinge wieder anders. Unter diesem Gesichtspunkt müsse der Vorgang geprüft werden, „da für das zerstörte Gehölz möglicherweise Ausgleichsmaßnahmen nötig sind,“ so Johannes Latsch, Pressesprecher des Main-Taunus-Kreises.

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Genau diese Frage ist in einem Eppsteiner Internetforum aufgeworfen worden. Es müsse Ausgleichsmaßnahmen geben, sonst wäre da nichts genehmigt worden, schlussfolgert ein Nutzer. Sein Irrtum: Es ist gar nichts genehmigt worden. Ein Bauantrag sei noch nicht eingegangen, lässt der Main-Taunus-Kreis wissen. Das ist aber auch kein Drama, es würde ja auch noch nicht gebaut.

Was notwendig gewesen wäre, ist eine Rodungsgenehmigung. Doch auch diese hat es nicht gegeben, so Hubertus Behler-Sander vom zuständigen Forstamt Königstein. Dass es einen Bebauungsplan für das Gebiet gibt, der es auch zulässt, dort Häuser zu bauen, ändert nichts daran, dass es sich bei den Grundstücken auch im rechtlichen Sinne um Wald handelte. 

Rodungsarbeiten abgebrochen: Mitarbeiter verlassen fluchtartig das Gelände

Deshalb, so berichtet Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon, habe die Stadt bei der Neuaufstellung des Bebauungsplans für das Quartier nebenan genau diese Fläche aus dem Geltungsbereich wieder herausgenommen. Sonst wäre möglicherweise eine Walderhaltungsabgabe fällig geworden. Die Stadt hat aber kein Interesse daran, die Kosten für den Bebauungsplan weiter in die Höhe zu treiben. Damit gilt der alte Plan, der Mitte der 1960er Jahre aufgestellt wurde und der acht bis zwölf Baufenster vorsieht.

Was passiert nun? Die mit den Rodungsarbeiten beauftragte Firma hat die Arbeiten offenbar urplötzlich abgebrochen und sogar noch Gerätschaften auf dem Gelände zurückgelassen. Nach den Worten von Behler-Sander ist nun das Regierungspräsidiums mit der Angelegenheit befasst, die Behörde kann ein Bußgeld verhängen. 

Kein Bußgeldkatalog für illegale Rodungsarbeiten in Hessen

Einen Bußgeldkatalog gibt es in Hessen im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht, die Spannbreite in den anderen Bundesländern ist beträchtlich. Man kann aber vermuten, dass der Investor glimpflich davon kommt, denn da dort gebaut werden kann, hätte er die Rodungsgenehmigung durchaus bekommen können. Darum bemühen wird er sich schon noch müssen. Vor zwei Jahren hat das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz entschieden, dass es eine Baugenehmigung ohne Rodungsgenehmigung auch dann nicht geben kann, wenn alle Bäume schon gefällt sind. Ob ein hessisches Gericht anders entscheidet, wäre dann die Frage. Teuer werden könnte es auch, wenn noch Ausgleichsmaßnahmen zu bezahlen sind.

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