Er ist immer noch da, wenn Bürger den Notruf 112 wählen: Lothar Racky war fast 25 Jahre Wehrführer in Ehlhalten, jetzt hat er in dieser Funktion aufgehört, bleibt aber aktiver Feuerwehrmann,.
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Er ist immer noch da, wenn Bürger den Notruf 112 wählen: Lothar Racky war fast 25 Jahre Wehrführer in Ehlhalten, jetzt hat er in dieser Funktion aufgehört, bleibt aber aktiver Feuerwehrmann,.

Er ist "nur" noch einfacher Feuerwehrmann

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Lothar Racky gibt nach fast 25 Jahren seinen Posten als Wehrführer in Ehlhalten ab. Hier berichtet er, wie er die Zeit erlebte.

Ehlhalten -Es geht noch immer ruckzuck. In wenigen Sekunden ist Lothar Racky in seine Feuerwehr-Kleidung geschlüpft, steht in Stiefel, Jacke, Hose und mit Helm bereit. Allerdings ist an diesem Abend zum Glück kein Einsatz, vielmehr muss der 56-Jährige nur für ein Zeitungsfoto ausrücken. Aus gutem Grund: Racky war fast ein Vierteljahrhundert Wehrführer in Eppsteins kleinstem Stadtteil, hat die Brandschützer in dieser Zeit geprägt und den Posten zuletzt bei der Mitgliederversammlung an Peter Schmitt abgegeben. Der Nachfolger war schon gut drei Jahre sein Stellvertreter, zuvor hatte Axel Ernst den Chef mehr als 20 Jahre begleitet. Ernst wiederum hat Racky an der Spitze des Feuerwehrvereins beerbt. Neuer Stellvertretender Wehrführer ist nun Christoph Fernandez.

Der ehemalige Leiter der Ortsteil-Feuerwehr ist zufrieden, wenn er auf diese Personalien blickt. Für ihn selbst ist nun die Zeit gekommen, "nur" noch einfacher Feuerwehrmann zu sein. Das will sich Racky längst nicht nehmen lassen, dazu ist ihm die Feuerwehr zu wichtig. Das zeigt schon, dass er sich an die vielen Einsätze gar nicht mehr im Detail erinnern kann. Und zum Teil nicht möchte, denn es seien auch schlimme Unfälle mit Todesopfern darunter gewesen.

Er war überrascht, als er Chef werden sollte

Doch die Wehr habe trotz schwerer Momente immer zusammengehalten - ein Verdienst, das sich Racky ans Revers heften könnte. "Mit den Leuten zusammenarbeiten, das ist das A und O", betont er. Wenn es mal Probleme gab, habe sich die Truppe "immer wieder zusammengerauft". So dachte er nie an Abschied. Und zu Beginn nicht daran, diesen Posten übernehmen zu können. Nach seiner Jugendzeit wurde er bald Jugendwart, dann Stellvertretender Wehrführer. Doch als er dann für den Chefposten angesprochen wurde, habe ihn das schon überrascht, blickt er zurück.

Zwei Jahrzehnte "Vize" in der Stadt

Racky ist in die wichtige Rolle reingewachsen und hat sie noch erweitert. Zwei Jahrzehnte war er Stellvertretender Stadtbrandinspektor, vor allem an der Seite von Hans Menke. Doch die eigentliche Liebe gilt Ehlhalten. Dort wuchs er auf, dort folgte er seinem älteren Bruder Reiner zur Jugendfeuerwehr. Und dort ist er in anderen Vereinen dabei. Früher als Tischtennisspieler bei der TSG, später als Kerbeborsch und Kerbevadder, zudem als Mitglied im MSC und in der CDU. Und den Festausschuss zu 775 Jahren Ehlhalten durfte er leiten. "Ein starkes Stück Gemeinschaft" - das Motto vom "dollen Dorf", das bei dem gleichnamigen Fernsehwettbewerb 2004 fast gewonnen hätte, das hat Racky stets gelebt.

Ausflüge mit dem Borgward

Vor allem natürlich bei der Feuerwehr. Viel ist passiert in der Zeit. Den Mannschaftsraum im Gerätehaus haben die Helfer selbst umgebaut. Als ihnen von Jakob Becht ein alter Borgward gespendet wurde, restaurierten sie den Oldtimer, machten ihn zum Feuerwehrauto für Ausflüge und Hochzeiten, riefen einen kleinen Club ins Leben. "Da hat jeder mitgeholfen", freut sich Racky über diese und viele andere Aktionen. Früher gab es noch den Feuerwehr-Maskenball an Fastnacht, Feste Termine im Jahr - wenn nicht gerade Corona ist - sind weiter der Neujahrsempfang mit Ehrungen, das Schlachtfest und der Vatertagsfrühschoppen. Auch auf das Jubiläum zu 75 Jahren Feuerwehr ist Racky stolz. "Aufgrund neuer Aufgaben, die die Feuerwehr heute zu bewältigen hat, ist es unerlässlich, sich durch Lehrgänge fortzubilden. Auch bei uns in Ehlhalten wird die Ausbildung groß geschrieben", hat er in der Festschrift 2009 betont. Und angefügt: "Gut ausgebildete Führungskräfte in unseren Reihen sind ein Garant dafür, dass wir auch in Zukunft den uns gestellten Anforderungen gerecht werden. Durch eine gute Jugendarbeit in der Jugendfeuerwehr setzten wir dafür den Grundstein." Sätze, die aktueller denn je sind.

Er wünscht sich gute Jugendarbeit

Und deshalb wünscht sich Racky für die Wehr vor allem eine gute Jugendarbeit, die mit sechs jungen Kräften Luft nach oben hat. Er wird bei den Aktiven weiter mitmischen - bis 65 sei das möglich, gibt der Fan des FC Bayern München ein mögliches Ziel vor. Sein Motto "vorne raus gucken" will er weiter umsetzen - und weiß eine aktive Familie an der Seite: Ehefrau Elke hat die Aktivitäten der Wehr immer unterstützt. Sohn Marc (30) ist in der Einsatzabteilung. Die hat derzeit 26 Kräfte, darunter 3 Frauen. "Sie werden unbedingt gebraucht", wirbt Racky für weibliche Verstärkung. Er hat sein Hobby sogar zum Beruf gemacht, ist Mitglied der Betriebsfeuerwehr im Industriepark Höchst. Und hat das Ehrenamt immer geschätzt: "Es hat alles viel Spaß gemacht." wein

Mit dem Funkgerät im Einsatz: Wehrführer Lothar Racky (rechts) und sein Stellvertreter Axel Ernst vor vielen Jahren bei einer Übung. Nun wird die Ehlhaltener Feuerwehr von einem neuen Duo angeführt.

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