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Alles Gute kommt von oben: Dieses Bild zeigt die gesamte neue Anlage bei der Einweihung mit dem Bahnhofsfest.

Ehrung

Gold für den Eppsteiner Vorzeige-Bahnhof

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Gemeinsam mit Winterberg im Sauerland darf sich Eppstein als kundenfreundlichster Bahnhof in Deutschland bezeichnen. Das soll auch vermarktet werden.

Hätte sie doch besser die Bahn genommen. Das hätte auch thematisch besser gepasst. Denn Erste Stadträtin Sabine Bergold ist gestern Morgen nach Berlin gereist, um für Eppstein die Auszeichnung „Bahnhof des Jahres“ in Empfang zu nehmen. Doch bei der offiziellen Pressekonferenz des Bahnlobbyvereins „Allianz pro Schiene“ konnte sie das nicht tun, denn ihr Flieger musste auf halber Strecke wegen technischer Probleme nach Frankfurt umkehren. Und dann hieß es noch einmal lange warten im Folge-Flugzeug, um letztlich zu spät bei der Übergabe zu sein.

Sabine Bergold nimmt’s mit Humor. Die Option Bahn habe zwar an diesem Tag weniger gut gepasst – doch die Eppsteiner setzen seit Jahren voll auf die Schiene. Rund

7,5 Millionen Euro

wurden seit dem Kauf des alten Bahnhofsgebäudes, das laut Bergold schon ein Schandfleck war, in das Ensemble investiert (Info rechts). Der damalige Bürgermeister Ralf Wolter sei der erste „Visionär“ gewesen, seine Nachfolger Peter Reus und Alexander Simon haben es mit ebenso viel Herzblut vollendet, weiß Bergold. Sie habe die Entwicklung von Anfang an begleitet und sich das „nicht so vorstellen können wie es geworden ist“. Die Auszeichnung nun sei „die gerechte Belohnung“ langer Arbeit. „Es gibt ein gutes Gefühl, dass es sich gelohnt hat.“ Aus einem dunklen Fleck sei ein helles Schmuckstück geworden. Zudem sei damit die Stadtentwicklungsgesellschaft SWE entstanden.

Dass Eppstein neben Winterberg (für die größeren Städte) zum kundenfreundlichsten Bahnhof Deutschlands gewählt wurde – damit hat es sich die „Allianz pro Schiene“ nicht leicht gemacht. Laut Bergold wurden 30 Stationen unter die Lupe genommen. Dabei schaute sich die Jury aus Interessenverbänden (Radfahrer, Autoclub, Tourismusverband) Eppstein genau an und kam zu dem Urteil: Das historische Sandstein-Gebäude sei nach seiner „liebevollen Sanierung“ zur zentralen Anlaufstelle für Bürger, Ausflügler und Pendler geworden. Eppstein habe sich mit dem neugestalteten Bahnhof eine „Perle“ in der Region geschaffen. Vor allem überzeugte die Tester das vielfältige Nutzungskonzept aus Gastronomie, Tourismus und Bürgerservice. Wie Sabine Bergold weiß, habe die gute Küche in der „Wunderbar Weiten Welt“ auch ihren Anteil. „Es ist ja schließlich ein Bahnhof für Menschen.“ Und so seien die Vertreter der Lobby etwas enttäuscht gewesen, als das Lokal im Bahnhof bei einem zweiten Besuch zu hatte. Inzwischen halten am Eppsteiner Bahnhof täglich 105 Züge. Pro Tag nutzen rund 2500 Menschen den Bahnhof. Das könnte mehr werden, denn die Stadt will den Titel „Bahnhof des Jahres“ nun groß vermarkten. Auch soll es noch ein Fest zu der Auszeichnung mit Plakette geben, die natürlich ihren Ehrenplatz im Bahnhof erhält. Bürgermeister Alexander Simon, der an der Verleihung nicht teilnehmen konnte, ist stolz: Über zehn Jahre habe es gedauert, „bis aus dem wenig attraktiven, abends fast unheimlichen Ort ohne Aufenthaltsqualität ein belebter Treffpunkt und eine schmucke Visitenkarte der Stadt werden konnte“. Der Titel belohne nun „die Anstrengungen der Stadt Eppstein und wird Anreiz sein, den Stadtbahnhof auch in Zukunft als einen attraktiven Ort in unserer Stadt zu erhalten“. Das Bahnhofsfest habe seinen Platz im Terminkalender der Eppsteiner. Große Veränderungen sind am Bahnhof vorerst nicht mehr geplant. Doch Sabine Bergold hat sich in Berlin noch einmal dafür stark gemacht, „dass die Regionalbahn bei uns hält“.

Auch der Rhein-Verkehrsverbund sieht sich bestätigt: „Das Stationsentwicklungsprogramm macht Bahnhöfe wieder zu attraktiven Visitenkarten des Nahverkehrs. Das ist in Eppstein in herausragender Weise gelungen“, so Geschäftsführer Knut Ringat. Zuletzt bekamen in Hessen Marburg, Oberursel und Darmstadt den Titel. Neben Eppstein wurde Winterberg für sein recht futuristisches Konzept prämiert, das 17 Jahre brauchte. Der Titel wurde zum 15. Mal vergeben.

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