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So hat Hans-Jakob Sauer den Ritter Gottfried gesehen.

Interessante Vergangenheit

Im Herzen der Altstadt : Ein Platz für Ritter Gottfried

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Die Fläche zwischen Talkirche und Altem Rathaus hat eine interessante Vergangenheit. Ganz früher gab es hier ein Schul- und Rathaus sowie einen Friedhof. Und an frühere Zeiten soll nun auch etwas erinnern.

Mundschenk Ramon Olivella serviert ein Glas vom Jubiläumswein. Die Tochter von Bürgermeister Alexander Simon macht erste zaghafte Gehversuche. Jeden Freitag gibt es hier Einkäufe und angeregte Gespräche beim Wein auf dem Wochenmarkt. Der Platz vor dem alten Rathaus, in dem längst die Eppsteiner Zeitung und seit kurzem die „Weinpresse“ ihr Zuhause haben, ist beliebt bei den Eppsteinern. Doch Simon weiß: Es ist zwar ein schöner Treffpunkt, aber einer ohne Namen. Mancher nenne ihn „Platz vor der Talkirche“, andere sagen „da, wo der Wochenmarkt stattfindet“. Eine offizielle Bezeichnung aber fehlte. Das hat sich nun geändert. Am Donnerstagnachmittag hat die Stadt der Fläche offiziell den Titel „Gottfried-Platz“ verliehen.

Das passt ins Jubiläumsjahr, denn vor 700 Jahren hat Eppstein die Stadtrechte verliehen bekommen. Wer hat dafür gekämpft? Natürlich ein Gottfried, genauer gesagt der Vierte. Unter ihm erhielt Eppstein 1318 als erster Ort im jetzigen Main-Taunus-Kreis die Stadtrechte. Weil er ihm treu diente, bat Gottfried den damaligen römisch-deutschen König und späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Ludwig dem Bayern, um die Stadtrechte für Eppstein. Die Urkunde wurde am 30. November 1318 in Oppenheim ausgestellt. Nach Frankfurter Vorbild wurden damit die Leibeigenen unter den 120 Einwohnern der Stadt persönlich frei. Außerdem durften in Eppstein nun Befestigungen errichtet und ein Wochenmarkt abgehalten werden.

Doch der neue Platz ist allen sieben Gottfrieds in der Geschichte der Burgherren gewidmet – allen voran Gottfried VII., unter dem die Herrschaft ihre Blütezeit erlebt. Er steht stellvertretend für die stadtprägenden Persönlichkeiten, ein Teil seiner Geschichte wird auf der neuen Info-Tafel von Museumsleiterin Monika Rohde-Reith erzählt. Schon im 12. Jahrhundert stand hier eine kleine Kapelle. Sie wurde um 1430 durch die Talkirche ersetzt, die weiter östlich entstand. Gottfried VII. hat den Bau gefördert und liegt auch hier begraben. Unter ihm erreichte die Herrschaft Eppstein die Blüte ihrer Macht und Ausdehnung. Bis in den Vorspessart, in den nördlichen Odenwald, in die Wetterau und an die Lahn reichten die Besitztümer.

Schon in dieser Zeit wird der Platz auch weltlich erwähnt: Es soll eine Art Kaufhalle gestanden haben, mit einem Raum für den Stadtrat. Fakt ist, dass später vorn an der Straße das Schul- und Rathaus stand. Es wurde 1767 im barocken Stil gebaut, hatte ein offenes Erdgeschoss und wurde später im klassizistischen Stil überformt. Bis zu seinem Abriss 1972 bestimmte es hier das Bild des Stadt und des heutigen Gottfried-Platzes. Rechts davon hatte die Fläche ebenfalls ein anderes Gesicht: Denn die Talkirche, vor der Reformation noch katholische Laurentius-Kirche, war mit einem Kirchhof eingefriedet. Hier war bis 1591 der Friedhof.

Das heutige Bild wird geprägt vom barocken Alten Rathaus, das 1902 entstand und möglicherweise auch den Standort älterer Rathäuser markiert. Es wurde vor einigen Jahren saniert. Wichtigste Veränderung in jüngster Vergangenheit war die Rettung und Verlegung des Wochenmarktes vom Wernerplatz auf den Gottfried-Platz. Der Markt stand nach dem Rückzug der Veranstalter vor dem Aus, die Stadt nahm das Heft selbst in die Hand – und seitdem laufen die Geschäfte wieder gut. Durch Aktionen wie Weinverkauf und Präsentationen von Vereinen ist der Markt auch freitags ab 14 Uhr zum Treffpunkt geworden. Und nun wissen auch alle genau, wo sie sich treffen.

Am Wochenende ist Ritterfest

Nach der Einweihung des Gottfried-Platzes steht am Wochenende auf der Burg das Ritterfest „Mit Fug und Recht“ im Rahmen der „700 Jahre Stadtrechte“ auf dem Programm. Gefeiert wird am Samstag, 25. August, von 11 bis 18:30 Uhr, und am Sonntag, 26. August, von 10 bis 17 Uhr. Der Burgverein will das Mittelalter präsentieren – mit Handwerk, Belagerung und Kampf, Szenen aus dem Leben, Spiel, Musik und Tanz.

(wein)

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