Thermografiemessung mit der Wärmebildkamera: Lutz Soellner (links) erklärt Gerhard Holzapfel von der Hausverwaltung, wie?s geht.
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Thermografiemessung mit der Wärmebildkamera: Lutz Soellner (links) erklärt Gerhard Holzapfel von der Hausverwaltung, wie?s geht.

Energiesparen am Haus

Kamera deckt schonungslos auf, wo Wärme entweicht

  • VonManfred Becht
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Energiesparen am Haus ist ein kompliziertes Thema. Sinnvoller erster Schritt kann eine thermografische Untersuchung sein.

Ein Heizkörper direkt hinter den bodentiefen Fensterscheiben – das kann eigentlich nicht gut sein, wenigstens unter dem Gesichtspunkt einer effektiven Nutzung der Energie. Deshalb wurde es vor einer Weile verboten, aber wer eine solche Konstruktion im Haus hat, muss sie nicht gleich beseitigen. An dem Mehrfamilienhaus an der Vockenhäuser Hauptstraße beispielsweise kann der Betrachter noch von der Straße aus die Heizkörper gut erkennen.

Haken: Fensteranschlüsse

Vieles, was unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung problematisch ist, ist dagegen nicht auf den ersten Blick zu sehen. Ungenügende oder marode Fensteranschlüsse gehören dazu. Heizenergie kann dabei in großem Umfang verloren gehen. Der Frankfurter Lutz Soellner aber ist einer, dem solche Schwachstellen nicht entgehen. Er ist Thermograf und nimmt Wohngebäude mit einer Wärmebildkamera unter die Lupe. Und die ist gnadenlos: Je dunkler das Rot auf dem Bildschirm, je mehr Wärme entweicht.

Gestern kümmerte er sich um das Objekt an der Hauptstraße. Der Hausverwalter hatte die Untersuchung bei einem Aktionstag der Stadt Hofheim mit der Mainova gewonnen. Das ist ein wertvoller Preis – die Thermografie kostet bei einem Einfamilienhaus 300 bis 500 Euro, bei größeren Gebäuden deutlich mehr. Der Hausherr bekommt dafür von Soellner einen Bericht samt Fotos und Hinweisen, welche Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sein könnten.

Was sich auch finanziell lohnt, das lässt sich so einfach nicht ermitteln. Das hängt von der Art der eingebauten Heizung ab, von den Nutzungsgewohnheiten der Bewohner, von den Investitionskosten. Es werden ganz viele Dämmstoffe zu sehr unterschiedlichen Kosten angeboten. Wer Derartiges ins Auge fasst, sollte sich alles von einem Energieberater durchrechnen lassen, Adressen gibt es etwa beim Energieberatungszentrum des Main-Taunus-Kreises in Hattersheim.

„Wichtig ist, das ganze Haus als komplettes System zu sehen“, sagt Thermograf Soellner. Wechselt man beispielsweise nur die Fenster aus, besteht die Gefahr, dass Luftfeuchtigkeit an kalten Stellen der Innenwände kondensiert und dies unweigerlich zu Schimmelbildung führt.

Ein erster Schritt

Die Thermografie als erster Schritt ist eine umkomplizierte Sache – kalt genug sein muss es draußen, sonst erkennt das System keine Temperaturunterschiede. Außerdem sollen alle Räume gut geheizt und die Fenster natürlich geschlossen sein. Das System hat aber seine Grenzen: Undichtigkeiten an den Dächern erkennt es nicht, weil es hinter den Ziegeln zumeist eine Luftschicht gibt, die Temperaturunterschiede versteckt. Nicht zu erkennen ist auch, ob eine Dämmung der Kellerdecke sinnvoll ist. Mit anderen Worten: Wer sein Haus schön warm verpacken will, braucht mehrere Experten – der Thermograf kann durchaus der erste sein.

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