30-Jähriger kommt Rauswurf bei Brandschützern zuvor

Kameraden geschockt: Feuerwehrmann ist der Brandstifter

  • Frank Weiner
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Die Stadt will das Thema „nicht verharmlosen“ und in den Reihen der Brandschützer "offensiv ansprechen". Gerade auch die Kinder und Jugendlichen wurden mit einbezogen.

Es ist der Fall eingetreten, vor dem jedem engagierten Feuerwehrmann graut: Der Kamerad, der neben ihm am Schlauch steht und hilft, viele Brände zu löschen – er hat in der Burgstadt selbst mindestens zehn Feuer gelegt. Dass der Eppsteiner Brandstifter ein Feuerwehrmann war, das hat gestern Bürgermeister Alexander Simon, oberster Dienstherr der Brandschützer, dem Kreisblatt bestätigt. „Es ist schockierend“, sagt er – das treffe aktuell die Gemütslage der Eppsteiner Kameraden, die zu dieser Sache in der Zeitung nichts sagen möchten.

Umso offener geht Simon mit diesem heiklen Thema, das bundesweit immer mal wieder für Schlagzeilen sorgt (siehe Text rechts), um. Die Stadt habe sofort die notwendigen Schritte eingeleitet, um den 30 Jahre alten Eppsteiner aus der Feuerwehr auszuschließen – doch der Brandleger sei seinem Aus durch den freiwilligen Abschied zuvorgekommen. Der Kodex der Feuerwehr – „Wenn man unsere Arbeit braucht sind wir zur Stelle. Wir helfen Menschen und Tieren, die unsere Hilfe brauchen“, heißt es da zum Beispiel – sei verletzt worden, der Kollege daher nicht mehr tragbar. Denn weiterhin heißt es in diesen Leitsätzen: „Wir dulden niemanden unter uns, der aus Geltungs- oder Zerstörungssucht Feuer legt.“

Wie genau indes die Motivlage bei dem Eppsteiner ist, dazu gibt es keine Auskünfte. Auch die Polizei geht sehr zurückhaltend mit dem Thema um – „zum Schutz der Privatsphäre“ des Mannes, der die Taten bereits vergangenen Donnerstag gestanden hat, wie Sprecher Michael Greulich betont. Auch sei es ein „laufendes Ermittlungsverfahren“. Berichtet hatte die Polizei aber bereits, dass der Eppsteiner gestanden hat, insgesamt zehn Brände zwischen Juli 2015 und Dezember 2016 in der Burgstadt gelegt zu haben. Dabei handelte es sich meist um brennende Mülltonnen in Vockenhausen. Zudem gab der 30-Jährige die beiden Mülltonnen-Feuer in Bremthal im Dezember auf einem Parkdeck und direkt am Gebäude der Kita „Vogelgesang“ zu. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und hofft, dass die Eppsteiner Brandserie mit einem Sachschaden von mehreren Zehntausend Euro damit beendet ist.

Hattersheimer Fall

Für die Feuerwehrleute und die Stadt ist die Sache nicht ausgestanden. Das Thema sei „aufgearbeitet“ worden, betont Simon. Gerade auch in den Jugend- und Kinderfeuerwehren sei es „offensiv angesprochen“ worden. Im Nachwuchsbereich sei der Brandleger allerdings nie tätig gewesen. Simon hebt außerdem den intensiven Austausch mit der Polizei hervor.

„Man muss die Sache angehen, das ist völlig inakzeptabel“, fasst der oberste Feuerwehrchef Eppsteins zusammen. „Man darf es nicht verharmlosen.“ Auf der anderen Seite sollen die Gespräche der Eppsteiner Feuerwehr helfen, auch wieder zum Alltag zurückzufinden – denn an ihrer wichtigen Aufgabe für die Bürger ändert der Fall nichts. Insgesamt hat die Eppsteiner Feuerwehr rund 210 Aktive in den Einsatzabteilungen.

Einen ähnlichen Fall hatten vor 17 Jahren die Hattersheimer Brandschützer zu verkraften. Damals hatte ein 23 Jahre alter Feuerwehrmann gestanden, von Mai 1999 bis März 2000 unter anderem die Lagerhalle eines Lebensmittelsupermarkts, mehrere Schuppen und Gartenhütten sowie fünf Kajütboote in Brand gesteckt zu haben.

Gezittert hatten vor knapp zwei Jahren außerdem die Kelkheimer Feuerwehrleute. Dort wurden bei einer Serie fast 30 Brandstiftungen registriert. Einen Täter hat die Polizei nicht gefasst, aber einen verdächtigen Personenkreis ins Visier genommen. Damals hatte die Feuerwehr ebenfalls Befürchtungen, es könnte ein Kamerad aus den eigenen Reihen sein. Im Kreisblatt-Interview hatte sich Stadtbrandinspektor Alexander Kolata damals ausführlich und offen dazu geäußert. „Man kann da nix tun. Ich kann nicht anfangen, in der Kelkheimer Wehr 200 Kleindetektive auszubilden. Die Angst schwingt mit, dass es einer aus den eigenen Reihen sein könnte“, sagte er. Für die Eppsteiner Feuerwehr ist diese Sorge seit wenigen Tagen nun traurige Gewissheit geworden . . .

(wein)

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