Claudia Piontke (von links), Jan Hoffmann vom beauftragten Architektenbüro Dreier, Bürgermeister Alexander Simon sowie Peter Arnold vor dem Neufvilleturm.
+
Claudia Piontke (von links), Jan Hoffmann vom beauftragten Architektenbüro Dreier, Bürgermeister Alexander Simon sowie Peter Arnold vor dem Neufvilleturm.

Eppsteiner Kulturdenkmal

Kein Goldschatz im Neufvilleturm

  • Christine Sieberhagen
    vonChristine Sieberhagen
    schließen

Aufräumarbeiten legen den Grundstein für die Renovierung

Eppstein -Alte Gebäude bergen viele Geheimnisse. Manchmal sogar einen Schatz. Einen solchen haben die eifrigen Helfer, die vor kurzem mit den Aufräumarbeiten im Neufville-Turm begonnen haben, zwar nicht gefunden. Einen geheimen Raum haben sie trotzdem entdeckt - was sich dort verbarg, zeigten Peter Arnold und Claudia Piontke vom Verschönerungsverein Eppstein (VVE) sowie Bürgermeister Alexander Simon gestern bei einem Pressegespräch.

Schäden sind doch nicht so schlimm wie angenommen

Wie sieht die aktuelle Lage in Sachen Renovierung aus und was soll passieren, um den trutzigen Turm - bis vor vier Jahren ein beliebtes Ausflugslokal - aus dem Dornröschenschlaf zu wecken? Das ist die Kernaufgabe der Ende vergangenen Jahres gegründeten Neufville-Turm-Stiftung. Sie kümmert sich darum, das historische Gebäudeensemble fit für die Zukunft zu machen. Seit Jahren haben Politik und Bürger darüber nachgedacht, wie sie das Kulturdenkmal, das der Frankfurter Bankier Alfred de Neufville 1894 errichten ließ, wieder zum Leben erwecken. Vor gut einem Jahr hatten der Magistrat und der Verschönerungsverein Eppstein (VVE) angekündigt, die gemeinsame Stiftung auf den Weg zu bringen, um den Erhalt und die notwendige Sanierung des Kulturdenkmals zu sichern. Das Stadtparlament stimmte dem Beschlussvorschlag im April zu. Bürgermeister Alexander Simon und die Vorsitzende des VVE, Claudia Piontke, waren "von Amts wegen" für den Stiftungsrat gesetzt. Die vier weiteren vom Magistrat benannten Mitglieder sind Hansjörg Patzschke, Helga Mertens, Peter Arnold und der ehemalige Bürgermeister Ralf Wolter.

Um ein Konzept zu entwickeln, musste zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Baugutachter und Architekten haben das denkmalgeschützte Gebäudeensemble untersucht. Und da gab es eine Überraschung - und zwar eine positive: "Die Schäden sind nicht so schlimm, wie wir befürchtet haben", fasst VVE-Vorsitzende Claudia Piontke das Ergebnis kurz zusammen. Jan Hoffmann vom beauftragten Architektenbüro Dreier aus Brechen nennt die Details: "Das Dach sowie der Keller weisen zwar Feuchtigkeit auf, aber das hält sich alles im Rahmen. Von ein paar Rissen abgesehen, ist auch das Mauerwerk ist noch relativ gut in Schuss." Für das Expertenbüro, das sich auf die Instandsetzung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert hat, ebenfalls eine angenehme Überraschung: "Bei den meisten Projekten, mit denen wir beauftragt werden, ist es fünf nach zwölf, wenn wir beauftragt werden. Hier ist es glücklicherweise fünf vor zwölf", sagt Hoffmann. Der Stiftung, die sich Gedanken über das Nutzungskonzept machen muss, verschafft dies zeitlichen Spielraum. "Wir können uns nun in Ruhe überlegen, was aus dem Turm werden soll", so Piontke.

Am Anfang eines langwierigen Prozesses

Was das sein könnte? "Dazu können wir derzeit noch nicht viel sagen, weil wir erst am Anfang eines langwierigen Prozesses sind", antwortet Bürgermeister Simon. Immerhin eines ist klar: "Es wird künftig keine Gastronomie mehr geben", stellt Piontke klar und sie nennt auch den Grund: "Das trägt sich hier einfach nicht, denn es ist ein reines Saisongeschäft." In diesem Zusammenhang verweist Simon auf die bisherigen Erfahrungen: Die Stadt, seit 1933 Eigentümerin des Turms, hatte die dazugehörige 84 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung unter der Bedingung vermietet, dass der Pächter an den Wochenenden Wanderer und Gäste bewirtet. Ein schwieriges Unterfangen, wie Simon weiß: "Denn das hing sehr vom Wetter ab. Mal hatte der Wirt zu viel Kuchen gebacken, auf dem er sitzenblieb, wenn das Wetter schlecht war. War das Wetter schön, hat das Angebot nicht gereicht." Dass man von einer gastronomischen Nutzung abgekommen ist, hängt auch damit zusammen, dass die baulichen und hygienischen Auflagen, die erfüllt werden müssten, "viel zu aufwendig wären". Nichtsdestotrotz ist es erklärtes Ziel der Stiftung, dass der geschichtsträchtige Turm auch in Zukunft allen zugänglich sein soll. Auch wenn die Schäden nicht so schlimm sind: Der Turm muss renoviert werden. Geplant werden kann aber erst, wenn die Entscheidung über die Nutzung gefallen ist Fakt ist auch, dass das neue Konzept sichern soll, dass sich Turm auf Dauer selbst tragen und kein Zuschussgeschäft bleiben soll.

Die "guten Geister" des Verschönerungsvereins haben bereits die ersten Voraussetzungen geschaffen. Anfang des Jahres haben die ehrenamtlichen Helfer begonnen, das Außengelände aufzuräumen, einen Schuppen abzureißen und haufenweise Sperrmüll entfernt. Sie haben wuchernde Hecken und Bäume entfernt und die Blickachse freigelegt, damit die Besucher die Sicht auf die Altstadt genießen können, die von dort oben aus wie eine Märklin-Landschaft wirkt.

Terrazzo-Boden im großen Saal freigelegt

Außerdem haben sie bei der Entkernung der Pächterwohnung mitangepackt - sehr zur Freude des Architekten: "So ein tolles Engagement erleben wir selten, das hat uns viel Arbeit und Kosten erspart", lobt Hoffmann. Bei der Gelegenheit machte man übriges zwei Entdeckungen: "Bei Bodenproben im großen Saal haben wir Terrazzo-Boden freigelegt, der hier wohl ursprünglich verlegt wurde", schildert Hoffmann. Zudem wurden einige alte historische Türen und Fenster gefunden.

Ach ja, und dann ist noch der winzig kleine Geheimraum, der unter dem Bad der Pächterwohnung entdeckt wurde. Die Hoffnung, dass sich unter der hölzernen Falltüre in Goldschatz finden würde, indes wurde enttäuscht. Arnold öffnet die Luke und gibt damit den Blick auf ein staubiges Kämmerchen frei, in dessen Mitte eine ausgediente, alte Toilette steht. Christine sieberhagen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare