Die Sicht vom Kaisertempel ist unberührt, wie ein Blick durch das Fenster von Bürgermeister Alexander Simon verrät. So soll es bleiben.
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Die Sicht vom Kaisertempel ist unberührt, wie ein Blick durch das Fenster von Bürgermeister Alexander Simon verrät. So soll es bleiben.

Breite Initiative gegen Flächen für Windräder

Kein Spargel soll den Blick trüben

  • vonManfred Becht
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Bürger, Vereine und Politiker stellen sich gemeinsam und deutlich gegen die Ausweisung von Flächen, auf denen Windräder gebaut werden können. Die Burgstadt fürchtet um ihre Reize.

Man kann ganz unterschiedliche Strategien einschlagen, um die Ausweisung von Flächen für Windräder in Eppstein zu verhindern – eventuell führt eine davon zum Ziel, eventuell alle zusammen, eventuell keine davon. „Am Ende muss man den Behörden das Leben schwer machen und sie mit Papierkram zumüllen“, formuliert es Claudia Piontke, die Vorsitzende des Verschönerungsvereins, deutlich. Und tatsächlich sehen auch andere, bis hin zu Bürgermeister Alexander Simon, die Notwendigkeit, möglichst viele Stellungnahmen an den Regionalverband zu schicken, der diese Flächen ausweisen will. „Es gibt viele, jedem fällt etwas anderes ein“, sagt auch Wolf-Christoph Lenz. Der Eppsteiner gehört zu den Bürgern, die sich gerade zu einer Initiative gegen diese Pläne zusammenschließen.

Stand der Dinge ist, dass momentan niemand solche Windkraftanlagen bauen möchte. Der Regionalverband arbeitet an einem Plan, in dem Flächen gekennzeichnet werden, die für den Bau von Windrädern vorgesehen sind. Vor wenigen Wochen ist ein neuer Entwurf veröffentlicht worden, in dem eine neue Fläche im Dreieck zwischen Eppstein, Bremthal und Wildsachsen enthalten ist; ein Teil davon liegt auf Bremthaler Gebiet. Bürger und Kommunen haben jetzt die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben, nach Auskunft der Stadt ist dafür Zeit bis zum 19. Mai. Der Regionalverband wird den Plan überarbeiten – Ziel der Eppsteiner ist, dass die Fläche dann wieder aus dem Plan verschwunden ist.

Andernfalls wäre es nicht ausgeschlossen, juristisch gegen den Plan vorzugehen. Zu vielen Themen gebe es gar keine Gutachten, etwa zum Artenschutz oder auch darüber, wie viel Wind es dort überhaupt gibt. Wenn das stimmt, sprechen die Juristen von einem Abwägungsfehler. „Der Plan hat Mängel und ist daher rechtlich angreifbar“, weiß auch Peter Arnold, der Vorsitzende des Burgvereins.

Er gehört zu denen, die sich darüber gewundert haben, dass zunächst so recht keine Diskussion aufkommen wollte über diese Windräder. Denn wenn sie gebaut würden, wäre der Ausblick vom Kaisertempel ebenso verdorben wie der Blick auf die Burg und von der Burg. Um die Burgen Königstein und Kronberg sei eine Schutzzone von vier Kilometern gezogen worden, um die Eppsteiner Burg ist es nur ein Kilometer. Dass da ein Unterschied gemacht wird, ist für Arnold nicht nachvollziehbar.

Um das Anliegen zu untermauern, hat Simon im Baumarkt eingekauft und aus Holzbrettern ein Sichtfenster gezimmert: „So soll es bleiben! Eppsteins Ansichten bewahren“ konnte darauf gestern jeder lesen, wenn er vom Kaisertempel durch Simons „Ausguck“ auf die betroffene Fläche blickte.

Während also die Stadt offiziell eine ausführliche Stellungnahme einreichen will, haben der Burgverein und der Verschönerungsverein ihre Positionen für die nächsten Tage angekündigt. Beiden geht es darum, die Bürger zu mobilisieren. Ziel ist, das zu verhindern, was im Magistratsbeschluss vom Donnerstag „Verspargelungswirkung“ genannt wird. Vorbereitet wird auch eine Unterschriftensammlung. Dahinter steckt eine Initiative gegen den Bau von Windrädern, die im Umfeld des Lions Clubs entstand. „Initiative pro Eppstein“ soll sie heißen, feste Strukturen konnten in der kurzen Zeit noch nicht gebildet werden, sagt Mitstreiter Lenz. Der beziffert die Zahl der dort möglichen Windräder auf mindestens 15.

Auch die Parteien melden sich zu Wort. Die CDU unterstütze die Position, auf städtischen Grundstücken keine Windräder zuzulassen, heißt es in einer Erklärung. Tatsächlich ist es ein starkes Argument, dass die Fläche auf Bremthaler Gebiet der Stadt gehört. Die FDP hat in einer Erklärung besonders auf die Funktion der Eppsteiner Waldgebiete für Naturschutz und Naherholung hingewiesen. FWG-Mann Bernd Fuchs erinnerte daran, dass Bemühungen geplant sind, mehr Tagesausflügler nach Eppstein zu locken. Bürgermeister Alexander Simon ist außerdem auf der Suche nach Bündnispartnern, spricht mit der Forstverwaltung und dem Tourismusverband Taunus. Auch mit Hofheim hat er schon Kontakt aufgenommen, die Kreisstadt ist ebenfalls zur Stellungnahme gefordert. So ganz klar ist allerdings noch nicht, wie diese ausfallen wird.

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