Reinhard Osiander erklärt sein aus Eichenhölzern gefertigtes Tableau, auf dem der Heilige Georg mit dem Drachen kämpft.
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Reinhard Osiander erklärt sein aus Eichenhölzern gefertigtes Tableau, auf dem der Heilige Georg mit dem Drachen kämpft.

Kunst und Kultur

Künstlerwelt lebt wieder auf

  • VonEsther Fuchs
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Vom Drachenkämpfer bis zur Schwarznuss-Skulptur: Das Bildhauersymposium lockt Besucher aus der ganzen Region.

Niederjosbach -Den Holzrahmen seines Tableaus hat er erst am letzten Tag erstellt. Der "Heilige Georg im Kampf mit dem Drachen" blickt dem Betrachter eindrucksvoll entgegen. Zur Finissage des achten Holzbildhauersymposiums in Niederjosbach zeigt Bildhauer Reinhard Osiander sein aus Eichenhölzern akzentuiert erstelltes Tableau. Feingliedrig züngeln Flammen in Richtung Himmel. Georg scheint furchtlos. Der Drache hat keine Chance.

Auch die Corona-Pandemie hatte in diesem Jahr keine Chance mehr, dem Kulturkreis Eppstein Knüppel in die Beine zu werfen. In Kooperation mit den MB Baumdiensten gelang das pandemiekonform gestaltete Bildhauersymposium unter freiem Himmel mit 3 G-Regel. Der MB-Naturholzlagerplatz wurde zum Freilicht-Atelier. Die vier Frauen und vier Männer zeigen sich zum Ende des Symposiums erleichtert. "Es ist schön, dass wir wieder loslegen durften", sagt Christel Steier. Sie beschäftigte sich in ihrer Arbeit "Zeitzeuge Holz" mit dem "Dialog Natur und Mensch". Die Menschen habe sie während der Pandemie leidlich vermisst. "Es war alles schwierig: keine Ausstellungen, keine Besucher, kein Einkommen", berichtet Steier.

Holzkunst, Malerei und Musik vereint

Ihre Kreativität ließ sie sich nicht nehmen. Auch Johannes Bierling nicht. Auf Einladung des Kulturkreises begab sich der Künstler in seiner Skulptur "Raumfaltung 236" auf die "Spur von Linie, Fläche und Raum". Reinhard Osiander, Christel Steier und Johannes Bierling arbeiteten in Niederjosbach eine Woche lang neben den Kollegen Markus Bäcker, Frank Leske, Tanja Röder, Gudrun Schuster und Ortrud Sturm. Gemeinsam begaben sie sich auf die Schaffensreise durch die Vielfalt des Naturprodukts Holz. Erweitert wurde das Symposium mit Malereien der Künstler Ukn Lee und Keiko Kimoto. Zur Vernissage spielte Cellist Daniel Müller-Schott. Die Finissage begleitete Paul Pfeffer auf dem Saxophon.

Im Dreijahresrhythmus organisiert der Kulturkreis in Abstimmung mit MB Baumdienste das Symposium. Wolfgang Kersten, am Tag der Finissage als Vertreter der Firma anwesend, lobt die breite Fülle der künstlerischen Umsetzung. "Jeder Künstler wirkt durch seine individuelle Bearbeitungsweise." Dass das Holzlager eine Woche lang zum riesigen Kunstatelier wurde, ist auch Barbara Krämer und Jochen Quack zu verdanken. Sie sind beim Kulturkreis die kreativen Köpfe und Motoren der Veranstaltung.

Mit der Motorsäge den letzten Schliff

Vereinschef Horst Winterer machten daher die besonderen Herausforderungen um die Covid-Auflagen nicht zu große Kopfschmerzen. Im Gegenteil: Die künstlerische Erweiterung mit Cello, Saxophon und Malerei brachte Zuversicht für künftige Symposien. Der Titel "Cello im Dialog mit Holz, Papier und Pinsel" hatte Barbara Krämer mit Galeristin Ling Wang-Hohmann in Kontakt gebracht. Wang-Hohmann arbeitet mit der in Berlin lebenden japanischen Künstlerin Keiko Kimoto und dem Südkoreaner Ukn Lee zusammen.

Bierling gibt am letzten Tag der Ausstellung noch einmal einen authentischen Einblick in seine Arbeitsweise. Mit der Motorsäge in der Hand und Lärmschutz auf den Ohren, verleiht er seinem "236 Jahre alten Eichenholzstamm aus Königstein" den letzten Schliff. "Meine Arbeiten entstehen aus sich heraus. Ich bilde nicht ab", erklärt der Künstler auf der Leiter stehend.

Warum ein Saxophon ein Holzblasinstrument ist

Holz sei ein moderner Werkstoff, der schnelle Umsetzungsmöglichkeiten böte, lobt Sturm. Sie ist von der organischen Struktur des Naturprodukts begeistert. Die Künstlerin hat in Eppstein zwei Skulpturen aus verschiedenen Holzarten gefertigt. Und zeigt unter anderem eine Schwarznuss, "ein sehr seltener Baum in Europa. Er gehört zu den dunkelsten Hölzern." Dem gegenüber stellte sie ihre Arbeit aus weicher Weymouths-Kiefer.

Den künstlerischen Bogen zu Kimoto und Lee spannt Winterer. Beide arbeiteten indirekt auf Holz. Die zehn Meter lange, eineinhalb Meter hohe Leinwand von Kimoto zeige eindrucksvoll, dass aus dem Grundstoff Holz auch Papier gefertigt wird. "Wussten Sie, dass das Saxophon zu den Holzblasinstrumenten gehört?", fragte Winterer erneut in Anlehnung an den Baustoff. Saxophon-Töne werden durch das hölzerne Rohrblatt im Mundstück erzeugt, so der Kulturkreis-Chef.

Der Blick des Kulturkreises und der Künstler richtet sich nun nach vorne. Das Eppsteiner Symposium habe die öffentliche Schaffensfreude wiedergebracht, die seit Frühjahr 2020 nur privat ausgelebt werden konnte.

Künstlerin Christel Steier trifft die Organisatoren Jochen Quack, Horst Winterer, Wolfgang Kersten (v. l.).

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