Wer möchte als Burgbesucher nicht so freundlich begrüßt werden? Leander Kuhlisch ist seit dem 1. April der neue Kastellan.
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Wer möchte als Burgbesucher nicht so freundlich begrüßt werden? Leander Kuhlisch ist seit dem 1. April der neue Kastellan.

Burgwächter

Leander Kuhlisch ist der neue Wächter auf der Burg in Eppstein

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Leander Kuhlisch ist seit dem 1. April der neue Burgwächter. Er bringt eine Partnerin mit grünem Daumen und einen Wachhund namens Sarah mit.

Es sind auch kleine Geschichten, die ein Leben verändern können. Leander Kuhlisch wohnte kurz in Niederjosbach, als er mit seiner Freundin Josephine Füldner das erste Mal die Burg vor seiner neuen Haustür betrat. Das Paar überlegte, dort zu heiraten. Kastellanin Patricia Rudolph führte sie herum, und Kuhlisch dachte: „Mensch, das wäre doch was für Dich.“

Aus der Hochzeit auf der Burg wurde zwar nichts, die soll es diesen Sommer in Mecklenburg-Vorpommern geben. Doch den Job als Burgwächter hat Leander Kuhlisch jetzt bekommen. Seit dem 1. April ist er der Mann für alle Fälle zwischen den alten Mauern. Er löst die Rudolphs ab, die rund vier Jahre im Dienst waren und sich Ende 2017 anders orientiert hatten. Seitdem schauten Ehrenamtler hier oben nach dem Rechten und kassierten den Eintritt. Kuhlisch und Füldner sind nun wohl die geeigneten Nachfolger, glaubt Bürgermeister Alexander Simon. Mehr als zehn Bewerbungen gab es, fünf kamen in die engere Auswahl. Der Niederjosbacher machte Rennen. Zwei Tage nach der Magistratsentscheidung habe er ihn auf der Burg getroffen. Er habe sich bereits seinen neuen Arbeitsplatz angeschaut, erzählt Simon. „Das hat uns bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war.“

Denn der 46-Jährige sprüht geradezu vor Tatendrang. Vor dem Einzug hat das Paar bereits die rund 80 Quadratmeter große Wohnung im Pförtnerhaus aus dem 16. Jahrhundert renoviert. An Ostern gab es den ersten großen Andrang beim historischen Spaziergang. „Es hat sich gelohnt, ich habe es keinen Tag bereut“, sagt der neue Burgwächter. Es habe schon „sehr viele nette Menschen“ und interessante Ecken über den Dächern der Stadt kennengelernt. Diese Kombination hat ihn zur Bewerbung motiviert: „Die Menschen sind der Reiz und die Burg an sich.“ Er habe sich schon in Literatur und den Multimedia-Guide eingelesen, um Auskünfte zur Geschichte geben zu können. Seine Hauptaufgabe ist aber eine Mischung aus Kassierer, Aufpasser und Hausmeister. Prima findet der geborene Berliner, dass er sich einbringen könne. Eine erste Aktion wird ein neues Holzschild am Eingang mit den Eintrittspreisen sein. In seinem Privatbereich möchte er nach und nach einiges renovieren.

Da ergänzt er sich prima mit seiner Lebensgefährtin, die weiter ihrem Job als Finanzfachwirtin nachgeht und für den neuen Garten „einen grünen Daumen“ hat. Für Kuhlisch selbst war der Wechsel auch irgendwie ein Schritt zur Entschleunigung. Denn beruflich hat er zuvor schon einiges mitgemacht. Zuerst lernte er Schiffsmechaniker, wollte sich dann bei der Bundesmarine verpflichten. Doch der Liebe wegen zog er kurz vor der Unterschrift nach Mainz, begann dort eine zweite Ausbildung als Eisenbahner im Betrieb. Einige Jahre war er Fahrgastleiter in den Bahnhöfen Eltville, Niederwalluf, später dann Mainz-Bischofsheim, wurde ab 2002 Zugdisponent in der Betriebszentrale in Frankfurt. Hier Tag für Tag zwölf Monitore in einem engmaschigen Bahnnetz zu überwachen – in Schichten und an Wochenenden – das habe ihn schon geschlaucht.

Da kam wenige Monate nach dem ersten Burgbesuch die Zeitungsanzeige für den Kastellan-Posten gerade recht. Gemeinsam habe das Paar entschieden, sich für den wohl historischsten Wohn- und Arbeitsplatz in Eppstein und im Kreis zu bewerben. Auch Sarah wird sich freuen: Die Schäferhündin hat nun ein riesiges Terrain zu bewachen. Und bekommt hin und wieder Spielkameraden, für die Kuhlisch noch eine kleine „Hunde-Bar“ am Eingang plant. Burgarchitekt Franz Burkhard führt Amtmänner und Verwalter seit 1318 auf, den Burgwart oder Kastellan seit 1802, berichtet Museumschefin Monika Rohde-Reith. Der Begriff kommt vom römischen „Castello“ für „Burg“. Vor dem Torhaus gab es ein kleines Wächterhäuschen.

Im 19. und 20. Jahrhundert war die Ruine nicht verschlossen und bewacht, rottete vor sich hin. Mit Burkhard zog wieder Leben ein – nicht selten hätten Kastellane der Burg einen Stempel aufgedrückt, weiß Rohde-Reith. Früher leiteten sie hier auch die Führungen.

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