Moderne Solarfolien lösen Lametta ab

  • vonManfred Becht
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Lametta wird bei Eppstein Foils nicht mehr produziert. Nach dem Abbau der Maschinen wurde jetzt auch das Hinweisschild am Bürogebäude ausgetauscht.

Etwa 50 verschiedene Folien aus Blei und Zinn, in unterschiedlichen Verbindungen mit anderen Materialien, stellt Eppstein Foils her – für Anwendungen in der Medizin, der Elektronik und der Werkstoffprüfung. Der Laie kann sich darunter wenig vorstellen, weshalb sich in der Vorstellung vieler das Unternehmen, gerade unter der alten Bezeichnung Stanniolfabrik, vor allem mit einem Produkt verbindet – Lametta. Auf die glitzernden Metallfäden, die einst fast jeden Christbaum in Deutschland zierten, wurde bisher sogar auf einer Informationstafel am Bürogebäude der Fabrik hingewiesen.

Damit ist es allerdings vorbei, Ende 2013 lief die Lametta-Produktion aus. Die Produktionsmaschine hätte aufwendig in Stand gesetzt werden müssen, begründet Eppstein-Foils-Geschäftsführer Dirk Mälzer die Stilllegung. Das aber lohnte sich nicht, zumal die Nachfrage immer mehr zurückgegangen ist. Noch in den 80er Jahren hätte man mit dem jährlich in Eppstein produzierten Lametta 20 Millionen Weihnachtsbäume schmücken können, weiß Mälzer. Aber der Geschmack wandelte sich, Glitzerfäden verwendet kaum noch jemand.

Folienzieherei von 1852

Deshalb nimmt dieses Produkt auch keinen großen Raum mehr ein auf der neuen Tafel, die jetzt montiert wurde. Ohnehin – die Firmengeschichte besteht eben längst nicht nur aus Lametta. 1852 wurde das Unternehmen als Bleifolienzieherei von Conrad Sachs gegründet, damals noch an der Hintergasse. 1870 zog die Firma an den heutigen Standort um, in eine ehemalige Mühle. Das Bürogebäude entstand 1904 im typischen Stil einer Villa dieser Zeit und steht unter Denkmalschutz.

Wenig später, im Jahr 1906, erhielt das Unternehmen das Patent für Lametta unter dem Namen Eisthau. „Feenhaft! Alles bisher dagewesene übertreffend“ – so wurde der Christbaumschmuck anfangs beworben. Das alles gehört allerdings zur Firmengeschichte. Die Produktionsmaschine wurde inzwischen verschrottet – auch dass die den Namen „Maria“ trug, hat ihr nichts geholfen.

Genau an der gleiche Stelle werden künftig Folien produziert, die in Solarmodulen eingebaut werden. Seit 2009 arbeitet Eppstein Foils an der Entwicklung des neuen Produktes, inzwischen ist es patentiert. Die Produktionsmaschine steht in einem Nebenraum und läuft derzeit im Probebetrieb, die Techniker basteln an den Feineinstellungen. Firmenchef Mälzer hofft, dass bald alles einwandfrei funktioniert – die Kunden, vor allem chinesische Unternehmen, warten schon.

Zum Glück für Eppstein Foils stellt derzeit kein anderes Unternehmen diese Folien her, die die Leistungsfähigkeit von Solarmodulen um 10 bis 15 Prozent erhöhen können. Das hat, betont Mälzer, schon einen gehörigen Einfluss auf die Rentabilität von Solaranlagen. Wenn die ersten Module aus China fertig sind und ausgeliefert werden können, sollen auch welche auf das Dach der Stanniolfabrik montiert werden – damit man einen Vergleich hat mit den bisher verfügbaren Anlagen, die dort jetzt schon Strom produzieren.

Mit dem neuen Schild passt sich Eppstein Foils an das Design der Schilder in Eppstein hin, die auf die historischen Sehenswürdigkeiten hinweisen. Bremthal sei schon komplett mit Schildern in dieser Optik ausgestattet, berichtet Bürgermeister Alexander Simon. Auch in anderen Stadtteilen gibt es die Tafeln schon, weitere folgen nach und nach. Auf der Burg hat sich der Burgverein um die neuen Schilder gekümmert.

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