Auch am Stadtbahnhof werden Sensoren und sogenannte Gateways zur Übermittlung von Belegungsdaten angebracht. Archivfoto: Stadt
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Auch am Stadtbahnhof werden Sensoren und sogenannte Gateways zur Übermittlung von Belegungsdaten angebracht. Archivfoto: Stadt

Parkleitsystem

Nie mehr "Parkplatz-Lotterie"?

  • vonManfred Becht
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PROJEKT Stadt Eppstein testet Sensoren an P+R-Plätzen, die Pendlern helfen soll

Eppstein -Den Eppsteiner Berufspendlern dürfte sich in den kommenden Wochen ein ungewohntes Bild auf den Park-and-Ride-Plätzen bieten: Zwei Zentimeter dicke Sensoren, vom Umriss her so groß wie ein Schuh, werden an den beiden kommenden Wochenenden auf den allermeisten der etwa 330 Eppsteiner Park-and-Ride-Plätzen auf den Boden geklebt - ausgenommen sind eine Handvoll Plätze in Niederjosbach, die nur mit Schotter befestigt sind.

Die Sensoren sind Teil eines Projekts, das allen nutzen soll, die mit dem Auto zu einem Bahnhof fahren und dort parken, um mit dem Zug weiterzufahren. Das sind beispielsweise Berufspendler, von denen es in Eppstein einige gibt. Sie spielen bislang an jedem Morgen eine Art Parkplatz-Lotterie: Wo gibt es noch freie Plätze? So lautet die allmorgendliche Frage. Da wäre es doch praktisch, zu Hause am PC oder besser noch mit einer Smartphone-App vorab nachprüfen zu können, wo es noch freie Kapazitäten gibt.

Das wird demnächst für einige Monate möglich sein, denn mehrere Unternehmen, die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) und die Städte Mainz und Wiesbaden beteiligen sich an der Entwicklung eines Systems, das die Autofahrer frühzeitig zu freien Parkplätzen entlang der Bahn leitet.

Sensoren auf 330 Parkplätzen

Mit den Sensoren werde aber nur erfasst, ob der jeweilige Platz besetzt ist, Kennzeichen und Nutzer blieben unbekannt. Kein Grund also, sich Sorgen wegen des Datenschutzes zu machen, bekräftigt Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der am Projekt beteiligten IVM GmbH.

Die Verwaltung begrüßt das Projekt, denn "Suchverkehr passt nicht in die heutige Zeit", meint Bürgermeister Alexander Simon. Und es nervt ja auch nicht nur, wenn man vergeblich auf der Suche ist, um dann womöglich die ganze Strecke mit dem Auto zu fahren. Es geht vielmehr darum, möglichst viele Autofahrer zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen. Das muss möglichst bequem sein, und zum Komfort trage eben bei, früh zu wissen, wo man parken kann, so die Initiatoren.

Auch Prognosen sollen möglich werden

Dabei reiche es nicht, die Zahl der aktuell freien Parkplätze anzuzeigen, es müsse auch eine Prognose geben für die Situation in 15 Minuten oder einer halben Stunde, sagt Petra Schäfer, die an der Frankfurt UAS Professorin für Verkehrsplanung ist. Zu diesem Zweck werden im Sommer Daten zu den Verkehrsströmen in und um Eppstein erhoben. Durch Kombination mit den Daten von den Parkplätzen soll es dann auch möglich sein, Prognosen zu erstellen. Ergänzt wird die Datenerhebung dann noch durch Befragungen der Nutzer, sobald die Kontaktbeschränkungen gelockert sind. Dabei wird es außerdem um die Herkunft der Autofahrer gehen, denn nicht nur Einheimische wechseln in Eppstein vom Auto in die Bahn, sondern auch Pendler etwa aus Fischbach oder Wildsachsen.

Bei diesem vom Bundesverkehrsministerium finanzierten Forschungsprojekt kann aus Simons Sicht auch herauskommen, dass in Eppstein zusätzliche Plätze geschaffen werden müssen. Kapazitäten gebe es durchaus. Momentan ist die Auslastung der Parkplätze unterdurchschnittlich, da viele zu Hause arbeiten.

Die Sensoren werden jedenfalls an den beiden nächsten Wochenenden angebracht, damit werktags keine Plätze gesperrt werden müssen. Dass irgendjemand Unfug mit den Geräten treibt, ist laut Sebastian Herter sehr unwahrscheinlich. Seine Firma "Smart City System GmbH" habe bislang etwa 49 000 solcher Sensoren verklebt - und nur ein einziger sei weggekommen. Wenn das System in Betrieb genommen wird, werde die notwendige Smartphone-App kostenlos angeboten, heißt es.

Ob die Sensoren überhaupt wieder abgebaut werden? Rathauschef Simon kann sich durchaus vorstellen, dass ein dauerhaftes Parkleitsystem daraus wird.

So sehen die Sensoren für die Belegungsdaten aus.

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