Niederjosbach behält sein Schnarchnasen-Internet

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In diesem Jahr soll es für die Eppsteiner Haushalte schnelles Internet geben. Das gilt möglicherweise aber nicht für alle.

Die Politik ist gelegentlich etwas vollmundig. „Jede Stadt und jede Gemeinde braucht schnelles Internet“, sagte Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) im vergangenen November. Dies sei „nicht nur für Privatleute“, sondern „auch für die hiesigen Unternehmen wichtig“, konkretisierte Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon (CDU). Und der zuständige Projektleiter bei der Telekom kündigte an: „Ab Februar können nun auch die Eppsteiner Bürger auf die Datenautobahn abbiegen.“

Aber es werden nicht alle sein. Im nördlichen Vockenhausen, etwa an der Mohrsmühle und am Bornwald, gibt es Quartiere, für die es so schnell nichts wird mit der Datenautobahn. Übertragungsgeschwindigkeiten von

16 Megabit

pro Sekunde gibt es dort, so Bürgermeister Simon zum Kreisblatt. Das ist weit besser als etwa der aktuelle Zustand in Niederjosbach, wo zurzeit mehr als 2 Megabit nicht drin sind. Das ist, um im Bild der Telekom zu bleiben, ein holpriger Feldweg. In Vockenhausen ist man immerhin schon auf dem Stand einer Landstraße. Aber wenn alle eine Autobahn versprochen bekommen, dann möchte man eben gerne dazugehören.

Entsprechend sauer sind die betroffenen Bewohner. Er und seine Nachbarn sähen sich als Mitbürger zweiter Klasse, schimpft ein Internetnutzer. „Mir ist völlig schleierhaft, wie die Stadt so etwas zulassen konnte“, lautet eine weitere Beschwerde. Auch dass ausgerechnet in der Jahnstraße, die ebenfalls betroffen ist, auf Plakaten der Telekom schnelles Internet versprochen wird, kommt dort überhaupt nicht gut an.

Gegenüber dem Kreisblatt macht Bürgermeister Alexander Simon deutlich, dass die Stadt sich um das Thema kümmere. Offensichtlich sind es bundesweite Festlegungen zum Internetausbau, die in Vockenhausen für Ärger sorgen. Im Bereich zweier Verteilerkosten habe ein anderes Unternehmen, die in Wallau ansässige Titan Networks, die Leitungen so ausgebaut, dass Übertragungsraten von mehr als 30 Megabit pro Sekunde möglich seien, lässt die Telekom wissen. Nach den Vorhaben der Bundesnetzagentur sei es anderen Unternehmen nicht erlaubt, dort noch einmal die gleiche Technik zu installieren.

Dass Anwohner erklären, bei ihnen seien die 30 MB gar nicht zu erreichen, hat auf die Situation offenbar keinen Einfluss. Man verhandele mit dem Main-Taunus-Kreis und den Firmen, um eine Lösung zu erreichen, so Bürgermeister Simon. Wie diese Lösung aussehen könnte und bis wann sie zu erreichen ist, dazu gibt es aber noch keine Aussagen.

Ein Hoffnungsschimmer ist nach Auskunft der Telekom ein aktueller

Gesetzentwurf

zum Netzausbau unter Verwendung der sogenannten Vectoring-Technik. Die nämlich ermöglicht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 MB – und beim Ausbau müsse, so Stand der Beratungen, auch keine Rücksicht auf bereits installierte Technik genommen werden.

(bt)

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