Fair, aber noch nicht fair genug

Schulen sollen gerechten Handel stärker verinnerlichen

  • VonManfred Becht
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Seit zwei Jahren ist Eppstein auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt. Bis zu dem begehrten Siegel fehlen aber noch ein paar Schritte.

Mehr als 700 Millionen Menschen weltweit leben von einem Einkommen von weniger als 1,90 Euro täglich, erklärte Kerstin Buda-Friedrich für die Organisation Fairtrade bei einem Infoabend im Rathaus in Vockenhausen. Aber was ist damit gesagt? Der Einwand taucht schnell auf, dass dies über die Kaufkraft in einzelnen Ländern nicht viel aussagt. Wer sich für fairen Handel einsetzen will, der kann tatsächlich bessere Argumente bringen.

Zum Beispiel: Kostet eine Tafel Schokolade im Laden in Deutschland einen Euro, so kommen davon drei Cent beim Kakao-Bauern an. Das ist so wenig, dass in vielen Ländern die Kinder der Familie bei der Arbeit mithelfen müssen. So haben sie keine Zeit mehr für den Schulbesuch und können nichts anderes werden als unterbezahlte Kakao-Bauern. Da in anderen Branchen ähnliche Verhältnisse herrschen, haben solche Länder kaum eine Chance, sich wirtschaftlich zu entwickeln. Dauerarmut ist die Folge, daraus ergeben sich soziale Konflikte bis hin zum Bürgerkrieg. Davor flüchten viele, auch nach Europa.

Bekannt ist das längst. Dass jeder Konsument gegensteuern kann, ist die Grundidee des fairen Handels. Dabei können die Kommunen Vorbilder sein, die ihre Bürger ermuntern, sich dem anzuschließen. Eppstein soll eine solche Fairtrade-Stadt werden, das beschloss die Stadtverordnetenversammlung schon im März 2015. Allerdings ist es in diesen beiden Jahren noch nicht gelungen, das Siegel zu bekommen.

Es gehe gar nicht so sehr um das Siegel selbst, erklärte Volker Pottmann, Sprecher einer Steuerungsgruppe aus Bürger, Verwaltung und Wirtschaft bei der Informationsveranstaltung. Sondern es gehe darum, dass der faire Handel gefördert wird. Den definiert Kerstin Buda-Friedrich so, dass die Produzenten für ihre Waren einen Erlös bekommen müssen, der ihnen ein vernünftiges Auskommen sichert – ohne ausbeuterische Kinderarbeit, ohne unmenschliche Arbeitsbedingungen, ohne Überbeanspruchung der Natur.

Vier von fünf Kriterien seien bereits erfüllt, berichtete Pottmann: Es gibt eine Steuerungsgruppe, die sich um das Thema kümmert. Es gibt im Rathaus bei Sitzungen fair gehandelte Getränke. Es gibt fair gehandelte Produkte in vier örtlichen Geschäften und in zwei Gaststätten werden sie verwendet. Und die lokalen Medien berichten über all diese Bemühungen.

Es seien die Schulen, die noch nicht so mitmachen, ließ Pottmann durchblicken. Diese sollen das Thema aufgreifen und beispielsweise Aktionstage machen. „Das ist unser Schwachpunkt“, räumte Pottmann ein. Welche der Eppsteiner Schulen wie bereitwillig sind, das wollte er öffentlich nicht sagen – dies würde diese Bemühungen eher durchkreuzen. Grundsätzlich sei die Bereitschaft ja auch vorhanden, weiß Pottmann. Gut möglich also, dass es in absehbarer Zeit doch noch etwas wird mit dem Siegel. Mitstreiter werden auf jeden Fall gesucht. Wer sich für das Thema interessiert, kann mit Volker Pottmann unter vpottmann@t-online.de Kontakt aufnehmen.

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