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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Prozess in Frankfurt

Lange Haftstrafe für Eppsteiner Messerstecher

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Das Landgericht Frankfurt hat einen 29 Jahre alten Eppsteiner zu einer langen Haftstrafe verurteilt, weil er einen Mitbewohner mit mehreren Stichen schwer verletzt hatte. Es soll bei einem Streit um Mietnebenkosten der gemeinsamen Wohnung gegangen sein.

Eppstein - Sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags – mit diesem Urteil ist jetzt nach nur drei Verhandlungstagen der Prozess um die beinahe tödliche Messerattacke in Eppstein zu Ende gegangen. Die Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts ging von einem bedingten Tötungsvorsatz des 29 Jahre alten pakistanischen Angeklagten aus, auch wenn der eigentliche Anlass der Stiche mit einem 30 Zentimeter langen Gemüsemesser aus Keramik nach wie vor im Dunkeln liege, so die Sicht der Richter.

Im April des vergangenen Jahres drangen plötzlich Schreie aus der kleinen Eppsteiner Wohnung, in der der Pakistaner sowie das spätere Opfer wohnten. Von mehreren Stichen getroffen, eilte der Schwerverletzte aus dem Haus. Während er gerade noch den Notarzt verständigen konnte, fuchtelte sein Kontrahent weiter mit dem Messer am Küchenfenster herum. Die schnelle Einweisung ins Krankenhaus und die Notoperation retteten das Leben des verletzten Eppsteiners. Insbesondere die Lunge wies schwere Beeinträchtigungen auf – im Normalfalle ist so etwas tödlich, wurde während der Verhandlung deutlich.

Grund bleibt nebulös

Zunächst ging die Staatsanwaltschaft des Landgerichts aber noch davon aus, dass die beiden Männer in ihrer Wohnung in der Burgstadt über die anteiligen Mietnebenkosten sowie die Anschaffung von Mobiliar in Streit geraten waren. 600 Euro soll der Angeklagte vom späteren Opfer verlangt haben – ohne Erfolg. Doch trotz intensiver Fragen der Richter und der Staatsanwältin ließ sich in der Beweisaufnahme dieses Motiv nicht erhärten. Der Angeklagte äußerte sich nur pauschal zu dem Vorwurf und räumte die Messerattacke ein. Einen Grund nannte er – warum auch immer – nicht.

Für die Staatsanwältin in ihrem Schlussvortrag und auch die von Richter Volker Kaiser-Klan geleitete Schwurgerichtskammer bedurfte es keines eindeutigen Motivs, um gleichwohl von einem bedingten Tötungsvorsatz auszugehen. Allein die Tatsache, dass mit einem 30 Zentimeter langen Messer – die Klinge ist schon 20 Zentimeter lang – mehrfach auf den Oberkörper eines anderen Menschen eingestochen worden sei, reiche aus, um von einem versuchten Tötungsdelikt auszugehen.

Keine Hilfe geleistet

Zumal der Eppsteiner Messerstecher keinerlei Anstalten gemacht habe, von dem Opfer abzulassen oder gar den Notarzt oder auch nur Wohnungsnachbarn zu alarmieren. Eine Alkohol- oder Drogenproblematik lag dem Fall ebenso wenig zugrunde: Nach seiner Festnahme wurden bei dem 29-Jährigen gerade einmal 0,2 Promille Blutalkohol gemessen – verglichen mit ähnlichen Taten ein sehr niedriger Wert.

Und so kam auf den Angeklagten eine fühlbare Strafe zu, die nach dem Willen von Staatsanwältin Katharina Schubert sogar mit sechs Jahren und neun Monaten Haft noch höher ausgefallen wäre. Die Schwurgerichtskammer aber machte es am Ende „glatt“ und blieb damit immer noch erheblich über dem Strafantrag des Verteidigers, der in Ermangelung eines Tötungsmotivs von einer gefährlichen Körperverletzung ausgegangen und daher eine niedrigere Strafe beantragt hatte. Auch der Rechtsanwalt konnte bei dem Aussageverhalten seines Mandanten nur mit den Schultern zucken: „Ein wortkarger Mensch“. Ob er Revision beim Bundesgerichtshof in diesem Eppsteiner Fall einlegen wird, steht derzeit noch nicht fest.

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